Stadt will günstiges Wohnen in der Lorraine

Das einstige «Luxusprojekt» am Berner Centralweg soll nun doch noch entschlackt werden. Ob das gelingen wird, bleibt zweifelhaft.

So sah das ursrprüngliche Baumzimmer-Projekt aus.
 (Projektbild/Archiv)

So sah das ursrprüngliche Baumzimmer-Projekt aus. (Projektbild/Archiv) Bild: zvg

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Was jahrelang «kaum möglich» war, ist jetzt plötzlich doch möglich: Der Berner Gemeinderat will die Kosten für das umstrittene Neubauprojekt «Baumzimmer» am Centralweg reduzieren und die Renditevorgabe senken. Gemäss einer Mitteilung wird die Finanzdirektion bis im Herbst nächsten Jahres ein «kostenoptimiertes Projekt» für die Überbauung in der Berner Lorraine vorlegen. Sollte dieses wesentliche Änderungen am Projekt beinhalten, «müsste dem Stadtrat erneut Antrag gestellt werden», teilt der Gemeinderat mit.

Damit scheint die Deblockierung eines Vorhabens möglich, das seit sieben Jahren auf politischen Widerstand stösst und juristische Querelen ausgelöst hat. Anlass für die Mitteilung des Gemeinderates ist eine einst ebenfalls umstrittene «geringfügige Änderung» des Bauklassenplanes, die eine Verkleinerung des Grenzabstandes zur benachbarten Liegenschaft ermöglicht.

Stadt blitzt bei Nachbar ab

Das Projekt Centralweg stand von Anfang an unter einem ungünstigen Stern. Aufgrund des hohen Komforts der dreizehn Wohnungen hatte der Stadtrat die einst vorgesehene Querfinanzierung der dreizehn Wohnungen gestrichen. Die Miete für eine 4,5-Zimmer-Wohnung stieg daraufhin von unter 2000 auf 2500 bis 3300 Franken an. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung hätte neu 2100 bis 2480 und eine 5,5-Zimmer-Wohnung 3230 Franken gekostet. Eine Petition im Quartier forderte die Stadt daraufhin zum Verzicht auf den Bau von «Luxuswohnungen» auf. Mit einer Vergrösserung des Projektes wollte die Liegenschaftsverwaltung die Kosten pro Wohnung wieder senken. Die Arrondierung des Grundstückes ist jedoch gescheitert, weil der Eigentümer einer Nachbarliegenschaft am Lagerweg diese nicht an die Stadt verkaufen wollte. «Ein Kauf wäre nur zu einem völlig überrissenen Preis möglich gewesen», hält Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) auf Anfrage fest. Bei «Liegenschaftsspekulationen» mache er aber nicht mit.

Ob die Stadt die Kosten für das Projekt «Baumzimmer» nun reduzieren kann, ist jedoch mehr als fraglich. Vor drei Jahren sagte der städtische Liegenschaftsverwalter Fernand Raval, dass die Stadt «alle möglichen Einsparungen» beim Projekt bereits berücksichtigt habe. Zudem sei das Bauvolumen für eine Senkung der Kosten wohl zu klein. Laut Gemeinderat Aebersold gelten die Aussagen Ravals nach wie vor. Deshalb könnten günstige Mietzinse wie zum Beispiel diejenigen in der Überbauung Stöckacker Süd nicht einfach auf den Centralweg übertragen werden. «Es macht einen Unterschied, ob man 146 Wohnungen bauen kann oder nur 13.» Ob er am Centralweg nun auf die teuren «Baumzimmer»-Balkone oder den Minergie-P-Eco-Standard verzichtet, will Aebersold nicht sagen.

«Letzte Rettungsmassnahme»

Der Versuch zur Kostenreduktion wird im Stadtrat von links bis rechts begrüsst. FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher ist zuversichtlich, dass beim Ausbaustandard der Wohnungen noch etwas eingespart werden könnte. Für GB-Stadträtin Stéphanie Penher ist die Kostenoptimierung «schwierig», aber «nicht unmöglich». Jedenfalls handle es sich um die «letzte Rettungsmassnahme für dieses umstrittene Projekt». Die GB/JA-Fraktionschefin ist Co-Autorin eines Vorstosses, der einen Rückzug des Baugesuches verlangt. Ob nun die Motion selber zurückgezogen wird, lässt Penher offen. (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2017, 09:58 Uhr

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