Zum Hauptinhalt springen

Gegen das Sterben auf dem Meer

Heute Samstag findet die Kundgebung «Move for Life» auf dem Berner Bundesplatz statt. Die Veranstalter rufen zu Solidarität gegenüber Menschen auf der Flucht auf.

Um 14:30 Uhr war noch nicht viel los auf dem Bundesplatz.
Um 14:30 Uhr war noch nicht viel los auf dem Bundesplatz.
crt
Rita (rechts) und Emma Egli protestierten mit einem Plakat.
Rita (rechts) und Emma Egli protestierten mit einem Plakat.
crt
Posieren gegen das Sterben auf dem Mittelmeer.
Posieren gegen das Sterben auf dem Mittelmeer.
crt
1 / 7

Eine Frau mit auffälliger Leuchtweste verteilt auf dem Berner Bundesplatz Flyer. Der kleine Zettel aus stabilem Papier wirbt für die Kundgebung «Move for Life» - mitnichten zu verwechseln mit dem «Marsch fürs Läbe» - die heute Samstag stattfindet. Die Veranstaltung ruft nicht zum Protest gegen Abtreibungen auf, sondern gegen ertrinkende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer.

Um 14:30 Uhr sind noch nicht viele Menschen auf dem Bundesplatz. Dass die Flüchtlingspolitik ein heikles Thema ist, merkt man aber sofort. Die Frau in der Leuchtweste möchte einem vorbeigehenden älteren Herren einen Flyer mit auf den Weg geben, doch der weigert sich. Die beiden werden ziemlich laut, der Mann zum Schluss auch ausfallend: «Souzwätschge» ruft er der Dame noch hinterher.

Zu den Ersten auf dem Platz gehören Rita und Emma Egli. Sie haben ein Plakat dabei, worauf steht: «Stell dir vor, du wärst es». Für sie war es selbstverständlich, dass sie heute herkommen. «Sterbende Menschen gehen alle etwas an», sagt Rita.

Rund 69 Millionen Menschen auf der Flucht

Eine halbe Stunde später als angekündigt begrüsst Slam-Poet Renato Kaiser die Anwesenden und macht erstmal von der Bühne aus mit allen Duzis. Er kündigt einige Rednerinnen und Redner sowie Künstlerinnen und Künstler an, welche die Veranstaltung begleiten werden. Eine von ihnen ist Muriel Trummer von Amnesty International. Sie spricht darüber, dass seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so viele Menschen auf der Flucht seien wie heute - rund 69 Millionen Menschen. Fast die Hälfte der Flüchtenden sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR noch Kinder. Die Menschen erfahren sexuelle Gewalt, ertrinken im Meer und Schlepper «pressen» das letzte Geld aus ihnen raus. «Dies alles passiert heute» sagt Trummer ans Publikum gewandt.

Auf dem Platz informieren Menschen aber nicht nur von der Bühne herab, sondern auch von kleinen Ständen aus. Marco Müller erzählt über NGOs wie Mission Lifeline, Sea-watch, Proactiva oder die humanitäre Piloteninitiative (HPI), die Menschen aus der Seenot retten. Er ist vor allem enttäuscht über die Politik. «Die Leute sollen sich mobilisieren, denn dann können sie auch Druck auf die Behörden ausüben», sagt er. Vor kurzem hat das letzte Rettungsschiff auf dem Mittelmeer seine Flagge verloren: Das Rettungsschiff Aquarius, betrieben von den humanitären Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée. Wenn einem NGO-Schiff die Flagge entzogen würde, zögen die Behörden den Rechtsprozess unnötig in die Länge, so Müller. «Das ist reine Schikane, durch die Menschen im Meer ertrinken.»

Über den Platz geistert die Idee, Rettungsschiffe ohne Flagge könnten durch die Schweiz wieder beflaggt werden und ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen. «Oder die Schweiz schickt selber Schiffe zur Seenotrettung», so Müller. Denn auch wenn die Schweiz ein Binnenstaat ist, verfügt sie über eine Hochseeflotte mit 49 Schiffen.

Moralische Message

Um 16 Uhr haben sich schon mehr Menschen versammelt. Auch Gloria und Lena haben sich dazugesellt. Lena sagt, die moralische Message berühre sie. «Ich hätte nie gedacht, dass wir uns einmal die Frage stellen, ob wir Menschen das Leben retten oder nicht», sagt sie. Nebenbei sei sie auch wegen dem Auftritt von Steff la Cheffe gekommen. Gloria ist derselben Meinung. «Auch wenn das Thema in den Medien nicht mehr so präsent ist, müssen wir immer noch helfen.»

Die Kundgebung dauert noch bis 20 Uhr auf dem Bundesplatz in Bern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch