«Es braucht trotzdem Platz für Velos in der Länggasse»

Die Velos werden auf der engen Längassstrasse nicht dem Tram weichen, sagt Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern.

Die Velostrassen in der Berner Länggasse wurden im 2016 neu beschildert.

Die Velostrassen in der Berner Länggasse wurden im 2016 neu beschildert.

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Nein, Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) hat nicht gesagt, dass die Velos in der Länggassstrasse dem Tram weichen müssen. Aber die von ihr verwendete Formulierung lässt einen anderen Schluss kaum zu. Bei der Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) hätten verschiedene Fragestellungen noch nicht gelöst werden können, sagte die kantonale Verkehrsdirektorin vor den Medien. Dies betreffe unter anderem «die Veloführung in der Länggasse, da der Strassenraum für eine unabhängige Führung von Velo und Tram zu eng ist», sagte Egger.

Velos statt Parkplätze?

Die Velo-Lobby will aber nichts von einer allfälligen Verdrängung der Fahrräder aus der Länggassstrasse wissen. «Es braucht trotzdem Platz für Velos in der Länggassstrasse», sagt Michael Sutter, Präsident von Pro Velo Bern und Stadtrat der SP. Er weist auf das einstige Sanierungsprojekt für die Länggassstrasse hin, das zwischen der Einmündung der Neufeldstrasse und dem Falkenplatz Alleebäume, Parkplätze und einen Mittelstreifen mit Kunstelementen vorsah. «Zugunsten des Veloverkehrs könnte man auf den Mittelstreifen verzichten», sagt Sutter.

Die Parkplätze auf dem Trottoir wiederum könnten in die Seitenstrassen verschoben werden. Pro Velo werde das künftige Tramprojekt und die Strassensanierung jedenfalls kritisch prüfen – auch in Bezug auf die «Situation rund um die Haltestellen», sagt Sutter.

Streit bis vor Verwaltungsgericht

Sutters Ankündigung dürfte mehr sein als blosse Rhetorik. Denn vor sechs Jahren hiess das Verwaltungsgericht eine Beschwerde von Pro Velo gegen die Sanierung der Länggassstrasse gut. Die Lobby-Vereinigung hatte damals einen ausreichenden Abstand zwischen den ins Trottoir eingefügten Parkbuchten und dem Velostreifen am Rande der Fahrbahn verlangt, damit Kollisionen von Velofahrenden mit sich öffnenden Autotüren verhindert werden können.

Nach dem Entscheid des Gerichtes hätte die Stadt ein neues Sanierungsprojekt vorlegen müssen und führte diesbezüglich bereits Workshops mit den Einsprechenden durch. Vor drei Jahren wurden diese aber gestoppt, weil die Direktion von Ursula Wyss (SP) zuerst die nun vorliegende Zweckmässigkeitsbeurteilung für eine Tramlinie abwarten wollte. Die Vereinigung Pro Velo wies nach dem Gerichtsentscheid in einer Mitteilung darauf hin, dass die weitere Verzögerung der Strassensanierung zwar bedauerlich sei, aber nicht in ihrer Verantwortung liege. Die Sanierung der Länggassstrasse ist der letzte Baustein eines Bündels von Massnahmen zur Quartierberuhigung, über welche die Stadtberner Stimmenden bereits im März 2002 abgestimmt hatten.

Länggassleist ist skeptisch

Zu den Einsprechern gegen die Verkehrsberuhigung zählte einst auch der Länggassleist. Er hatte die Zusammenlegung der beiden Buslinien in die Länggasse und ins Wankdorf stets begrüsst und steht auch heute den geplanten Doppelgelenkbussen positiv gegenüber, weil dadurch die Innenstadt entlastet werde, sagt Präsident Reto Braun. Das Tramprojekt beurteilt Braun aber eher kritisch. «Die Länggassstrasse ist übernutzt. Eine Verdichtung des Verkehrsaufkommens kann ich mir nur schwer vorstellen», sagt Braun. (Der Bund)

Erstellt: 04.04.2018, 06:53 Uhr

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