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Für die breite Masse ist Zero Waste noch zu aufwendig

Werden wir in einigen Jahren alle verpackungsfrei leben? Eine Trendexpertin ist skeptisch: Sie hält die Menschen dafür zu bequem. Einschätzung einer Trendforscherin.

Christoph Bader, Sarah Pia, Ariane Forster und Samuel Anrig (von links) sitzen vor ihrem zukünftigen Laden an der Berner Münstergasse.
Christoph Bader, Sarah Pia, Ariane Forster und Samuel Anrig (von links) sitzen vor ihrem zukünftigen Laden an der Berner Münstergasse.
Franziska Rothenbühler
Die vier wollen einen Laden eröffnen, in dem alle Ware lose angeboten wird. So wie in diesem bereits existierenden Laden ...
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Adrian Moser
Ob abfallfrei Einkaufen bald zum Standart wird? Die Trendforscherin Marta Kwiatkowski ist skeptisch. Der Mensch sei zu bequem dafür, sagt sie.
Ob abfallfrei Einkaufen bald zum Standart wird? Die Trendforscherin Marta Kwiatkowski ist skeptisch. Der Mensch sei zu bequem dafür, sagt sie.
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Der ganze Abfall, der bei Bea Johnson im Verlauf eines Jahres anfällt, passt in ein Einmachglas. Johnson lebt in New York und gilt mit ihrem Buch «Glücklich Leben ohne Müll» als die Begründerin der Zero-Waste-Bewegung. 2016 hielt sie in Bern einen Vortrag. Auch sonst fliegt sie oft. Der ökologische Fussabdruck dürfte bei ihr somit grösser sein als bei vielen Menschen, die nicht abfallfrei leben.

Ein Widerspruch? «Nicht unbedingt», sagt Marta Kwiatkowski, Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Die Amerikanerin sehe sich als Botschafterin ihrer Bewegung und glaube, durch das Werben für Zero Waste so viele Menschen zu einem ökologischeren Lebensstil zu bewegen, dass die eigenen Flüge nicht ins Gewicht fallen, sagt Kwiatkowski. Dies sei Johnson definitiv gelungen: «Zu leben, ohne Abfall zu verursachen, ist zu einem Lifestyle geworden», sagt Kwiatkowski und ergänzt: «Die Menschen definieren sich darüber.»

Sie nutzen laut Kwiatkowski Zero Waste, um das Bild, das andere von ihnen haben, zu prägen. So erhalte man Anerkennung und fühle sich zugehörig zu einer Gruppe – beides urmenschliche Bedürfnisse. «Einem Lifestyle zu folgen, muss jedoch keineswegs verwerflich sein», sagt Kwiatkowski. Vor allem nicht, wenn die Bewegung wie etwa Zero Waste dem Ziel dient, die Ressourcen unseres Planeten zu schonen. Wird also Zero Waste schon bald zur Alltäglichkeit? «Ich sehe einen Zielkonflikt», sagt Kwiatkowski.

Die meisten Menschen würden immer mobiler und wollten darum auch immer spontaner und bequemer konsumieren. Das sei der Grund, weshalb sich in den vergangenen Jahrzehnten Plastik- und Kartonverpackungen mehr und mehr gegenüber früher alltäglichen Mehrwegverpackungen durchgesetzt hätten. Zero Waste schaffe hier einen Gegentrend: Wer nicht immer eigene Säcklein und Mehrwegbehälter dabei habe, könne nichts einkaufen.

«Um die breite Masse zu erreichen, müsste man eine Möglichkeit finden, wie Zero Waste viel einfacher gelebt werden kann.» Denn je mehr Menschen einem solchen Lifestyle folgen, desto weniger könne man damit das eigene Image prägen. Ein Teil der Motivation, um sich einzuschränken und etwa immer die eigenen Einkaufsbehälter dabei zu haben, falle dann weg.

Dennoch glaubt GDI-Forscherin Kwiatkowski, dass durchaus auch Grossverteiler Unverpackt-Abteilungen einrichten werden. «Migros und Coop sind so breit aufgestellt, dass auch Konsumenten mit diesen Bedürfnissen ohne grossen Aufwand bedient werden können», sagt Kwiatkowski.

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