Folgt der erste Schritt in Richtung einer Grossfusion?

In allen reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern wird am Wochenende abgestimmt. Fusionsverhandlungen ja oder nein, lautet die Frage.

Wie viele Kirchgemeinden soll es in Bern noch geben?

Wie viele Kirchgemeinden soll es in Bern noch geben?

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

Dölf Barben@DoelfBarben

Noch geht es nicht um den letzten grossen Entscheid, welche der zwölf reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern zu einer Fusion bereit sind. Die Frage, welche die Reformierten an diesem Wochenende zu beantworten haben, ist erst, ob ihre jeweilige Gemeinde an den Verhandlungen teilnehmen soll.

Trotzdem werden die Abstimmungen, die heute und am Sonntag in den Kirchgemeinden Bümpliz, Petrus, Paulus, Johannes, Heiliggeist, Frieden, Nydegg, Bethlehem, Matthäus, Markus, Münster und der französischen Gemeinde (Paroisse française) durchgeführt werden, als markanter Meilenstein bezeichnet. In einem Papier der Gesamtkirchgemeinde, der Dachorganisation der zwölf Gemeinden, steht, es gehe um nichts weniger als um die Zukunft der Stadtberner Reformierten.

Grosse Kirchen, wenige Mitglieder

Die Abstimmungen kommen nicht aus heiterem Himmel. Schon seit sieben Jahren fragen sich Projektgruppen im sogenannten Strukturdialog, wie den drängenden Problemen begegnet werden kann. Die grösste Herausforderung besteht darin, dass die Mitgliederzahlen drastisch zurückgegangen sind und Kirchen und Kirchgemeindehäuser heute zu viel Kapazität haben. Letztlich geht es um die Frage, wie das kirchliche Leben in Bern neu organisiert werden kann – so, dass es auch finanzierbar ist.

Die Idee einer Grossfusion kam früh auf den Tisch. Mittlerweile gilt eine Fusion tatsächlich als die «optimale» Lösung. Die bisherige, kleinräumige Struktur führe zu «unerwünschtem» Nebeneinander und zu Doppelspurigkeiten. Nach einer Fusion dagegen könnten die Kirchenmitglieder in der ganzen Stadt aktiv mitwirken, was ihre Identifikation mit der Kirche erhöhen würde. Und wo heute zwei gemeinderechtliche Ebenen bestehen – Gesamtkirchgemeinde mit Steuerhoheit und Verantwortung über die Liegenschaften sowie die einzelnen, autonomen Gemeinden – entstünde ein transparent organisiertes Gebilde mit ein paar Kirchenkreisen. Wie in Köniz.

Skepsis im Kirchenfeld

Der Weg Richtung Fusion ist nicht überall mit Begeisterung beschritten worden. Kritik war aus mehreren Gemeinden zu vernehmen – so aus der Petrus-Gemeinde im Kirchenfeld. In einer Mitteilung an die Mitglieder unterstreicht der Kirchgemeinderat, die Teilnahme an Verhandlungen bedeute nicht, einer Fusion zuzustimmen, «sondern die Bedingungen zu prüfen und erst dann zu entscheiden». Er empfiehlt, auf die Fusionsverhandlungen einzutreten.

Der Rat der Petrusgemeinde lässt am Sonntag aber auch über zusätzliche Fragen abstimmen: So will er sich ausdrücklich beauftragen lassen, in den Fusionsgesprächen eine weitgehende Autonomie der Kirchenkreise einzufordern. Ob der Kirchgemeinderat die Fusion in zwei bis drei Jahren schliesslich empfehlen wird, hängt davon ab, wie gut diese und andere Forderungen von den anderen Partnern aufgenommen werden. Sämtliche Stadtberner Kirchgemeinden werden nach Abschluss der Verhandlungen über eine Fusion abstimmen können – auch dann, wenn sie an den Gesprächen nicht teilgenommen haben. Wie die Projektverantwortlichen sagen, würde in der Stadt Bern eine reformierte Grosskirchgemeinde dann Realität werden, wenn mindestens neun Kirchgemeinden einer Fusion zustimmen. Es ist somit gut möglich, dass es künftig in Bern eine sehr grosse und eine oder mehrere sehr kleine reformierte Kirchgemeinden geben wird.

Der Bund

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