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Flucht von Jean-Louis B: drei Behörden, drei verschiedene Antworten

Die Umstände der Flucht von Jean-Louis B. werfen mehr Fragen auf als sie Antworten liefern. Drei verschiedene Behördenstellen geben drei verschiedene Antworten die wichtigen Fragen. Kam dem Flüchtigen ein dummes Missverständis zugute?

Polizisten der Neuenburger Kantonspolizei suchen nach dem Flüchtigen. (28 Juni 2011)
Polizisten der Neuenburger Kantonspolizei suchen nach dem Flüchtigen. (28 Juni 2011)
Keystone
Ein Polizist lässt einen Spürhund an einem Gegenstand schnüffeln, der Jean-Louis B. gehört hat.  (KEYSTONE/Dominic Favre)
Ein Polizist lässt einen Spürhund an einem Gegenstand schnüffeln, der Jean-Louis B. gehört hat. (KEYSTONE/Dominic Favre)
Keystone
Auch diese Sondereinheit ist dabei: Das Lausanner Detachement d'action rapide et de dissuasion (Dard) wurde ursprünglich für Anti-Terror-Einsätze gegründet. (Archivbild 24. Juni 2010)
Auch diese Sondereinheit ist dabei: Das Lausanner Detachement d'action rapide et de dissuasion (Dard) wurde ursprünglich für Anti-Terror-Einsätze gegründet. (Archivbild 24. Juni 2010)
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Die Version des Kantons Neuenburg: Laut dem Neuenburger SP-Justizdirektor Jean Studer haben die Anstalt in Neuenburg und die Berner Behörden am 23. September 2010 sechs begleitet Ausgänge für Jean-Louis B. bewilligt. Da es sich dabei um eine humanitäre Massnahme handelt, können die Anstalten eine solche anordnen. Am 14. Januar 2011 krebsen die Berner Behörden zurück und reduzieren die Zahl der Ausgänge auf zwei. Diese finden am 23. Februar und 27. April 2011 statt. Die Ausgänge verliefen reibungslos. Am 5. Mai 2011 beschliessen Neuenburg und Bern erneut, zwei weitere Ausgänge zu gewähren. Der Ausgang am Montag, den B. zur Flucht nutzte, ist am 24. Juni 2011 per Fax den Bernern mitgeteilt worden, inklusive Details wie Zeiten und Personal.

Die Version des Kantons Bern: Der Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) sagte am Mittwochabend, er habe keine Vollzugslockerung für den Täter bewilligt. Ein entsprechendes Gesuch müsse über den Tisch des zuständigen Regierungsrats.

Die brennende Frage: Konnte B. aufgrund eines dummen Missverständnisses flüchten? Studer wie Käser machten jedenfalls entsprechende Andeutungen. Der Neuenburger Justizdirektor schliesst nicht aus, dass Neuenburg und Bern unter begleitetem Ausgang etwas anderes verstünden. «Vielleicht gab es ein Verständnisproblem», so Studer. Beide Kantone gehören nämlich verschiedenen Polizeikonkordaten an, welche den begleiteten Ausgang anders definieren. Käser seinerseits sagte gegenüber der Schweizerischen Depeschenagentur, dass sich die Frage stelle, ob der Ausgang vom Montag überhaupt als Vollzugslockerung interpretiert worden sei.

Das sagt Dominik Lehner, Präsident der Fachkommission zur Beurteilung gemeingefährlicher Täter des Nordwestschweizer Strafvollzugskonkordats: «In der Praxis der Fachkommission gibt keinen Unterschied zwischen einer Vollzugslockerung und einem humanitären Ausflug, weil es sich bei beidem um eine Öffnung des Vollzugs handelt. Die Fachkommission beurteilt alle Formen von Vollzugsöffnungen.» Weiter erkärt Lehner in der Ausgabe der Berner Zeitung vom 1. Juli 2011: «Wenn wir Anzeichen dafür haben, dass ein Straftäter gewalttätig ist und eine Vollzugslockerung zur Flucht ausnutzen könnte, empfehlen wir eine Lockerung nicht.»

Das meint der langjährige Strafvollzugsbeamte zum Fall Jean-Louis B: «Rein objektiv betrachtet hätte ich jemanden, der so manchen Fluchtversuch hinter sich hat und derart gefährlich ist, nicht rausgelassen», so Hans Zoss, langjähriger Direktor der Strafanstalt Thorberg, im Videointerview mit Redaktion Tamedia.

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