Expertise unter Verschluss

Wie die Kompetenzen der Schauspieldirektion am Stadttheater geregelt sind, ist schwer zu sagen. Grund: Intransparenz.

Hat immer noch Fragen zu beantworten: Benedikt Weibel.

Hat immer noch Fragen zu beantworten: Benedikt Weibel. Bild: Adrian Moser

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Wie gut sind die Kompetenzen der Schauspieldirektion am Stadttheater geregelt? Und erhält Stephanie Gräves Nachfolger einen modifizierten Vertrag – nach dem Machtkampf zwischen ihr und Intendant Stephan Märki, der mit ihrer Freistellung endete? Das war auch eine der Fragen, die der «Bund» dem Intendanten im Rahmen des Interviews vom 21. Mai stellte.

Er werde, so erklärte Märki damals, mit möglichen Nachfolgern ausführlich darüber reden, wo die «Schnittstellen» der Verantwortlichkeiten zwischen Intendanz und Spartenleitung lägen. Man sei nie davor gefeit, dass es in der konkreten Arbeit Diskussionen um Befugnisse gebe. Aber die Kompetenzen seien eindeutig. «Wir haben den Vertrag durch einen Experten analysieren lassen», erklärte Märki zudem dem «Bund», «mit dem Ergebnis, dass die Regelungen klar sind.»

Die Geschäftsordnung, aber auch die Verträge von Intendanz und Schauspielleitung seien «ziemlich auslegungsbedürftig», hatte Anfang Mai der frühere städtische Kultursekretär Christoph Reichenau im Onlinemagazin «Journal B» festgestellt – zumal «im springenden Punkt, an der Schnittstelle der Befugnisse beider». Umso mehr lag dem «Bund» daran, sich im Anschluss ans Gespräch mit Märki ein Bild von der juristischen Expertise zu machen. Er wurde an Benedikt Weibel verwiesen, den Stiftungsratspräsidenten. Dieser erklärte sich für die Cor­porate Governance zuständig, also für Organisations- und Kompetenzfragen. Die Expertise allerdings sei Sache des Intendanten: Er habe sie eingeholt.

Antworten bleiben aus

Weibel zitierte mit einem einzelnen Satz die «Schlussfolgerung» aus dem Mail eines Juristen an Märki, der ihn um eine «Stellungnahme zur Kompetenzregelung» gebeten habe: «Ich schliesse daraus, dass Stephanie Gräve auch nach allgemeinen arbeitsrechtlichen Prinzipien deine Weisungen zu befolgen hat, auch wenn diese in ihre künstlerischen Kompetenzen eingreifen.» Eine weitergehende Einsicht ins Dokument verweigerte Weibel, ebenso eine Auskunft über Fragestellungen und weitere Befunde der Expertise. Die Zuständigkeiten seien sowohl in der Geschäftsordnung als auch in den Verträgen «glasklar» geregelt, und zwar gemäss dem «Standard moderner Corporate Governance».

Auf die wiederholte Frage, ob die Expertise für die Öffentlichkeit bestimmt sei oder nicht, erhielt der «Bund» bis heute keine Antwort (Der Bund)

Erstellt: 07.07.2016, 07:40 Uhr

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