Freiheit für das urbane Sommergefühl

Die Stadt Bern braucht mehr Spielraum um Pop-up-Bars zu bewilligen.

Die Aare-Bar beim Gaswerkareal war dieses Jahr erstmals in Betrieb. Wer sie noch besuchen will, muss sich sputen: Am 9. September wird sie abgeräumt.

Die Aare-Bar beim Gaswerkareal war dieses Jahr erstmals in Betrieb. Wer sie noch besuchen will, muss sich sputen: Am 9. September wird sie abgeräumt.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Christian Zellweger@@chzellweger

Dieser Berner Stadtsommer war nicht nur der Sommer des flirrenden Asphalts und der verschwundenen Publibikes. Es war auch der Sommer, in dem die Bernerinnen und Berner die Vorzüge der Pop-up-Bars so richtig für sich entdeckt haben. Die Aare hochwandern, sich den Fluss hinuntertreiben lassen – und dann direkt in der Badehose oder im Bikini zum Apéro in eine der temporären Bars am Ufer. Oder später, wenn es dunkel ist, tanzen und trinken auf der Grossen Schanze. Dieser Sommer wird in Erinnerung bleiben. Auch wegen der neuen Bars.

Die gutbesuchten Berner Pop-up-­Lokale boten ungewohnte Ausblicke wie vor der Kunsthalle, ermöglichten innovative Gastrokonzepte wie im Wohleibeizli am Wohlensee, schafften ein urbanes Sommergefühl wie unter der Lorrainebrücke und werteten sogar Unorte auf wie etwa auf der Grossen Schanze. Das Engagement der zumeist jungen Gastronomen ist ein Gewinn für die Stadt – und der ­Publikumserfolg gibt ihnen recht.

So ganz mediterranisiert ist Bern trotz rekordwarmer Aare aber noch lange nicht. Veranstalter wie vom Parkonia im Kocherpark oder der Brasserie Lorraine müssen Konzerte wegen einzelner Lärmklagen abbrechen. Und die «sesshaften» Beizen stören sich derweil zu Recht daran, dass sie kaum eine Stuhlreihe zusätzlich in die Altstadtgassen stellen dürfen.

Die Forderung dieser Gastronomen nach «gleich langen Spiessen» ist daher ein durchaus berechtigtes Anliegen. Es wäre aber falsch, deshalb nun allen dieselben Auflagen zu machen, wie sie für fixe Restaurants gelten. Vielmehr sollten auch traditionelle Gastrobetriebe mehr Freiheiten erhalten.

Damit das möglich wird, braucht die Stadt Bern mehr Handlungsspielraum, denn in diesem Bereich wird das meiste auf Kantonsebene entschieden. Die Bemühungen aus Wirtschaft und Politik, Belange des Gastgewerbes stärker auf Gemeindeebene zu regeln, sind daher richtig und müssen weiterverfolgt werden. Der Kanton muss sich bewegen.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt