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Immer wieder Wirbel um Esseiva

Claudine Esseiva wird von der Stadtberner FDP nur knapp als Nationalratskandidatin nominiert. Warum, will in der Partei niemand offen erklären.

Claudine Esseiva erreichte das absolute Mehr nur knapp.
Claudine Esseiva erreichte das absolute Mehr nur knapp.
Adrian Moser

29 Stimmen, die gerade fürs absolute Mehr reichten: So knapp empfahl die Stadtberner FDP an der Parteiversammlung vom Montagabend der Kantonalpartei, Stadträtin Claudine Esseiva auf die Liste für die kommenden Nationalratswahlen zu setzen.

Die Wahlen wurden nach Anträgen geheim und für jede Kandidatur einzeln durchgeführt. Während die übrigen Kandidaten, Christoph Zimmerli, Präsident der städtischen FDP und Grossrat, Grossrat Adrian Haas, der ehemalige Gemeinderat Alexandre Schmidt und der bisherige Nationalrat Christian Wasserfallen komfortabel gewählt wurden, erteilte die Partei Esseiva mit dem Resultat einen eigentlichen Denkzettel.

Über die Gründe mag Parteipräsident Zimmerli am Tag darauf nicht mehr spekulieren. Er hätte sich aber gewünscht, dass die Nominierung anders gelaufen wäre, sagt Zimmerli. «Als Präsident bin ich an einem geschlossenen Auftritt der Partei interessiert.» Für die Parteileitung seien die Wahlen eigentlich eine Formalität gewesen, die in offener Abstimmung hätte durchgeführt werden sollen. Rein formell sei das Verfahren natürlich korrekt gewesen.

Zugeknöpfte Stadtpartei

Direkt nach den Wahlen sagte Esseiva in einem emotionalen Votum, das geheime Wahlverfahren habe sie betroffen gemacht. Wenn die Freisinnigen ihren Slogan «gemeinsam weiterkommen» ernst nähmen, müsse man in der Partei aufhören mit solchen Spielchen und stattdessen Probleme direkt bei einem Kaffee mit der betreffenden Person klären.

Weiter will sich Esseiva derzeit nicht zu den Vorgängen äussern, ebenso wie andere Exponenten der Partei, so etwa der Präsident der Stadtberner FDP-Fraktion, Bernhard Eicher, oder Tom Berger, der gemeinsam mit Esseiva im Stadtrat im urbanen Flügel der Partei politisiert.

Als die damalige Generalsekretärin der FDP-Frauen Schweiz 2013 von Freiburg nach Bern zog, schien es, dass die profilierte Politikerin ein Gewinn für die städtische Partei sein würde. Die Beraterin bei der Kommunikationsagentur Furrerhugi gilt als gute Rednerin und engagierte Politikerin und brachte sechs Jahre Erfahrung als Freiburger Stadtparlamentarierin mit. Bei den Nationalratswahlen 2015 erreichte Esseiva als «Neuzuzügerin» im Kanton Bern auf Anhieb den ersten Ersatzplatz auf der FDP-Liste.

«Angriff auf Person»

Bald zeigte sich aber, dass die pointiert linksliberale «Feministin», wie sich Esseiva einst selbst bezeichnete, nicht unumstritten ist. Etwa, als es 2017 für die kantonale FDP darum ging, einen Kandidaten für die Nachfolge von Regierungsrat Hans-Jürg Käser zu küren. Dafür angetreten war auch Nationalrat Christian Wasserfallen, der aber zugunsten des damaligen Grossrates Philippe Müller unterlag. Wahrscheinlich mit ein Grund dafür war das gute Ergebnis Esseivas bei den Nationalratswahlen. Dies legt die Suggestivfrage des Ex-Geheimdienstchefs Peter Regli an der damaligen Parteiversammlung nahe. Ob es stimme, dass im Falle einer Wahl Wasserfallens in den Regierungsrat Esseiva in den Nationalrat nachrücke, wollte dieser wissen.

Ihre Enttäuschung verbarg Esseiva auch damals nicht. Für sie stelle die Frage einen Angriff auf ihre Person dar, sagte sie im «Bund». «Das stimmt mich traurig.» Die «Negativkampagne» habe sie «sehr verletzt».

Während sich Stadtberner FDP-Politiker zugeknöpft geben, erklären Vertreter aus dem weiteren Parteiumfeld genau dies zu Esseivas Schwachpunkt: Häufig fasse sie sachliche Differenzen persönlich auf, eine Versöhnung sei dann nur schwierig möglich. Auch Aussprachen bei «einem Kaffee», wie Esseiva fordert, brächten dann oftmals keine Lösung.

Keine Prognosen

Die definitive Nationalratsliste der kantonalbernischen FDP bestimmen die Delegierten am Dienstag in Biel aufgrund der Empfehlungen der Regionalparteien. Eine Prognose über den Ausgang dieser Versammlung mag Zimmerli nicht abgeben. Er hoffe aber – und dies auch für den kantonalen Parteipräsidenten Pierre-Yves Grivel –, dass alles reibungslos über die Bühne gehe.

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