Erzbierschof am Abgrund

Der Betreiber von vier Bier-Bars steht vor dem Konkurs. Für die Lokale in Bern und im Liebefeld werden neue Betreiber gesucht.

Bald geht das Bier aus: Erzbierschof-Bar in der Berner Altstadt.

Bald geht das Bier aus: Erzbierschof-Bar in der Berner Altstadt. Bild: Franziska Rothenbühler

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Hiobsbotschaft für Berner Bierliebhaber: Die Schweizer Bier-Bar-Pionierin Erzbierschof AG befindet sich in finanzieller Schieflage. «Wir können es nicht verleugnen: Erzbierschof ist seit seinem Bestehen 2009 in der bis anhin schwersten Krise», heisst es im am Donnerstagabend verschickten Newsletter.

Bereits seit Jahren kämpft das Unternehmen mit Flaute-Zeiten in den Sommermonaten: «Im Winter haben wir versucht möglichst viel Geld zu verdienen, um die Löcher des Sommers zu stopfen. In den ersten Monaten des Sommers haben wir alles wieder verloren.» Weiter heisst es: «Und wir haben lange gewartet auf rosigere Zeiten – wir waren geduldig –, und dass der Bier-Hype so richtig gross wird.»

Der Bier-Trend frisst seine Kinder

Bier von lokalen Herstellern sowie spezielle Biersorten sind zwar schwer im Trend, doch mit dem Trend sind auch die Konkurrenten gekommen. Die Erzbierschof AG schreibt: Die «Gastronomie ist unter Druck wie seit Jahren nicht mehr und im Craftbier wächst eine sehr rasant steigende Basis von Anbietern. Leider nehmen die Konsumenten und Biereliebhaber nicht in diesem Ausmasse zu. Und das führt zu einer grossen Erosion im Biermarkt.»

Die Erzbierschof AG will nun mit einem Sanierungsplan den Konkurs abwenden. Dafür plant das Unternehmen, sich von allen vier Bars zu trennen. Für die Bar bei der Zürcher Europaallee sei bereits ein Projekt am Laufen. Für die Bars in der Berner Postgasse, im Liebefeld und in Winterthur würden Nachfolger gesucht. Das Gebäude im Liebefeld hätte eigentlich abgebrochen werden sollen, doch diese Pläne seien nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden, schreibt das Unternehmen. Ein Weiterbetrieb der Bar sei deshalb möglich. Wie lange die Erzbierschof AG die Bars noch betreiben wird, ist offen. Im Newsletter heisst es dramatisch: «Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wie lange unser Bier noch reicht und wie lange wir die Bars noch offen halten können.»

Grosse Auswahl und fachmännische Beratung

Toni Flükiger startete 2009 mit einem kleinen Handelsunternehmen für Bierspezialitäten und eröffnete 2011 seine erste Bier-Bar im Liebefeld, in welcher er die Gäste umfassend beriet und in Sachen Bier unterrichtete. Im Angebot sind dort 15 Zapfhahnen mit laufend wechselnden Bieren sowie weiter über 100 verschiedene Flaschenbiere. Der Fachmann Flükiger führte auch Degustationen und Treffen mit Kleinbrauern durch. Den letzten Sommen angekündigten Verkauf von Aktien an das breite Publikum hat die Erzbierschof AG angesichts der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens nicht umgesetzt. «Wir sind sicher und zuversichtlich, dass die Reise hier noch nicht zu Ende ist, und etwas in einer Form wieder auflebt», schreiben die Betreiber zum Schluss. (Der Bund)

Erstellt: 04.05.2017, 22:03 Uhr

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