«Familie Osterhase» erhebt Vorwürfe gegen die Polizei

Nach der erneuten Razzia beim Wohnkollektiv «Familie Osterhase» wirft dieses der Polizei Unverhältnismässigkeit und Rassismus vor.

Die Polizei hat erneut die Bernstrasse 29 in Ostermundigen durchsucht (Archivbild).

Die Polizei hat erneut die Bernstrasse 29 in Ostermundigen durchsucht (Archivbild).

(Bild: zvg)

Martin Erdmann@M_Erdmann

Am Morgen des 20. August machten bereits zum zweiten Mal mehrere Kastenwagen vor dem Haus an der Bernstrasse 29 in Ostermundigen halt: Hausdurchsuchung. «Jede ungewaschene Unterhose wurde dreimal umgedreht, um sicherzustellen, dass sich die gesuchte Person nicht darin versteckt halten könnte», schreibt das dort lebende Wohn- und Kunstkollektiv «Familie Osterhase» am Tag darauf in einer Mitteilung. Darin verurteilt es das Vorgehen der Polizei als «weder verhältnismässig noch rechtskonform».

Die Vorwürfe gegen die Polizei ähneln jenen, die bereits nach der ersten Razzia im April erhoben wurden. «Das schwer bewaffnete Sonderkommando trat etliche Türen und Fenster kaputt, um sich Zutritt zum Gebäude zu verschaffen», heisst es in der Mitteilung des Kollektivs. Vermummte Polizisten seien mit gezogener Waffe in das Haus eingedrungen, den Bewohnern seien Handschellen und Augenbinden angelegt worden. Über den Grund der Hausdurchsuchung sei man erst nach Stunden und mehrfachem Nachfragen aufgeklärt worden. Wie die Polizei nach der Durchsuchung in einer Medienmitteilung schrieb, sei sie wegen «Vermögensdelikten in erheblicher Höhe» vor Ort.

Wie schon bei der letzten Razzia, als die Polizei nach Personen, die am Farbanschlag auf die Polizeiwache am Waisenhausplatz beteiligt waren, fahndete, ging die Durchsuchung ohne sichtlichen Erfolg aus. Laut der Mitteilung der «Familie Osterhase» hat die Polizei nach einer bestimmten Person gesucht. «Diese war weder anwesend, noch ist sie wohnhaft an der Bernstrasse.» Keiner der anwesenden Bewohner sei Zielobjekt oder Gegenstand der Durchsuchung gewesen. Der Frust über den erneuten Besuch der Polizei sitzt tief. «Es wurden Unbeteiligte grundlos stundenlang festgehalten, während sie in der Schule und auf der Arbeit vermisst wurden.» Zudem hätten ausländische Besucher rassistische Kommentare über sich ergehen lassen müssen.

«Vorwürfe höre ich zum ersten Mal»

Bei der Berner Kantonspolizei wird an der Rechtmässigkeit der Hausdurchsuchung nicht gezweifelt. «Diese erfolgte rechtskonform gestützt auf einen Beschluss der Staatsanwaltschaft», sagt Corinne Müller, Mediensprecherin der Kantonspolizei. Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen hätten Hinweise zur Liegenschaft an der Bernstrasse geführt. Wie schon bei der ersten Razzia an dieser Adresse ging die Polizei von einem «hohen Gewaltpotenzial der Täterschaft» aus. Näher will sich die Polizei nicht zu den aktuellen Ermittlungen äussern, um diese nicht zu gefährden.

Zu den Vorwürfen der Bewohner bezüglich Unverhältnismässigkeit sagt Müller: «Aufgrund der vorliegenden Informationen und der Grösse beziehungsweise dem Bau der Liegenschaft wurde ein entsprechendes Aufgebot eingesetzt.» Dadurch hätten die Räume rasch und sorgfältig abgearbeitet werden können. Die Bewohner seien dabei über den Einsatzgrund aufgeklärt worden, und zwar «nicht erst nach Stunden, sondern sobald es im Rahmen des Einsatzes möglich war», sagt Müller.

Von rassistischen Kommentaren vonseiten der Polizei weiss Müller nichts. «Die erhobenen Vorwürfe höre ich zum ersten Mal und habe keine Hinweise darauf, dass dies zutreffen würde.» Müller weist darauf hin, dass Personen, die sich ungerechtfertigt behandelt fühlen, im Rahmen eines Verfahrens die Möglichkeit haben, dies geltend zu machen.

DerBund.ch/Newsnet

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