Ganzjähriges Stadtlabor auf der Schützenmatte geplant

Der Gemeinderat hat sich mit dem Berner Gewerbeverband geeinigt. Der Parkplatz auf der Schützenmatte wird zu zwei Dritteln autofrei.

Auf der Schützenmatte werden künftig zwei Drittel der Parkplätze dauerhaft aufgehoben.

Auf der Schützenmatte werden künftig zwei Drittel der Parkplätze dauerhaft aufgehoben.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Die Stadt Bern und mehrere Berufsverbände haben ihren Streit um die Parkplätze auf der Schützenmatte beigelegt, dies teilte der Gemeinderat am Mittwoch mit. Stadt und Verbände haben sich auf einen Kompromiss geeinigt: Ende Juli werden die Parkplätze prinzipiell aufgehoben. Für Handwerker, Marktfahrer und Reisecars sollen aber weiterhin einige wenige Abstellplätze zur Verfügung stehen. «Ich bin froh, haben wir so schnell eine Lösung gefunden», sagt die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP).

Die Stadt behält vorerst ein Drittel der heutigen Fläche für den sogenannten Wirtschaftsverkehr bei. Die Plätze werden auf der nordöstlichen Seite der Schützenmatte, entlang der Schützenmattstrasse, eingezeichnet. Parkieren darf dort, wer einen Gewerbeparkschein vorweisen kann. Wie viele Parkplätze es schlussendlich für Gewerbler gebe, sei noch nicht definitiv, sagt Thomas Balmer, Einsprecher und Präsident des Gewerbeverbands KMU Stadt Bern. Er geht von Maximum 20 Abstellplätzen aus. «Das ist eine homöopathische Dosis, aber immerhin das», sagt Balmer. Es sei schwer einzuschätzen, ob es nun zu einem Run auf die wenigen verbleibenden Parkmöglichkeiten komme.

Neustadtlab hat Antrag gestellt

Weiter sieht der Entscheid auch vor, dass die Schützenmatte während 60 Tagen im Jahr gänzlich frei wird von Parkplätzen: nämlich im Sommer, jeweils ab Ende Juli. Schon in den letzten Jahren war der Platz im Sommer autofrei für experimentelle Nutzungen unter dem Titel Neustadtlab. Derzeit sind die Macher des Neustadtlabs wieder im Kontakt mit der Stadt. «Wir möchten 2018 erneut ein Neustadtlab durchführen und auch die danach zwei Jahre dauernde Zwischennutzung koordinieren», sagt Jürg Luedi vom Verein Neustadtlab.

Der Verein beabsichtige, während der zwei Jahre die Schützenmatte ganzjährig zu einem Labor zu machen. Ähnlich wie bisher solle die Schütz ganzjährig ein für alle zugänglicher partizipativer Platz sein. Deshalb habe man beim Gemeinderat bereits einen Antrag eingereicht und sei optimistisch, noch im Frühling einen Entscheid zu erhalten. Auch Luedi ist froh, dass eine Einigung mit den Einsprechern gefunden wurde, auch wenn wegen des Kompromisses nicht der ganze Platz dauerhaft von Autos befreit wird: «Damit konnte eine jahrelange Blockade verhindert werden.»

Im letzen Sommer waren an einigen Abenden bis zu tausend Menschen auf der Schütz anzutreffen. Nun hofft man bei der Stadt, dass auch in den kühleren Monaten das Interesse am Ort nicht abbricht: «Mit der Belebung des Ringgenpärkli diesen Winter hat sich gezeigt, dass es die Bernerinnen und Berner auch in den kühleren Jahreszeiten auf die Plätze der Stadt zieht», sagt Wyss. Darum glaube sie, dass die Schützenmatte das Potenzial habe, ganzjährig als Begegnungs- und Kulturort zu werden. Das wolle man nun während zweier Jahre prüfen, kündigt Wyss an. Deshalb hat der Gemeinderat die Parkfelder für den Wirtschaftsverkehr vorerst für einen dreijährigen Versuchsbetrieb eingezeichnet. Nach zwei Jahren gibt eine von Stadt und Verbänden eingesetzte Begleitgruppe dem Gemeinderat Empfehlungen ab, wie es aus ihrer Sicht weitergehen soll.

Fahrverbot auf der Schütz

Der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass die Stadt die Schützenmatte mit einem Fahrverbot belegen werde. Man werde jedoch Fahrzeuge von Privatpersonen tolerieren, die etwa Car-Passagiere zur Schützenmatte bringen.

Im September 2016 hatte die Stadtregierung entschieden, den Platz zum Begegnungsort umzuwandeln. Es gehe darum, die Aufenthaltsqualität und das Sicherheitsgefühl zu stärken. Die Schützenmatte soll beispielsweise nicht mehr als «Drogen-Drive-in» genutzt werden können. Im November 2016 stimmte das Stadtparlament dem Nutzungskonzept und einem Planungskredit zu. Doch 16 Firmen und Verbände reichten gegen die Aufhebung der Parkplätze eine Beschwerde beim Regierungsstatthalter ein.

Der Bund

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