Frösch hofft auf altersgerechtes Quartier

Im Kornhausforum diskutierten am Dienstagabend Befürworter und Gegner der Viererfeld-Überbauung.

Es diskutierten: J. Sollberger, P. Camenzind, A. Tschäppät, B. Giger (Moderator), S. Penher, B. Eicher und H. Hänni (v.l.).

Es diskutierten: J. Sollberger, P. Camenzind, A. Tschäppät, B. Giger (Moderator), S. Penher, B. Eicher und H. Hänni (v.l.).

(Bild: Adrian Moser)

Naomi Jones

Wenn das Podium am Dienstag zur Viererfeldabstimmung eine Abstimmungsprognose liefern würde, dann würden die Berner der Vorlage am 5. Juni zustimmen. Auf der Bühne im Kornhausforum sassen vier Befürworter und zwei Gegner des Projekts.

Und auch unter den Besuchern im fast vollen Saal befanden sich mehrheitlich Wohlgesinnte. Entsprechend ruhig und sachlich verlief die Diskussion im Anschluss an das Podiumsgespräch.

Die Fragen aus dem Publikum richteten sich vor allem an die beiden Gegner des Projekts, an Peter Camenzind vom Verein Viererfeld Nature 2.0 und den FDP-Stadtrat Bernhard Eicher. Verschiedene Zuhörer bekundeten aber ihre Zustimmung zur Viererfeld-Überbauung.

Hindernisfrei für Ältere

Alt-Nationalrätin Theres Frösch (GB) brachte als Verwaltungsratspräsidentin von Domicil Bern einen neuen Aspekt in die Diskussion ein. Für ältere Menschen mit Gebrechen sei es nicht mehr möglich, in der Stadt respektive in der Länggasse zu wohnen, wo ihnen wohl sei.

Deshalb sei es wichtig, dass die Stadt auf dem Vierer- und Mittelfeld ein neues Quartier bauen könne, das auch den Ansprüchen älterer Menschen an hindernisfreies Wohnen gerecht werde.

Heinz Hänni, Direktor von Domicil Bern und Podiumsteilnehmer, unterstützte Fröschs Argument. «Bern ist heute keine Stadt für ältere Menschen» sagte er. Denn ältere Menschen brauchten hindernisfreien Wohnraum, damit sie möglichst lange in der eigenen Wohnung leben könnten.

«Wenn nämlich die ersten Gebresten kommen, müssen sie sich eine neue Wohnung suchen und finden in Bern keine», sagte er. In seiner Vision entstehen im Viererfeld Wohnungen für verschiedene Generationen.

Gegner Peter Camenzind fand, dass es für die älteren Menschen keine Überbauung des Vierer- und Mittelfelds brauche: «Die Babyboomer wollen nicht in eine Alterswohnung.»

Der Architekt und Präsident der Wohnbaugenossenschaften Bern-Solothurn Jürg Sollberger erklärte jedoch, dass es äusserst schwierig sei, Altbauten alterstauglich zu machen. «Es ist fast nicht möglich, in einem Bau aus den 50er-Jahren einen Lift einzubauen oder ein Badezimmer zu vergrössern.»

Familienwohnung für 1900 Fr.

Ein anderes Thema, das die Podiumsteilnehmer beschäftigte, war der gemeinnützige Wohnungsbau. Rund die Hälfte der Wohnungen soll durch Wohnbaugenossenschaften gebaut werden.

Bernhard Eicher monierte, dass die Wohnbaugenossenschaften den Boden für die Wohnungen günstiger als konventionelle Investoren erhalten. Die neu gebauten Wohnungen seien hingegen nicht billig. «Für die Stadt ist das ein schlechter Deal.»

Sollberger bestätigte, dass eine Vierzimmerwohnung rund 1900 Franken pro Monat kosten werde. «Wir bauen dort nicht für die untersten Einkommensklassen», antwortete er auf die Frage aus dem Publikum, ob sich ein «Büezer» eine Wohnung im Viererfeld werde leisten können.

Doch brauche es den Zyklus von neuen und alten Wohnungen. Die untersten Einkommensklassen könnten heute in Wohnungen leben, die von den Genossenschaften in den 40er- bis 60er-Jahren gebaut worden seien.

Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) wies darauf hin, dass die Mieten von Genossenschaftswohnungen nicht im gleichen Mass stiegen wie jene herkömmlicher Wohnungen.

Der Bund

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