Fallbeispiel einer Fehlentwicklung

Der Verkauf der Alkoholverwaltung in der Länggasse an einen Anbeiter von Luxusapartments ist exemplarisch für gewisse Fehlentwicklungen auf dem Immobilienmarkt.

Seltsam an diesem Deal ist, dass dabei die Eidgenossenschaft als kurzfristiger Profiteur auftritt.

Seltsam an diesem Deal ist, dass dabei die Eidgenossenschaft als kurzfristiger Profiteur auftritt. Bild: Adrian Moser

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Wäre der Verkauf der Alkoholverwaltung in der Länggasse nicht Realität – man müsste ihn für die Lehrbücher «erfinden»: Der Deal ist ein Fallbeispiel für eine Fehlentwicklung, welche die Mieten in einem beliebten Wohnquartier weiter ansteigen lässt und so zur Entmischung der Bevölkerung beiträgt. Dabei werden einstige Arbeiter- und Studentenquartiere wie die Länggasse zu Quartieren für die gehobene Mittel- und die Oberschicht. Die ärmeren Schichten werden an den Rand der Stadt abgedrängt – wo sich die sozialen Probleme zusammenballen. Die Innenstädte und die Trendquartiere verwandeln sich zu exklusiven Wohn- und Geschäftsvierteln.

So weit, so bekannt. Beim Verkauf der Alkoholverwaltung ist es aber nicht eine private Immobilienfirma, die zur Überhitzung des Wohnungsmarkts beiträgt, sondern der Bund. Er hat die Liegenschaft an den Meistbietenden verkauft. Als Richtpreis gab er die Summe von 35 Millionen Franken an, einen Betrag, der vom städtischen Finanzdirektor als «spekulativ» bezeichnet wurde. Zum Zug kommt denn nun auch ein Anbieter von Luxusapartments, die nur für kurze Zeit vermietet werden. Der Bund ist dabei zwar der kurzfristige Gewinner. Längerfristig profitiert aber nur der Anbieter der Business-Apartments. Er wird aus der Immobilie bald derart viel Gewinn herausschlagen, dass er weitere solche Ankäufe tätigen kann.

Der Bundesrat hat jüngst angekündigt, den Fonds zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus um 250 Millionen Franken aufzustocken. Es mutet seltsam an, wenn derselbe Bund Gebäude in beliebten Wohnquartieren an den Meistbietenden verkauft. Ausbaden müssen dies die Städte, wo Wohnraum in einzelnen Quartieren knapp wird. In der Stadt Bern kann der Bund die hohen Preise aber nur dank der Standortvorteile erzielen. Daher müsste die Stadt bei Hausverkäufen von Bund und Kanton mitreden können. So könnten Fehlentwicklungen wie beim Verkauf der Alkoholverwaltung künftig vermieden werden.

Erstellt: 10.08.2017, 06:57 Uhr

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