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Flüchtlinge demonstrieren in Bern gegen Ausschaffung

Schätzungsweise 3000 Menschen sind dem Aufruf von Flüchtlingen gefolgt, um in Bern gegen Ausschaffungen zu demonstrieren.

Auf dem Bundesplatz versammelten sich Flüchtlinge aus der ganzen Schweiz und Solidarische zur Demonstration gegen Ausschaffung.
Auf dem Bundesplatz versammelten sich Flüchtlinge aus der ganzen Schweiz und Solidarische zur Demonstration gegen Ausschaffung.
nj

Kaum hatte sich der Bundeplatz nach der Demonstration für Klimaschutz am Samstagnachmittag geleert, füllte er sich von neuem. Wiederum versammelten sich um die 3000 Personen auf dem Platz, um gegen die Ausschaffung von abgewiesenen Flüchtlingen zu demonstrieren. Zur Demonstration aufgerufen hatte das Netzwerk Migrant Solidarity Network, ein schweizweiter Zusammenschluss von verschiedenen Flüchtlingsgruppen und Flüchtlingsorganisationen.

Prekärer Alltag und psychische Zermürbung

Die Flüchtlinge wollten damit auf die Situation abgewiesener Asylsuchender aufmerksam machen, erklärt E. am Telefon. Er ist einer der Mitorganisatoren. Gemäss dem Netzwerk leben in der Schweiz knapp 7000 Menschen, deren Asylgesuch abgelehnt worden ist. Auch E.s Asylgesuch wurde vor vier Jahren abgelehnt. Seither lebt der Sohn eritreischer Eltern aus Äthiopien von der Nothilfe, also von 240 Franken im Monat. In einer Unterkunft teilt er sich mit fünf weiteren Männern ein kleines Zimmer. Einmal in der Woche muss er sich melden und kann sein Geld abholen.

Nebst den prekären Verhältnissen zermürbt ihn auch die dauernde Angst vor der Ausschaffung. Denn freiwillig geht er trotz des Kriegsendes geht er nicht freiwillig nach Äthiopien zurück. Er traut dem junge Frieden nicht. In der Regierung sässen die gleichen Köpfe wie zuvor. «Nichts hat sich geändert», sagt er. Zu seiner Familie und seinen Verwandten hat er keinen Kontakt mehr, seit er sie verlassen hat. «Ich weiss nicht, ob sie noch leben.»

Kritik an den Plänen für ein Rückreisezentrum in Prêles

An der Demonstration beteiligte sich auch die Aktionsgruppe «Prêles» mit einer Rede. «Wenn der Kanton Bern mit seinen Plänen in Prêles durchkommt, dann hat das eine Ausstrahlung in die ganze Schweiz», sagt die Sprecherin Annelies Djellal-Müller. Der Berner Regierungsrat möchte nämlich im ehemaligen Jugendheim im Berner Jura ein Zentrum für abgewiesene Asylsuchende einrichten.

Djellal kritisiert die Pläne des Kantons, weil glaubt, dass die abgewiesenen Flüchtlinge Jahre statt bloss weniger Monate in dem Zentrum verbringen würden. «Lieber als freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren, leben sie unter unmöglichen Bedingungen.» Und ausgeschafft könnten die meisten dieser Flüchtlinge nicht werden, da die Schweiz keine Abkommen mit ihren Heimatländern habe. «Die Behörden wissen das.»

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