Fanmarsch ist nicht bewilligt – ob er verhindert wird, ist offen

Die Ausgangslage vor dem Super-League-Spiel YB gegen den FC Basel ist unklar. Die Polizei wünscht den Fans einen angenehmen Aufenthalt in Bern.

Die Basler Fans hielten sich nicht an die Route, und entlang der Zürcher Route entstand ein Sachschaden: Die Fanmärsche am vergangenen Ostermontag sorgten für viel politischen Zündstoff.

Die Basler Fans hielten sich nicht an die Route, und entlang der Zürcher Route entstand ein Sachschaden: Die Fanmärsche am vergangenen Ostermontag sorgten für viel politischen Zündstoff.

(Bild: Tobias Anliker)

Simon Wälti

Die Fanseite Muttenzerkurve.ch ruft unter dem Motto «alli uf Bärn» weiter dazu auf, heute individuell nach Bern zum Spiel im Stade de Suisse gegen YB zu reisen, weil der Extrazug zum Hauptbahnhof nicht bewilligt worden sei. «Dorum reise mir alli individuell uff Bärn und nähme abem Mittag in rotblau d Beize vo dr Bärner Altstadt ii.» So lautet der Aufruf der Basler Fans im Internet. Zudem lancierten sie gestern offenbar eine SMS-Aktion. Nicht bekannt ist, wie viele Basler diesem Aufruf folgen und ob die Fans tatsächlich versuchen werden, sich zu einer grossen Gruppe zusammenzuschliessen und einen Fanmarsch durchzuführen.

Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) will sich nicht festlegen, ob ein solcher Marsch durch die Innenstadt ins Nordquartier von der Polizei unterbunden würde. «Es ist aber klar, dass ein Fanwalk nicht bewilligt ist.» Gemäss den Rahmenbedingungen für Fussballspiele im Stade de Suisse sei die An- und Abreise via S-Bahn-Station Wankdorf vorgesehen. Nause appelliert an die Fans, sich an diese Vorgaben zu halten.

Zur Benützung des Extrazugs ruft auch die Kantonspolizei Bern die Supporter in einer Faninfo auf. Das Wankdorf sei der «Zielbahnhof» bei Sportveranstaltungen. Weiter heisst es: «Ab dieser Saison bestimmen die Fans durch ihr Verhalten selbst, ob die Behörde für zukünftige Fussballspiele Auflagen verfügen wird.» Es dürfe daher nicht sein, dass wegen ein paar Unverbesserlichen die Mehrheit der wirklichen Fans in Zukunft von Spielauflagen betroffen sein werde. Das Verhalten sei in erster Linie eine Frage des Anstandes. Die Polizei wünscht den Fans zudem einen angenehmen Aufenthalt in Bern. Der Extrazug bietet Platz für 800 Passagiere.

«Konkordat mit Augenmass»

Behördliche Empfehlungen werden leicht als Bevormundung und Einschränkung der Freiheit empfunden. Der eingefleischte Fan fühlt sich in Stolz und Ehre verletzt. Die Behörden wiederum geraten in Zugzwang, schliesslich gelten die verschärften Bestimmungen des Hooligan-Konkordats, und in der Vergangenheit ist es im Rahmen von Fanmärschen verschiedentlich zu Ausschreitungen gekommen.

Gemeinderat Nause spricht in diesem Zusammenhang von «negativen Erfahrungen bei Sicherheit und öffentlichem Verkehr». Zudem seien durch solche Fanmärsche die Anwohnerinnen und Anwohner stark belastet. Nause hat weiter angekündigt, er wolle «die Möglichkeiten des Konkordats mit Augenmass anwenden». Unter diesem Gesichtspunkt gebe es zurzeit keinen Anlass für drastische Massnahmen. Es stünden jedoch «Mittel zur Verfügung, um solche Märsche zu unterbinden».

Cupfinal als Mahnmal

Beim Cupfinal FC Basel gegen FC Zürich am 21. April zogen die Fans durch Berns Innenstadt. Dabei wollte der Gemeinderat den Fans die Möglichkeit geben zu zeigen, dass Fanmärsche auch friedlich und gesittet verlaufen können. Die Bilanz war aber ernüchternd: Es kam zu Ausschreitungen und Sachbeschädigungen, die Polizei musste mehrmals eingreifen. Die Vorkommnisse führten letztlich dazu, dass der Cupfinal vorläufig nicht mehr in Bern stattfindet. Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) erklärte damals: «Leute, die nur um des Krawalls willen an solche Veranstaltungen gehen, lassen sich mit keiner Vereinbarung wirklich kontrollieren.»

Nur wenige Wochen später – der Pulverdampf vom Ostermontag hatte sich noch kaum verzogen – stand das Super-League-Spiel YB gegen Basel auf dem Programm. Die Fans reisten dieses Mal, wie von den Behörden verlangt, mit dem Extrazug ins Wankdorf. Es gab ­keinen Fanmarsch. Allerdings wurden während der Partie Fackeln und ­Rauchpetarden gezündet.

Der Bund

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