Gemeinderat kritisiert die 26'000-Franken-Party seiner Angestellten

Der Berner Gemeinderat beurteilt die Kritik an den hohen Kosten als gerechtfertigt. Doch die Vernetzung im Bereich Kultur sei wichtig.

Das teure Fest der Kulturabteilung fand in der Dampfzentrale statt. Das Lokal liegt im Berner Mattequartier.

Das teure Fest der Kulturabteilung fand in der Dampfzentrale statt. Das Lokal liegt im Berner Mattequartier.

(Bild: Adrian Moser)

Ein 26'000 Franken teures Fest der Stadtberner Kulturabteilung sorgt seit Wochen für rote Köpfe. Die Berner Stadtregierung missbilligt die hohen Kosten der Veranstaltung, wie sie in einer am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf eine Kleine Anfrage im Parlament schreibt.

Rund 250 Gäste waren zu dem Anlass Ende Januar in der Berner Dampfzentrale geladen. Auch die Berner Kultband «Züri West» spielte auf. An dem Fest wurde der Vizeleiter von Kultur Stadt Bern verabschiedet.

Als die Kosten für den Anlass publik wurden, hagelte es Kritik in der Öffentlichkeit. Die SVP sprach von einem teuren Abschiedsfest auf Kosten der Steuerzahler und reichte eine Aufsichtsbeschwerde ein.

Das Fest sei ein Anlass zur Verdankung des langjährigen Engagements der zahlreichen Mitglieder in den verschiedenen städtischen Kulturkommissionen gewesen, rechtfertigte Veronika Schaller, die Leiterin von Kultur Stadt Bern, Anfang Februar die Ausgaben. Es habe sich um einen Vernetzungsanlass gehandelt.

Stirnrunzeln

Als solcher sei er durchaus erfolgreich gewesen, kommt die Stadtregierung nun in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage von SVP-Stadtrat Alexander Feuz zum Schluss. Der Gemeinderat gibt darin zu bedenken, dass Kultur im Austausch zwischen Kulturschaffenden, Veranstaltern und Förderstellen entsteht. Die städtische Kulturabteilung habe lange Zeit als wenig zugänglich gegolten. Eine Öffnung sei daher zu begrüssen. Der Anlass festigte nach Ansicht des Gemeinderates die Beziehungen und trug zur besseren Vernetzung bei.

Bei den Kosten von 26'000 Franken runzelt der Gemeinderat aber doch die Stirn. Die Kritik am Vernetzungsanlass sei gerechtfertigt, räumt er ein. Eine solche Veranstaltung widerspreche der Praxis und der Politik des Gemeinderates.

Eine Verquickung des Vernetzungsanlasses mit der Verabschiedung eines Mitarbeitenden war nach Ansicht der Stadtregierung nicht angebracht. Sie hat deshalb der Verwaltung unter anderem den Grundsatz in Erinnerung gerufen, dass für Mitarbeitende, die in Pension gehen, zur Verabschiedung ein einmaliger Betrag von 150 Franken zur Verfügung steht.

Kosten, die über diesen in der Personalverordnung geregelten Beitrag hinausgehen, seien privat, zum Beispiel mittels Sammelaktion, zu finanzieren. Vernetzungsanlässe findet der Gemeinderat aber nach wie vor ein wichtiges Instrument, um Anspruchsgruppen miteinander ins Gespräch zu bringen oder um bei einem Projekt eine möglichst breite Beteiligung aufzugleisen. Die Kosten für solche Anlässe seien allerdings auf das Nötigste zu reduzieren und müssten sich am Prinzip der Verhältnismässigkeit orientieren.

Nicht zufrieden gibt sich Stadtrat Alexander Feuz (SVP): «Wir wissen doch alle, dass es vor allem ein teures Abschiedsfest war, das ist eine reine Ausflucht des Gemeinderats, zu erzählen es sei ein Vernetzungsanlass gewesen.» Verwunderlich sei für ihn auch, dass keine personelle Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen würden, sagt Feuz.

net/sda

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