Für die Downsyndrom-Kinder wird es immer enger

Am Berner Frauenspital wird bald ein neuer Bluttest angeboten. Die Frage, ob ein Kind Trisomie 21 hat, lässt sich nun ohne Risiko klären.

Das Frauenspital Bern bietet bald einen Bluttest an, der zeigt, ob ein Kind Trisomie 21 hat.

Das Frauenspital Bern bietet bald einen Bluttest an, der zeigt, ob ein Kind Trisomie 21 hat.

(Bild: Adrian Moser)

Dölf Barben@DoelfBarben

Ab Mitte August arbeiten die Ärzte an der Frauenklinik des Berner Inselspitals mit einem neuen Bluttest aus Deutschland. Wie das Regionaljournal von Radio DRS gestern berichtete, zeigt dieser Test, ob das ungeborene Kind Trisomie 21 beziehungsweise das Downsyndrom hat. Der Test kostet 1500 Franken und wird von der Krankenkasse nicht bezahlt.

Wesentlich ist bei diesem Test der Umstand, dass er ohne Risiko durchgeführt werden kann, wie Daniel Surbek, Co-Direktor der Frauenklinik, bestätigt. Der herkömmliche Test, bei dem der Bauch der Mutter durchstochen wird, um Fruchtwasser entnehmen zu können (Punktion), hat in einem von 100 bis 200 Fällen eine Fehlgeburt zur Folge. Bei der neuen Methode dagegen wird der Mutter lediglich etwas Blut abgenommen. Der Test wird laut Surbek vor allem in jenen Fällen in Anspruch genommen werden, wo erste Ultraschall- und Blutuntersuchungen darauf hindeuten, dass das Ungeborene das Downsyndrom haben könnte. Die bisherigen Blutuntersuchungen sind vergleichsweise ungenau. «Die Möglichkeiten für Eltern, die es wissen wollen, werden verbessert», sagt Surbek.

Beratung bleibt sehr wichtig

Damit wird es aber umgekehrt für die ungeborenen Kinder mit Downsyndrom immer enger. Ja, sagt Subek. aus dieser Perspektive betrachtet, sei das der Fall. Auf der anderen Seite werde das Risiko verkleinert, dass gesunde Kinder nach einer Fruchtwasserpunktion durch eine Fehlgeburt verloren gehen.

Der neue Test ist zurzeit zwar nur in jenen Fällen vorgesehen, wo bereits ein erhöhtes Risiko für ein Downsyndrom besteht. Weil der Test aber sehr zuverlässig ist und ohne Risiko angewendet werden kann, sei es denkbar, dass er in wenigen Jahren bei allen Schwangeren zur Anwendung kommen könnte, sagt Surbek. Wichtig bleibe dabei stets die ausführliche, objektive Beratung durch Spezialisten. «Und am Schluss muss es immer die Frau sein, die den Entscheid fällt, ob sie den Test durchführen will oder nicht.»

Problematisch würde es erst dann, sagt Surbek, wenn auf die Frauen Druck ausgeübt würde, zum Beispiel durch Krankenkassen. Aber das sei aus seiner Sicht nicht zu befürchten. «Das ist genau der Punkt, der nicht sein darf.»

Insieme ist «sehr skeptisch»

Die Befürchtungen von Behindertenorganisationen gehen jedoch in diese Richtung. Heidi Lauper, Co-Geschäftsführerin von Insieme Schweiz, der Organisation, die sich für Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt, steht dem neuen Test «sehr skeptisch» gegenüber. Gerade weil er ohne Risiko ausgeführt werden könne, bestehe die Gefahr, dass er «leichtfertig – einfach so» gemacht werde. Sie befürchte, dass dadurch zunächst einmal die Qualität der Beratung und damit die Qualität des Entscheids der künftigen Eltern abnehmen werde. Dabei handle es sich um einen Entscheid von grosser Tragweite: den Entscheid über den Abbruch oder die Fortsetzung einer Schwangerschaft.

Fast alle werden abgetrieben

Würden keine vorgeburtlichen Tests durchgeführt, würde ungefähr eines von 600 Neugeborenen mit Trisomie 21 zur Welt kommen. In einer Gemeinde mit 6000 Einwohnern würden demnach rund zehn Menschen mit Downsyndrom leben. Dies ist aber längst nicht mehr der Fall. Wie Fachleute übereinstimmend sagen, werden mittlerweile über 90 Prozent der Ungeborenen abgetrieben, bei denen Tests ergeben, dass sie das Downsyndrom haben. Weil Eltern vor dem neuen Test nicht mehr zurückzuschrecken brauchen – da kein Fehlgeburtsrisiko mehr besteht –, könnte sich diese Tendenz noch verstärken.

Der Bund

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