Es braucht eine Lösung – für die BLS und für Bern

Nach heftigen Protesten gegen die geplante Werkstätte im Riedbach präsentierte die BLS den Standort Chliforst. Auch hier hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Simon Thönen@SimonThoenen

Im ersten Anlauf hat die Führung des Bahnunternehmens BLS die Standortsuche für die neue Werkstätte gründlich vermasselt. Ohne Rücksicht auf die Anwohner und die Stadt Bern entschied sie sich für eine Werkstätte auf der grünen Wiese in Riedbach – und löste einen Proteststurm aus, der sie zwang, die Notbremse zu ziehen.

Sie holte in der Folge das nach, was sie von vornherein hätte tun müssen. Eine von ihr beauftragte, breit zusammengesetzte Begleitgruppe rollte die Standortfrage neu auf und präsentierte als Alternative den Standort Chliforst in Bern-West. Am Montag kündete die BLS an, dass sie nun auf diesen setzen will.

Die Begeisterung über den neuen Standort hält sich zwar in Grenzen – das ist aber bei Kompromissen oft der Fall. Sachlich scheint er zumindest vertretbar: Die nun geplante Werkstätte Chliforst ist massiv kleiner, benötigt weniger Landwirtschaftsboden und ist für die BLS nicht schlechter als Riedbach.

Neben vielen kleinen ist aber auch die grosse Frage offen, ob die nötigen Waldrodungen rechtlich zulässig sind. Es ist zwar legitim, darüber zu diskutieren, ob der Wald in der Schweiz zu streng geschützt sei. Der BLS nützt dies jedoch herzlich wenig. Ihr Projekt muss den Anforderungen des geltenden Waldgesetzes genügen. Hier haken die Umweltorganisationen ein, um den aus ihrer Sicht besser geeigneten Standort Niederbottigen am Rande des Siedlungsgebiets der Stadt zu fordern.

Im neu entfachten Streit um die Standorte droht allerdings aus dem Blick zu geraten, dass die BLS relativ rasch eine neue Werkstätte braucht – weil der S-Bahn-Verkehr in der Region Bern sonst unsicherer, unzuverlässiger und unbequemer zu werden droht. Das kann nicht im Interesse der Umweltverbände sein. Sie werden sich gut überlegen müssen, wie weit sie mit ihrer Opposition gehen wollen. Beweglicher muss sich aber auch die Stadt Bern zeigen. Falls der Standort Chliforst rechtlich problematisch ist, sollte sie Hand bieten für die Alternative Niederbottigen. Denn Bern ist als Pendlerstadt auf die S-Bahn angewiesen.

DerBund.ch/Newsnet

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