In die Länggasse soll wieder ein Tram rollen

Langfristig ist eine neue Tramlinie die beste ÖV-Lösung für die Länggasse. Für die ebenfalls überlastete 20er-Linie genügen dagegen grössere Trolleybusse.

Wendeschlaufe Länggasse 1959: Das Tram fuhr zum Ostring.

Wendeschlaufe Länggasse 1959: Das Tram fuhr zum Ostring. Bild: Peter Willen (Archivbild)

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«Back to the future»: So könne man das Ergebnis der Vorabklärungen für die künftige ÖV-Lösung in der Länggasse umschreiben, sagte am Dienstag die Stadtberner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) in Anspielung auf den bekannten amerikanischen Spielfilm. Denn laut der Fachabklärung ist eine Tramlinie in die Länggasse langfristig die «Bestvariante» für das rasch wachsende Universitätsquartier. Ab 2035 soll, so die Empfehlung der Experten, wieder ein Tram in der Länggasse verkehren – wie einst zwischen 1894 und der Mitte der 1960er-Jahre (siehe Bild).

Dies ist das Resultat der sogenannten Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB), die der Kanton bei Planungsbüros in Auftrag gegeben hat, um die sachlich besten ÖV-Lösungen für die heute schon überlasteten Buslinien 12 (Länggasse) und 20 (Wyler/Wankdorf) zu finden. Eine ZMB umfasse noch kein konkretes Projekt und sei auch kein politischer Entscheid, sagte Barbara Egger-Jenzer (SP), die noch bis Ende Mai kantonale Verkehrsdirektorin ist. «Es ist wichtig, dass nach einer ZMB eine umfassende Partizipation, also eine Mitwirkung, durchgeführt wird.»

Die Mitwirkung, in der sich Parteien und Bevölkerung zur ZMB äussern können, beginnt jetzt und dauert bis zu den Sommerferien. Die Tramlinie in die Länggasse ist nur eine von vielen Empfehlungen aus der ZMB. Diese sind zudem zeitlich gestaffelt. Der Reihe nach schlagen die Experten Folgendes vor: Schon ab Ende 2018 sollen auf der Linie 20 (Hauptbahnhof–Wyler/Wankdorf) deutlich grössere Doppelgelenk-Trolleybusse, sogenannte Mega-Busse verkehren.

Als Übergangslösung soll «frühestens ab 2020/2021» die Linie 20 (Wyler/Wankdorf) mit dem Ast Hauptbahnhof–Länggasse der Linie 12 zu einer Trolleybuslinie verknüpft werden.

Gleichzeitig, also ebenfalls ungefähr ab 2020/21, soll für die Gewerbeschüler ein Shuttlebus eingeführt werden, der zu den Stosszeiten direkt zwischen Hauptbahnhof und der Haltestelle Gewerbeschule der heutigen Linie 20 verkehrt. Denn zwischen diesen Haltestellen werden heute täglich bis zu 10'000 Personen transportiert, meist Schüler und Schülerinnen der Gewerblich-Industriellen Berufsschule (GIBB) in der Lorraine. Wo der Shuttlebus in der Lorraine wenden wird, ist noch offen. Es stehen zwei Varianten zur Debatte.

Tram nur für die Länggasse

Laut den Experten kann mit dem Shuttle, bei dem es sich um einen Gelenkbus von normaler Grösse handelt, die Lage auf der heutigen Buslinie 20 entspannt werden. Denn zwischen den Haltestellen Wyleregg und S-Bahnhof Wankdorf ist die Nachfrage mit 1000 bis 4000 Passagieren täglich deutlich geringer. Dies vor allem auch deshalb, weil die S-Bahn eine wesentlich schnellere und bequemere Verbindung zum Entwicklungsschwerpunkt im Wankdorf bietet. Die ÖV-Nutzung in der Länggasse ist mit bis zu 9000 Passagieren pro Tag ebenfalls sehr hoch, aber die Ströme sind gleichmässiger verteilt. Neben den Spitzenzeiten besteht auch am Mittag und am Nachmittag eine hohe Auslastung. Zudem sind, anders als im Wyler, alle Haltestellen von grosser Bedeutung.

Vor allem wird die Passagierzahl auf der Linie 12 in die Länggasse laut der Prognose der Experten in den nächsten anderthalb Jahrzehnten viel stärker zunehmen als im Wyler – um rund 50 Prozent. Ursachen sind vor allem die Expansion der Universität im ganzen Länggassquartier und die Zunahme der Studentinnen und Studenten. Dies ist der Hauptgrund, weshalb die Experten für die Länggasse langfristig eine Tramlinie empfehlen. Trams können nicht nur eine steigende Nachfrage bis 2035 abdecken, sondern haben darüber hinaus Kapazitätsreserven.

Der Baustart für eine Tramlinie in die Längasse könnte 2030 erfolgen, die ersten Trams würden 2035 rollen. Das bedeutet, dass die Linien 12 und 20 dann wieder getrennt würden. Auf welche Weise das Länggass-Tram mit einer anderen Tramlinie verknüpft würde, ist offen. Die Baukosten der Tramlinie betragen laut ersten Schätzungen 100 Millionen Franken. (Der Bund)

Erstellt: 03.04.2018, 11:28 Uhr

«Neuhaus soll das genau prüfen»

Grossrat Stefan Hofer (SVP) hat wenig Freude an einem möglichen Tram in die Berner Länggasse. Es sei schon «sehr speziell» von Kanton und Stadt Bern, kurz nach der knapp gewonnenen Abstimmung übers Tram nach Ostermundigen bereits wieder mit einem neuen Tram-Projekt an die Öffentlichkeit zu treten, sagt der Initiator des Referendums gegen das Tram nach Ostermundigen.

Ob ein Tram in die Länggasse sinnvoll sei oder nicht, könne er nicht beurteilen. «Aber es ist zweifellos ein Unsinn, noch eine weitere Tramlinie durch die Innenstadt zu ziehen», sagt Hofer. Mit ironischen Unterton kommentiert der SVP-Politiker die Auftraggeberin der Zweckmässigkeitsbeurteilung, Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP).

Mit der Präsentation der Studie kurz vor ihrem Rücktritt habe die kantonale Verkehrsdirektorin «grossen Mut bewiesen», sagt Hofer Er sei froh, dass die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) künftig unter bürgerlicher Führung stehe. «Ich erwarte vom neuen Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP), dass dieser das Tramprojekt in die Länggasse genau prüfen wird», sagt Hofer.

Bei den Befürwortern des Trams nach Ostermundigen weist man darauf hin, dass die Zweckmässigkeitsbeurteilung einer Tramverbindung in die Länggasse bereits vor Jahren in Auftrag gegeben worden ist. «Das Projekt ist ja nicht neu», sagt Adrian Haas, Direktor des kantonalen Handels- und Industrievereins (HIV). Bei einem Fahrgastaufkommen von 9000 Personen pro Tag und angenommenen Wachstumsraten des Passagiervolumens von drei Prozent pro Jahr könne ein Tram in die Länggasse durchaus sinnvoll sein. «Mit Bussen wird der Takt irgendwann zu eng und die Fahrzeuge folgen direkt aufeinander», sagt Haas. Das grössere Tram hingegen erlaube es, den Takt etwas weniger eng zu gestalten.

Fragen hat Haas aber zum Wachstum der Universität, das als Begründung für das Anwachsen der Fahrgastzahlen dient. «Längerfristig ist es fragwürdig, wenn die Entwicklung eines Wohnquartiers durch die Ausbreitung der Uni immer mehr blockiert wird.»

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