Firmen wehren sich mit Einsprachen gegen Bahnhofsausbau

Ab 2017 wird der Bahnhof Bern erneuert. Gegen diese Baupläne wehren sich nun zahlreiche Einsprecher.

Der Bahnhof Bern soll erneuert werden - doch das ist mit Belastungen für die ansässigen Mieter verbunden.

Der Bahnhof Bern soll erneuert werden - doch das ist mit Belastungen für die ansässigen Mieter verbunden.

(Bild: zvg/Projektbild)

Der geplante Ausbau des Bahnhofs Bern mit neuer Personenunterführung und neuem Tiefbahnhof macht vielen Bahnhof-Nachbarn Sorgen: Insgesamt 43 Einsprachen sind gegen die Pläne eingegangen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma erwägt gar einen Umzug.

Die Finma hat ihren Sitz an der Laupenstrasse 27 in Bern - unmittelbar gegenüber jener Stelle, wo der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) einen von vier sogenannten «Angriffspunkten» für den Bau des neuen Tiefbahnhofs einrichten will.

Dieser Tiefbahnhof soll den bestehenden, aus allen Nähten platzenden RBS-Bahnhof ersetzen. Bestandteil dieses «Angriffspunkts» wird eine mehrere Meter hohe Rampe, welche in vier Metern Abstand vom Finma-Gebäude entfernt aufgebaut werden soll. Lastwagen werden über diese Rampe in einen Schacht fahren, der zur Baustelle unter den Geleisen des bestehenden Bahnhofs führen wird.

Dieser Umstand hat die Finma dazu bewogen, Einsprache zu erheben. Sie erwägt darüber hinaus auch den Wegzug von diesem Standort, wie Sprecher Vinzenz Mathys bereits am Samstag Angaben der «Berner Zeitung» vom gleichen Tag bestätigte.

Rund die Hälfte des Gebäudes wäre bis auf eine Höhe von 12 Metern von der Rampe abgedeckt, sagt Mathys. «Die Finma muss vor diesem Hintergrund Alternativen - zumindest temporärer oder partieller Art - zum aktuellen Gebäude prüfen».

Klar sei aber, dass der Hauptsitz der Finma Bern bleibe. Das sei so im Gesetz vorgesehen. Es seien noch keine Entscheide gefällt. «Diese hängen wesentlich auch vom Ergebnis des Einspracheverfahrens ab.»

Die drei weiteren «Angriffspunkte» für den Ausbau des Bahnhofs Bern sollen auf der Grossen Schanze, bei der Henkerbrünnli-Kreuzung und auf dem sogenannten Eilgut-Areal der SBB vis-à-vis der Reitschule eingerichtet werden.

Einsprachen nicht gegen Projekt an sich

Gegen den RBS-Teil des Bahnhof-Ausbaus sind 26 Einsprachen eingegangen, wie der RBS weiter bestätigte. 17 weitere gingen beim Bundesamt für Verkehr (BAV) gegen den SBB-Teil des Ausbaus ein. Das sagte BAV-Sprecherin Olivia Ebinger am Montag auf Anfrage. Das macht also total 43 Einsprachen.

RBS-Sprecherin Fabienne Thommen sagt auf Anfrage, keine einzige der Einsprachen richte sich gegen den Bau des neuen RBS-Tiefbahnhofs an sich. Es gehe um negative Begleiterscheinungen der Bauarbeiten, also etwa Lärm oder Zusatzverkehr. Auch SBB-Sprecherin Michelle Rothen sagt, bei den Einsprachen gegen den SBB-Teil gehe es vor allem solche Aspekte.

Ebinger sagt, derzeit laufe der Schriftenverkehr zwischen BAV, Bahnunternehmen und Einsprechern. Es geht darum, dass die Bauherren Stellung nehmen können zu den Einwänden der Einsprecher und umgekehrt. Ob es zu formellen Einspracheverhandlungen kommt, ist laut Ebinger derzeit noch offen.

Parallel dazu prüft das BAV bereits auch auf fachlicher Ebene die Ausbaupläne gemäss dem Plangenehmigungsgesuch, das SBB und RBS im vergangenen Juni einreichten. Laut RBS-Sprecherin Thommen rechnet ihr Unternehmen damit, dass Ende Jahr die Baubewilligung vorliegt. 2017 bis 2025 möchten RBS und SBB bauen, wie sie im Juni 2015 vor den Medien darlegten.

Auch die Stadt Bern hat eine Einsprache eingereicht. Dies allerdings nicht zur Verhinderung des Bahnhofausbaus, wie Hugo Staub auf Anfrage sagt. Sondern einfach damit die Stadt im weiteren Verlauf der Gespräche ihre Interessen geltend machen kann, so der Gesamtkoordinator Zukunft Bahnhof Bern (ZBB) in der Berner Stadtverwaltung.

Die SBB will unter den Perrons des Hauptbahnhofs eine zweite, L-förmige Personenunterführung einbauen und so mehr Platz schaffen für die Passagiere.

Abtransport des Aushubs nur per LKW

Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) hat laut Thommen geprüft, ob der Aushub des neuen Tiefbahnhofs mit der Bahn statt mit Lastwagen abtransportiert werden könnte. Das gehe aus Platzgründen nicht, sagt Thommen.

Das Erdreich könnte wegen des dichten Bahnverkehrs nur in der Nacht weggeschafft werden, sagt die RBS-Sprecherin. Das wiederum würde bedeuten, dass irgendwo ein Zwischenlager für den Aushub eingerichtet werden müsste. Das sei aus Platzgründen nicht möglich.

Die neue Zürcher Durchmesserlinie mit dem Bahnhof Löwenstrasse tief unter dem Hauptbahnhof habe gezeigt, dass ein solches Projekt machbar sei, sagt SBB-Sprecherin Rothen.

hjo/sda

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