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Velofahren als «soziales Ereignis»

Die neue Velohauptroute vom Bahnhof Richtung Wankdorf verspricht mehr Sicherheit und Schnelligkeit. Die «schweizweit erste grüne Welle für Velofahrer» besteht den Test aber nicht.

So sehen die geplanten Velorouten aus (Klicken, um Bild zu vergrössern).
So sehen die geplanten Velorouten aus (Klicken, um Bild zu vergrössern).
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Viel Platz und schnelleres Vorankommen: Die Velohauptroute zwischen Wankdorfplatz und Bahnhof verspricht grüne Ampelwellen jeweils am Morgen und am Abend. (Video: lim)

Die Ampel wird grün, los geht die Fahrt. Der Wankdorfplatz ist der Ausgangspunkt der ersten Berner Velohauptroute. Von dort führt sie via Nordring zum Hauptbahnhof. Nach knapp hundert Metern Fahrt folgt bereits der erste Stopp – wegen einer roten Ampel. Von der versprochenen grünen Welle fehlt bisher jede Spur. Der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel sagt, die grüne Welle beginne erst bei der Tellstrasse und gehe bis zur Lorrainebrücke. Nach dieser fange sie wieder an und ende beim Bahnhof. Morgens könne man bis 9 Uhr stadteinwärts von ihr profitieren, abends stadtauswärts ab 16 Uhr.

Freude bereitet das Grün bei der ehemaligen «Energie-Vernichter-Ampel» beim Café Kairo am Dammweg. Dort muss man nun nicht mehr abbremsen. Mit dem gehaltenen Schwung kann man bis zur Lorrainebrücke fahren. Wirklich grün ist die Welle aber bei der Probefahrt auch in den beiden genannten Abschnitten nicht. Zwar wird man nach der Lorrainebrücke noch mit einem grünen Licht begrüsst, muss aber bereits bei der zweiten Ampel wieder stoppen. Die Anpassung der Ampeln befinde sich derzeit in der Testphase, sagt Vogel. Bis im August werde man noch einige Optimierungen an der «schweizweit ersten grünen Welle für Velofahrer» vornehmen.

Nebeneinanderfahren ist erlaubt

Im Gegensatz zur grünen Welle sind andere Merkmale der Veloroute schnell erkennbar. So wurden breitere Velowege geschaffen und teilweise von der Busspur getrennt. «Wir wollen die Berner damit nicht zwingen, sondern sie einladen, mit dem Velo unterwegs zu sein», sagt die zuständige Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Das Velofahren werde mit den Anpassungen zum «sozialen Ereignis», Nebeneinanderfahren inklusive.

Dass es mit den Velohauptrouten in der Stadt vorwärts geht, freut auch Pro Velo Bern, wie der Verein in einer Medienmitteilung schreibt. Dennoch gebe es noch viel Arbeit. Unter anderem müsse für die Lorrainebrücke eine gute Lösung gefunden werden. Ähnlich sehen dies Wyss und Vogel. Weil die Velostreifen auf der Brücke mit 1,50 Metern noch immer sehr eng sind, sollen diese angepasst werden. Um die Verbreiterung auf jeweils 3 Meter pro Velospur zu erreichen, wird eine Autospur verschwinden. Durch ein besseres Verkehrsmanagement und die Optimierung der zur Verfügung stehenden Fläche soll aber Stau bei den Autos vermieden werden, wie Wyss sagt. Die Anpassungen auf der Velohauptroute Wankdorf kosteten rund 1,8 Millionen Franken, davon muss die Stadt 780'000 Franken übernehmen. Für den Rest kommen der Kanton und der Bund auf.

Vor rund zwei Jahren lancierte Ursula Wyss ihre Velo-Offensive. Sie beinhaltet rund 120 Massnahmen in der ganzen Stadt. Mit diesen soll bis 2030 der Veloanteil in Bern von heute 11 auf 20 Prozent erhöht werden. Durch die Velohauptrouten versucht Wyss, sichere und rasche Verbindungen aus den Aussenquartieren ins Zentrum der Stadt zu ermöglichen. Damit soll der Berner Veloverkehr attraktiver gestaltet werden. Neben den Velobahnen setzt Wyss für die Erreichung ihres Ziels auch auf andere Massnahmen. Um in Bern eine Velokultur zu etablieren, werden Velokurse für Kinder durchgeführt und transportable Übungsanlagen, sogenannte Pumptracks, aufgestellt. Im kommenden Jahr soll zudem eine Velokampagne für Erwachsene starten.

Nächste Route führt nach Köniz

Die nächste der elf radialen und zwei tangentialen Routen, die im Rahmen der Velo-Offensive vorgesehen sind, ist bereits in Planung. Sie wird vom Hauptbahnhof über die Schwarzenburgstrasse nach Köniz führen. Die organisatorischen Massnahmen wie Signalisierungen werden laut Verkehrsplaner Vogel bereits 2017 abgeschlossen sein. Ungefähr 2019 werden dann auch die restlichen, baulichen Massnahmen beendet sein. Welche Route danach folgt, ist unklar. Ebenfalls geplant ist, den Veloverkehr auf der Schwarztorstrasse in beide Richtungen zu erlauben.

Sicher ist, dass im Herbst ein Pilotprojekt in Bern gestartet wird. Dabei erhalten das Länggass- und das Breitenrainquartier im Rahmen eines Tests je eine Fahrradstrasse. Auf dieser haben Velofahrer immer Vortritt und dürfen auch nebeneinander fahren.

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