«Es ist keine Liebe illegal»

Am Samstagnachmittag demonstieren rund 300 Leute nicht nur gegen Sexismus und Lesbophobie, sondern gegen jegliche Art von Diskriminierung.

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«Who run the World?» – «Girls», rufen die rund 300 Demonstrierenden durch die Strassen von Berns Altstadt. Unter ihnen befinden sich aber keineswegs nur Frauen, auch etliche Männer haben sich eingefunden, um am «Tag der lesbischen Sichtbarkeit» ein Zeichen zu setzen.

Mit der Lesben*-Demo wollte das Organisationsteam aber nicht nur ein Zeichen setzen. Es gehe vielmehr darum, die Vielfalt an Identitäten, Begehren und Lebensformen innerhalb der Lesben der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und diese zu feiern, so das Manifest zur Demonstration.

Lesben werden ausgeklammert

Lesben würden immer wieder die Erfahrung machen, dass sie weniger Rechte haben und nicht die gleichen Chancen wie andere. Immer noch gebe es Ausgrenzung und Abwertung. Homosexualität werde oft auf männerliebende Männer reduziert und Lesben ausgeklammert. «Ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit von lesbischen Lebensweisen in der Gesellschaft, der Politik und in den Medien», sagt Tabea Rai, Berner Stadträtin und Mit-Initiatorin der Kundgebung.

Video zur Lesben*Demo. Quelle: sda

Der bewilligte Kundgebungszug zog vom Bärengraben durch die Stadt Richtung Münsterplatz. Viele Kundgebungsteilnehmerinnen und -Teilnehmer schwenkten regenbogenfarbige Fahnen. «Wir sind Lesben, wir feiern unsere Vielfalt» stand auf einem grossen Transparent, mit dem der Umzug angeführt wurde.

Zur «Lesben*Demo» aufgerufen hatte der Verein «Tag der lesbischen Sichtbarkeit Schweiz». Mit dem Sternchen im Wort «Lesben*Demo» wollte der Verein das Erscheinen von Schwulen, Bisexuellen oder Transmenschen willkommen heissen.

Kampf seit 20 Jahren

Unter den Teilnehmenden der Demonstration befindet sich ein älteres lesbischen Pärchen. Sie seien seit 20 Jahren zusammen, davon zehn Jahre in einer eingetragenen Partnerschaft. Für die beiden sei die Teilnahme an der Demonstration wichtig, weil noch immer viele Leute in vorgegebenen Schemata denken würden. «Wenn ich als Frau alleine in ein Theater gehe oder in einem Restaurant esse, gehen die Leute einfach mal davon aus, dass ich hetero bin», sagt eine der beiden Frauen.

Für die beiden sei es zudem wichtig, dass sich die Diskussion weg von Einteilungen in Kategorien bewegen müsse und der Grundsatz gelten müsse, dass jede und jeder in erster Linie einfach Mensch sei. Bis dies aber auch rechtlich der Fall sei, müssten Lesben in der Schweiz laut den beiden Frauen noch weiter kämpfen.

Laufen für mehr Selbstvertrauen

Weiter vorne in der Demonstration sind drei Kolleginnen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren gemeinsam unterwegs. Ihre Gesichter zieren aufgemalte Regenbogen. Für sie sei der Marsch vor allem ein Zeichen an alle Betroffenen. Es gehe darum, dass sie zeigen wollen, dass niemand alleine sei und gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit und für mehr Rechte für Lesben gekämpft würde. «Es ist schliesslich keine Liebe illegal», betont eine der drei Kolleginnen.

msl/sda

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