Eule und Uhu können richtig fliegen

Nach knapp siebenmonatiger Bauzeit wurde gestern die neue Voliere im Berner Tierpark Dählhölzli eröffnet. Der Bau der Anlage forderte von den Arbeitern viel Fingerspitzengefühl.

Die Schneeeule hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in ihrem neuen Zuhause eingewöhnt.

Die Schneeeule hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in ihrem neuen Zuhause eingewöhnt. Bild: Valérie Chételat

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Die Masse der neuen Voliere sind eindrücklich. Das Gehege im Berner Tierpark Dählhölzli ist zehn Meter hoch und erstreckt sich über eine Fläche von 750 Quadratmetern – mit separaten Teilen für die Uhus und die Schneeeulen. Nachdem die Vögel während Jahren in viel kleineren Gehegen gelebt hatten, haben sie nun genügend Platz, um ihre Schwingen einzusetzen und zu fliegen. Doch just während der offiziellen Eröffnung der Anlage am Donnerstagmorgen zogen es die Tiere vor, aufgeplustert und beinahe regungslos auf einem Ast oder am Boden zu verharren. Dahinter stecke kein böser Wille, sondern ein ganz natürliches Verhalten, sagte Tierparkdirektor Bernd Schildger. Indem sie ihr Gefieder aufplusterten, hielten die Vögel den Regen fern und die Körpertemperatur hoch.

Damit Besucherinnen und Besucher auch künftig möglichst viel vom natürliche Verhalten der Vögel zu sehen bekommen, hat der Tierpark in den letzten sieben Monaten einen grossen Aufwand betrieben: Es wurden Felsen mitsamt Nistplätzen gebaut, Bachläufe geschaffen und Bäume gepflanzt, die das Dach – ein schwarzes Edelstahlgeflecht – durchstossen und so ungehindert weiterwachsen können. Diese Aussenhülle war handwerklich eine besonders grosse Herausforderung, mussten die Zigtausenden Netzverknüpfungen doch alle von Hand angebracht werden.

Beim Bau der Anlage wurde nicht nur an die Tiere, sondern auch an die Gäste gedacht: So sollen Kameras Einblicke in die Bruthöhlen gewähren. Zudem ermöglichen zwei Hebebühnen, das Geschehen in der Voliere aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Diese hätten zwar nur eine Hubhöhe von einem Meter, sagte Tierparkdirektor Schildger. Doch es sei nicht dasselbe, ob man die Tiere aus einer Höhe von 1,78 Metern oder 2,78 Metern betrachte. Eine Aussage, die sich durch einen kurzen Test bestätigen liess.

Krähen als Unruhestifter

Während Gäste die neue Anlage erst seit Donnerstag besuchen können, haben Uhu und Schneeeule ihr neues Daheim bereits Anfang Jahr bezogen. Ganz ohne Probleme sei die Umsiedlung nicht über die Bühne gegangen, sagte Tierpflegerin Rea Eggimann. Die Vögel hätten die Monate zuvor in der Quarantäne verbracht, wo sie deutlich weniger Platz zur Verfügung hatten. Der Umzug in das neue Gehege sei für sie eine «grosse Umstellung» gewesen. Insbesondere die Krähen, die jeweils in grosser Zahl um die Anlage flogen, hätten die Schneeeulen und die Uhus verunsichert. Mittlerweile hätten sich die Vögel aber bestens eingelebt, sagte Eggimann. Aber wohl noch nicht so gut, dass bereits in diesem Jahr mit Nachwuchs gerechnet werden darf.

Nach der Papageientaucher-Anlage, dem Bärenwald oder auch der Seehund-Anlage sei die neue Voliere ein «weiteres Pioniervorhaben», das im Tierpark Dählhölzli habe realisiert werden können, sagte Bernd Schildger. Die Anlage, welche rund drei Millionen Franken gekostet hat, wird zu 100 Prozent vom Tierparkverein und der Rudolf-Seelhofer-Stiftung finanziert. Das Projekt ist Teil der Gesamtplanung des Tierparks 2000 bis 2015, welche der Gemeinderat vor 16 Jahren abgesegnet hatte. Die neue Voliere ersetzt die alten Vogelanlagen, die aus den 1960er-Jahren stammten und den heutigen Tierschutzbestimmungen nur noch bedingt entsprachen. (Der Bund)

Erstellt: 26.02.2016, 08:10 Uhr

Ziesel

Aus Winterschlaf erwacht

Die Ziesel gelten als ziemlich verschlafene Tierchen. Normalerweise verabschieden sich die Nager bereits im August in den Winterschlaf, welcher dann rund sieben Monate dauert. Vor Ende März strecken die Tiere ihre Köpfchen meist nicht aus ihren Höhlen heraus. In diesem Jahr hatten es die Ziesel des Berner Tierparks Dählhölzli aber offenbar ganz besonders eilig: Das frühlingshafte Wetter vom vergangenen Wochenende hat die Tiere aus dem Bau gelockt, wie der Tierpark auf Facebook schreibt. Der Ausflug war allerdings nur von kurzer Dauer, sodass es den Tierpflegern nicht gelang, ein Beweisfoto zu schiessen. Zwar befinden sich die Tiere nun wieder in der Höhle, zurück in den Winterschlaf gehen sie trotz des erneuten Wintereinbruchs aber nicht mehr, wie Zoopädagogin Cornelia Mainini auf Anfrage sagt. Der Stoffwechsel der Tiere sei nun wieder aktiviert, sie seien also auf Nahrung angewiesen. Es sei «sicher ungewöhnlich», dass Ziesel so früh aus dem Winterschlaf erwachten, sagt Mainini – es komme aber immer wieder mal vor. Und: «Zu früh ist es sicher nicht.» Auch andere Tierpark-Bewohner haben das warme Wetter gespürt, so zum Beispiel die beiden Ussurischen Bären Mischa und Mascha. Sie hätten den Winterschlaf aber fortgesetzt, sagt Manini. Noch im Tiefschlaf befinden sich gemäss der Zoopädagogin die Murmeltiere. Sie hätten bisher keine Anstalten gemacht aufzuwachen.

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