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Es braucht neue Ideen in der Drogenpolitik

Ein Kommentar von Basil Weingartner zum geplanten Pilotversuch der straffreien Cannabisabgabe in Berner Apotheken.

An einem Pilotprojekt in Bern darf Cannabis soll Canabis legal abgegeben und geraucht werden dürfen.
An einem Pilotprojekt in Bern darf Cannabis soll Canabis legal abgegeben und geraucht werden dürfen.
Michael Schneeberger

Kiffen ist illegal. Viele Menschen tun es trotzdem. Gerade unter jungen Städtern ist der Konsum hoch: Jeder sechste von ihnen hat im letzten Halbjahr an einem Joint gezogen. Und jeder dritte Schweizer hat schon einmal in seinem Leben gekifft.

Das verhinderte auch das im letzten Jahrzehnt eher wieder strenger ausgelegte Cannabisverbot nicht. So wenig effektiv das Verbot ist, folgenlos geblieben ist es nicht. Weil im Geheimen gekifft wird, kommen Präventionsmassnahmen oft erst dann zum Einsatz, wenn sie nur noch Massnahmen sind.

Das schadet den Betroffenen – und der Gesellschaft. Ebenso, dass die Konsumenten auf den Schwarzmarkt ausweichen müssen. Das dort verkaufte Cannabis ist nicht immer über alle Zweifel erhaben. Dass der Dealer neben Cannabis auch gleich noch harte Drogen verkauft, ist aus Sicht der Drogenprävention sehr schlecht.

Dass die Stadt Bern Kiffern nun versuchsweise ermöglichen will, geprüften Stoff legal in der Apotheke zu kaufen, ist deshalb zu begrüssen. Cannabiskonsum wird deswegen aber noch lange nicht nebenwirkungsfrei und harmlos.

Doch entgegen den von Kritikern geäusserten Bedenken dürfte der kontrollierte Verkauf den durch Cannabis verursachten Erkrankungen entgegenwirken: sei es durch den standardisierten Stoff, sei es durch die Möglichkeit der frühzeitigen Prävention. Ob dies tatsächlich so ist, wird die Studie zeigen, die Teil des geplanten 30-monatigen Versuchs ist.

Dass an dieser Studie teilnehmen muss, wer Cannabis legal kaufen will, dürfte viele Stadtberner Kiffer von der Teilnahme abhalten. Auch die amtliche Registrierung als «Kiffer» wirkt abschreckend – Datenschutz hin oder her.

Und gleichwohl sollten möglichst viele Cannabiskonsumenten dereinst am Pilotprojekt teilnehmen. Denn nur so kann während des Projekts ein Modell entstehen, das Kiffern in Zukunft einerseits einen legalen Zugang zu Cannabis ermöglicht und andererseits griffigere Präventionsmassnahmen beinhaltet, als dies derzeit durch die Prohibition der Fall ist.

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