Tschäppät: «Diese Haltung teile ich nicht»

Die Absetzung von Stephanie Gräve provoziert Widerstand in Politik- und Theaterkreisen. Alexander Tschäppät stört sich an der Kommunikation des Theater-Stiftungsrats.

Alexander Tschäppät wurde nicht durchgängig über die Gründe für die Absetzung der Schauspielchefin informiert.

Alexander Tschäppät wurde nicht durchgängig über die Gründe für die Absetzung der Schauspielchefin informiert.

(Bild: Valérie Chételat)

Kann ein Stadttheater eine Schauspielleiterin per sofort vor die Tür setzen – und jede Auskunft über die Gründe kategorisch verweigern? Seit seinem Entscheid zur sofortigen Freistellung von Stephanie Gräve vor zwei Wochen wächst der öffentliche Druck auf den Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB). Und mittlerweile kommt dieser auch aus der Politik.

Am Donnerstag schaltete sich ein Petitionskomitee «Forderung nach Transparenz bei Konzert Theater Bern» in die Diskussion ein. Gräve habe «mit vielen Stücken grossen Erfolg» gehabt, sowohl künstlerisch wie von den Publikumszahlen her. Die Freistellung sei «nicht nachvollziehbar» und ziehe auch die Mitarbeiter des Stadttheaters in Mitleidenschaft. Hinter dem Komitee, das online Unterschriften sammelt (unter wir-fordern-transparenz.ch), stehen dem Stadttheater und der Schauspielleiterin nahe Kreise.

Auf Nachfrage hin verschweigen die Träger der Aktion ihren Namen. Sie verlangen nicht nur Auskunft über die Gründe der Freistellung. Sie wollen auch eine «eingehende Untersuchung» der Rolle des Stiftungsrats. Und erwarten von Stadt und Kanton, dass sie «als massgebliche Geldgeber ihre Verantwortung wahrnehmen».

Das verlangt auch Daniela Lutz-Beck (GFL) in der Kleinen Anfrage, die sie am Donnerstagabend im Stadtparlament eingebracht hat. Sie will vom Gemeinderat ausserdem wissen, ob die Verantwortlichen versucht hätten, die Freistellung zu verhindern. Zudem fragt Lutz die Stadtregierung, ob und wann sie vom Stiftungsrat über die Freistellung informiert worden sei. Genau darüber sind sich die beiden Seiten nicht einig. Der Stiftungsrat habe die Vertreter der Trägerorganisationen ausführlicher informiert als die Öffentlichkeit, sagt KTB-Stiftungspräsident Benedikt Weibel.

Dem widerspricht Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP). Er sei zwar vorgängig über Gräves Absetzung informiert worden, von einer «ausführlichen Information» könne aber nicht die Rede sein. Vom Konflikt zwischen Intendant Stephan Märki und Gräve habe er aus den Medien erfahren. Tschäppät kann nachvollziehen, dass man in einem solchen Fall vorsichtig informieren müsse. «Benedikt Weibels Haltung, dass es hier keinen Anspruch auf Transparenz gebe, teile ich aber nicht.»

Kein Handlungsbedarf

Auch beim Kanton bestätigt man, vorgängig über die Freistellung ins Bild gesetzt worden zu sein. Die konkreten Gründe dafür will man dort allerdings gar nicht erfahren: «Es handelt sich um einen Personalentscheid, über den aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht informiert werden darf», so Hans Ulrich Glarner, Vorsteher des Amts für Kultur. Kein Handlungsbedarf also, und das auch bei der Stadt: KTB sei «in seinen operativen Entscheidungen unabhängig», sagt Informationschef Walter Langenegger. Und: «Die Zusammenarbeit zwischen KTB und der Verwaltung funktioniert gut.» Es gebe derzeit keinen Anlass, etwas Grundsätzliches an der Vertretung der Stadt im Stiftungsrat zu ändern.

Bern stellt künftig Präsidenten

Letzten Juni hiess es vom Gemeinderat noch, er wolle künftig Verwaltungsleute in die grossen, subventionierten Kulturinstitutionen entsenden. «Um die direkte Kommunikation mit KTB zu sichern, ist die Einsatznahme einer Fachperson der Verwaltung im Stiftungsrat sinnvoll», heisst es im Programmpapier zur städtischen Kulturförderung 2016 bis 2019.

Davon will man bei der Stadt mittlerweile nichts mehr wissen. Die Absichtserklärung sei lediglich ein «Vorschlag» gewesen, sagt Langenegger. Er sei in der Vernehmlassung zur Vierjahresplanung auf so wenig Interesse gestossen, dass der Gemeinderat bei der geltenden Regelung bleiben wolle. Wobei die Regelung besagt, dass es gar keine gibt: Der Gemeinderat kann Verwaltungsvertreter entsenden. Oder einen Unternehmer wie Peter Stämpfli, der die Stadt heute im Stiftungsrat von KTB vertritt.

Neben dem Abgang Benedikt Weibels wird sich noch etwas Weiteres künftig am Gremium ändern: Weil die Stadt mit dem neuen kantonalen Kulturfördergesetz grösste Geldgeberin des Stadttheaters geworden ist, hat sie das Recht, den nächsten Präsidenten zu stellen.

Der Bund

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