Fährt künftig ein Tram vom Wyler in die Länggasse?

Auf den Buslinien 20 und 12 wird es immer enger – nun werden Lösungen gesucht.

Die Buslinie 20 ins Berner Wylerquartier stösst während der Spitzenzeiten bereits heute an ihre Grenzen.

Die Buslinie 20 ins Berner Wylerquartier stösst während der Spitzenzeiten bereits heute an ihre Grenzen.

(Bild: Manu Friederich)

Lisa Stalder

Das Wankdorf im Norden Berns gilt als der bedeutendste Entwicklungsschwerpunkt des gesamten Kantons. In diesem Gebiet entstehen nicht nur Tausende Arbeits­plätze, sondern auch neue Wohnungen, Geschäfte und Freizeitangebote. Mit offensichtlichen Folgen für den öffentlichen Verkehr: Die Buslinie 20 in Richtung Wylerquartier stösst während der Spitzenzeiten schon heute an ihre Kapazitätsgrenzen. Ähnlich sieht es auf der Linie 12 aus: Bereits heute sind die Busse, die zwischen dem Bahnhof und der Länggasse verkehren, oft proppenvoll. Und das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen.

Breite Auslegeordnung nötig

Damit auch in Zukunft «genügend Kapazitäten und ein attraktives ÖV-Angebot» bereitgestellt werden können, soll nun im Auftrag des Kantons, der Stadt und der Regionalkonferenz Bern-Mittelland eine Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) durchgeführt werden. Diese wurde nun öffentlich ausgeschrieben, wie der Kanton gestern mitteilte. Die Planungsarbeiten sollen in diesem Sommer starten.

In einem ersten Schritt werde nun eine «breite Auslegeordnung möglicher zukunftstauglicher ÖV-Systeme» gemacht, wie Regierungsrätin Barbara ­Egger-Jenzer (SP) in einer schriftlichen Stellungnahme festhält. Dabei würden die Passagierströme, die weitere Siedlungsentwicklung sowie denkbare Li­nien­führungen abgeklärt. In einem zweiten Schritt gehe es dann darum, die Kosten und den Nutzen abzuschätzen und zu beurteilen, welche Lösungen nach der ZMB-Phase konkretisiert würden, schreibt Egger-Jenzer.

«Bern ist eine Tramstadt»

Im Rahmen der Abstimmung zum Tram Region Bern im letzten September wurde auf ein mögliches nächstes Tramprojekt – zwischen Wyler und Länggasse – hingewiesen. Ob es eine Tramlösung nach dem Scheitern des Trams Region Bern nun schwerer haben wird, bleibt abzuwarten. Noch ist es gemäss Egger viel zu früh, über allfällige «Bestlösungen» zu spekulieren. Nur so viel: Im Rahmen der ZMB sollen unterschiedliche Bus- wie auch Tramlösungen geprüft werden. Im Wylerquartier sei zudem die Antwort auf die Frage wichtig, welche Rolle die S-Bahn spielen könnte. Auch die möglichen Routen seien derzeit noch völlig offen, so Egger-Jenzer. Einzig der Perimeter sei definiert; dieser umfasse das Länggassquartier, Lorraine, Wyler und Teile des Breitenrainquartiers.

Auch Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu einem möglichen Ausgang der ZMB äussern. Sie sei in erster Linie froh, dass der Kanton die Federführung in diesem Projekt übernommen habe und diese Kapazitätsprobleme nun angegangen würden. Denn es sei klar, dass etwas gemacht werden müsse. Wyss macht aller­dings keinen Hehl daraus, dass sie einer Tramlösung nicht ab­geneigt wäre. «Bern ist und bleibt eine Tramstadt», sagte sie. Für die Nah­erschlies­sung sei dieses Transportmittel ideal. Zudem schätze die städtische Bevölkerung den hohen Komfort.

Tram frühestens im Jahr 2030

Gemäss Egger-Jenzer soll die ZMB 2017 abgeschlossen sein. Bis wann allfällige Lösungen danach umgesetzt werden können, hänge von den nötigen Infrastrukturausbauten ab. Eine Tramlösung könnte in 10 bis 15 Jahren realisiert werden. Vor 2030 ist also kaum mit einer neuen Tramlinie zu rechnen. Allfällige Zwischenlösungen werden sich gemäss Egger auch aus der ZMB ergeben. Denkbar ist indes ein etappiertes Vorgehen: So könnten die heutigen Trolleybus-Linien 20 und 12 (Richtung Länggasse) zu einer neuen, gemeinsamen Linie zusammengeschlossen werden.

Eine mögliche Tramlinie zwischen Wyler und der Länggasse wurde bereits im Tramkonzept 2030 der Regionalkonferenz Bern-Mittelland als Option erwähnt. Eine weitere Möglichkeit in diesem Konzept war eine Tramlinie zum Inselspital oder zum Güterbahnhof.

Der Bund

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