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EWB produziert den Windstrom dort, wo es in Spanien heftig bläst

Für den Atomausstieg seien auch Windparks im Ausland nötig, betont der Stadtberner Energieversorger. Ein Besuch im spanischen Salamanca, wo die EWB einen Drittel an einem Windpark besitzt.

Auf der Hochebene nahe der Grenze zu Portugal weht der Wind zuverlässig – und stärker als über die Jurahöhen.
Auf der Hochebene nahe der Grenze zu Portugal weht der Wind zuverlässig – und stärker als über die Jurahöhen.
Simon Thönen

Es ist ein guter Ort, um Windstrom zu produzieren. Über die Hochebene zwischen der spanischen Universitätsstadt Salamanca und der Grenze zu Portugal weht der Wind zuverlässig. Drei Windparks stehen hier nebeneinander.

Zwei davon, Bandelera und Rodera Alta, besitzt seit einem Jahr die Firma Leading Swiss Renewables (LSR). Die LSR gehört zu gut einem Drittel dem Stadtberner Stromversorger Energie Wasser Bern (EWB), die zwei weiteren Partner sind der Nordwestschweizer Versorger EBM und die Investitionsfirma Aravis.

Stolze Betreiber

Die Kader der beteiligten Partner zeigen sich auf der Pressereise, die am Donnerstag und Freitag stattfand, sichtlich stolz über die zwei erworbenen modernen Windparks. «Es handelt sich um die grösste je durch eine einzelne Schweizer Gesellschaft durchgeführte Windtransaktion», sagt Oliver Thalmann von der Firma Aravis, die die zwei Windparks auf dem Markt entdeckt und den Kauf vorbereitet hat.

Bereits die Windbedingungen ermöglichen gut ein Drittel mehr Stromproduktion als am Standort des grössten schweizerischen Windparks, jenes der BKW auf dem Mont Crosin – und die Leistung der Kraftwerke ist hier in Spanien mit 70 Megawatt zudem sehr viel grösser. Der Blick von der 70 Meter hohen Kraftwerkskabine eines dieser riesigen Windräder zeigt, wie weit sich die Windfarmen auf der Hochebene ausbreiten. Von den rund 50 Windrädern drehen sich 35 für die LSR.

Viel Wind, keine Opposition

Nicht nur die Windbedingungen sind gut. Opposition gibt es hier kaum. Die Gegend, rund 60 Kilometer von Salamanca entfernt, ist nur sehr schwach besiedelt. Alte Olivenbäume, Steinmäuerchen, Korkeichen und vereinzelte Bauernhöfe zeigen das Bild einer traditionellen Landwirtschaft.

Zweifellos gute Bedingungen also, um aus Wind erneuerbaren Strom zu machen. Für den Stadtberner Versorger EWB ist die Beteiligung via LSR Teil des städtischen Atomausstiegs, der verlangt, dass der Strom aus der Beteiligung am AKW Gösgen bis 2039 durch erneuerbare Elektrizität ersetzt wird. Wenn man eine Stromversorgung mit erneuerbarer Energie wolle, müsse man sie möglichst auch an guten Standorten produzieren, sagt EWB-Chef Daniel Schafer.

Vorerst für den spanischen Markt

Doch Spanien ist weit entfernt. Zu weit, um zur Versorgung der Stadt Bern beizutragen, kritisieren sowohl der Chef der FDP- wie auch jener der GFL-Fraktion im Stadtrat. Fest steht, dass der Strom der beiden Windparks vorerst auf dem spanischen Markt verkauft wird. Sie profitieren von der Einspeiseregelung, die auch in Spanien feste Tarife für grünen Strom garantiert. Dies ermöglicht sichere Renditen. Angestrebt wird eine Eigenkapitalrendite im zweistelligen Bereich. «Und bisher haben wir dies geschafft», sagt Thalmann.

Die Windparks, die rund 150 Millionen Euro gekostet haben, sind zu einem grossen Teil mit Krediten von spanischen Banken fremdfinanziert. Allerdings handelt es sich um eine der letzten Gelegenheiten in Spanien: Der schwer defizitäre Staat gewährt seit kurzem keine garantierten Tarife mehr für neue Wind- oder Sonnenkraftwerke.

Dennoch seien die Windparks für EWB nicht einfach eine Finanzinvestition, sagt André Moro, Leiter Energiewirtschaft von EWB: «Wir investieren hier langfristig.» EWB strebe an, den Standort über die Lebensdauer der heutigen Windparks zu halten. In 25 bis 30 Jahren könne man dort eine neue Generation von Windkraftwerken aufstellen und dann für den freien Strommarkt oder für die Versorgung von Bern produzieren.

Auch mehr Solarstrom in Bern

Bei EWB räumt man ein, dass die Hochspannungsleitungen von Spanien in die Schweiz noch nicht genügend ausgebaut sind, um grosse Mengen Windstrom rasch und flexibel nach Mitteleuropa zu transportieren. Dies werde sich ändern, ist Schafer überzeugt. «Die Stromversorgung, auch jene der Schweiz, ist längst europäisch.»

«Am Ende des Tages brauchen wir einen ausgewogenen Mix an erneuerbarer Stromproduktion im In- und Ausland», sagt Schafer. Fotovoltaikstrom etwa werde, bei gleicher Technologie, in Spanien immer billiger sein als in der Schweiz, sagt Moro. Dass Solarstrom generell viel billiger geworden ist, erleichtere aber Investitionen auch im Raum Bern. Und Daniel Schafer macht eine Ankündigung: Bis 2020 wolle EWB auch hier die Solarstromproduktion erhöhen: um zusätzliche 10 Millionen Kilowattstunden.

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