Feuerwehrkaserne: Kein Vorrecht für Zwischennutzer

Der Berner Gemeinderat 
will den Wettbewerb um die Nutzung der alten Feuerwehrkaserne bald lancieren. 
Zwischennutzungen sollen strikt befristet werden.

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Matthias Raaflaub

Seit die Berufsfeuerwehr Bern vergangenes Jahr ins Forsthaus gezügelt ist, steht ihre Kaserne in der Nähe des Viktoriaplatzes frei. Das grosse Angebot von Räumen hat rasch Begehrlichkeiten geweckt. So möchte die Genossenschaft Central dort dereinst unter anderem ein Viersternhotel und eine Kita einziehen lassen, um die Feuerwehrkaserne zum Gravitationspunkt des Nordquartiers zu machen.

Doch wie das Gebäude aus den 1930er-Jahren in die Zukunft geht, entscheidet sich später. Die Betriebskommission des für das Areal zuständigen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik plant noch Anfang Jahr einen Wettbewerb für interessierte Planer und Investoren. Umgesetzt würde das Siegerprojekt erst in einigen Jahren.

Schon ab dem kommenden Februar will die Stadtverwaltung die frei stehende Feuerwehrkaserne daher zwischennutzen. Die verschiedenen politischen Lager in der Stadt haben bereits ihre Vorstellungen davon, was man auf dem Areal tun und lassen soll. Der Gemeinderat hat gestern die Antworten auf drei Vorstösse der SVP und SP zur Zwischennutzung publiziert. Die Stadtregierung hält am vorgesehenen Vorhaben fest, Zwischennutzungen für einige Jahre zu ermöglichen, soweit die öffentliche Hand die Feuerwehrkaserne nicht selbst nutzt.

Die Kasernenräume sollen bis spätestens Ende Juli 2018 befristet vermietet werden. Zum einen entsteht eine ober­irdische Asylunterkunft mit 100 Plätzen. Zum anderen beansprucht die Stadtverwaltung einen Teil der Kaserne selber. So wird das Gebäude dem Schul- und Sportamt, dem Gesundheitsdienst und dem Tiefbauamt zur Verfügung gestellt. Schliesslich soll die Nationalbank in der Kasernengarage einen Teil ihrer Fahrzeugflotte unterbringen.

SP will Wettbewerb erst später

Die SP-Fraktion verlangt, dass Zwischennutzungen von Dritten beim Anschlussprojekt ein starkes Gewicht erhalten. Ihre Motion hat zum Ziel, bei der Lancierung des Projektwettbewerbs zu berücksichtigen, wie sich die Zwischennutzungen bewährt haben. Investoren würde vorgeschrieben, dass sie die Zwischenmieter in ihre Projekten integrieren.

Dieses Vorhaben, Platz für Zwischennutzungen als «Providurien» zu schaffen, lehnt der Gemeinderat aber strikt ab. Der Gemeinderat will keine dauernden Zwischennutzungen. Wie er in der Antwort auf den Vorstoss schreibt, würde die SP-Forderung den Projektwettbewerb um mindestens zwei Jahre verzögern. Die künftige Investorin solle selbst über die etwaige Fortführung der befristeten Mietverträge befinden.

Die SVP-Fraktion zielt mit einem ihrer Vorstösse darauf, solch ein Ansinnen zu verhindern. Zwischennutzungen sollten nur für Schule und Gewerbe möglich sein, verlangt sie. Die Forderung ist darauf zugeschnitten, zu verunmöglichen, dass wie etwa beim «Progr» eine kulturelle Zwischennutzung in einen Dauerzustand übergeht.

Auch dies lehnt der Gemeinderat aber ab. Schliesslich will die SVP auch das geplante Asyl-Durchgangszentrum verhindern oder es zumindest nur für asylsuchende Frauen und Familien öffnen. Doch die Stadt hat bereits die nötige Baubewilligung für die Nutzung der Feuerwehrkaserne als Asylunterkunft publiziert. Deren Belegung sei Sache des Kantons, teilt der Gemeinderat mit.

Auch die Grünliberalen möchten im Stadtparlament bereits Pflöcke einschlagen. Sie haben gefordert, dass der Innenhof der Feuerwehrkaserne nicht überbaut werde. Eine Antwort auf deren Vorstoss steht noch aus.

Der Bund

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