Erst im September sind wieder alle Publibikes gesichert

Publibike rüstet sämtliche Schlösser der Mietvelos nach. Bis dahin suchen die Mitarbeiter weiterhin geklaute Velos. Zurzeit steht noch gut ein Drittel der Flotte an Stationen.

Erst Ende September lässt sich diese Frage eindeutig beantworten, dass nämlich ein frei stehendes Publibike nicht geklaut ist.

Erst Ende September lässt sich diese Frage eindeutig beantworten, dass nämlich ein frei stehendes Publibike nicht geklaut ist. Bild: Adrian Moser

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Hat er das Velo geklaut oder gemietet? Diese Frage stellt sich in diesen Tagen angesichts von Publibikefahrern unweigerlich. Denn die Schlösser der Mietvelos zu knacken, ist ein Kinderspiel, das vor allem Jugendliche gerne spielen. Unterdessen stehen an den Stationen noch knapp 300 der 700 Publibikes, wie die Live-Grafik des «Bunds» zeigt.

Es sind längst nicht mehr wie zu beginn 700 Publibikes an den Stationen verfügbar. Obwohl immer wieder gefundene Velos an die Stationen zurückgestellt werden, pendelt die Zahl der ausleihbaren Velos zurzeit zwischen 200 und 300 Stück. Wie viele es genau sind, zeigt diese Live-Grafik. (Grafik: Christian Zellweger)

Am kommenden Wochenende dürfte sich die Zahl weiter verringern. Dies zeigte sich schon am letzten Wochenende. Aber auch unter der Woche verschwinden Velos. Um rund 30 Räder nimmt die Flotte täglich ab, die geklauten Velos werden nämlich nicht alle wiedergefunden. Dies obwohl die Mitarbeiter von Publibike jeden Tag bis zu 120 entwendete Velos einsammeln.

Doch was ist mit den Leuten, die ein Jahresabo gelöst haben und nun nur noch einen Drittel der Flotte zur Verfügung haben? Vorerst sei eine Abovergünstigung nicht vorgesehen, sagt Katharina Merkle. Und bisher habe es diesbezüglich noch keine Reklamationen gegeben. Aber solche würden sehr ernst genommen.

Alte Schlösser bis Mitte September

Bis sich die Schlösser nicht mehr knacken lassen, wird es noch ein paar Wochen dauern. Publibike rechnet damit, dass die Schlösser bis Mitte September gesichert sind. Denn ab Mitte nächster Woche kommen die Mechaniker nach Bern, um ein neues Element in die Schlösser einzubauen, wie Mediensprecherin Katharina Merkle von Publibike sagt. Und zwar in alle. Denn anders als bisher kommuniziert, betrifft das Problem nicht bloss eine gewisse Serie von Schlössern, sondern alle. Was genau die Mechaniker einbauen, bleibt Betriebsgeheimnis. Die Schlösser sollen ja nicht mehr geknackt werden können. Der Betrieb soll dabei nicht unterbrochen werden. Die Velos werden nach und nach in die Werkstatt gebracht und nachgerüstet.

Dass dies geschehen würde, war zu erwarten. Denn die Schlösser zu ersetzen, wäre zu teuer, wie «Der Bund» berichtete. Im Bericht kommt auch der Ingenieur Rolf Diefenbacher zu Wort. Er hatte im Auftrag von Publibike ein Schloss entwickelt. Der Auftrag wurde ihm jedoch entzogen und einer anderen Firma gegeben. Gegenüber dem «Bund» sagt Diefenbacher, von Schlössern anderer Anbieter wisse man, dass sie sich durch einen Tritt öffnen liessen. Er habe Publibike mehrfach darauf hingewiesen. Die Publibike-Sprecherin widerspricht dem jedoch und sagt, der Geschäftsleitung sei keine solche Aussage bekannt.

Stadt hilft suchen

Bis die Velos nur noch ausgeliehen und nicht mehr geklaut werden, sucht und sammelt das Team von Publibike Räder ein. «Das ist eine Sisyphusarbeit», sagt Merkle. Weil die Velos kein Ortungssystem haben, ist Publibike auf die Hilfe von Bürgern und Bürgerinnen angewiesen. Auch die Stadt Bern habe spontan ihre Hilfe angeboten. Sie habe in den letzten Tagen Fahrzeuge und Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, die helfen, Velos zu sammeln. Dabei müssen sie laut Merkle auch in der Agglomeration suchen. «Kürzlich wurde ein Velo in Frauenkappelen geholt.»

Deshalb werde nun ein Ortungssystem mit SIM-Karte und GPS evaluiert. Bisher sei Publibike davon ausgegangen, dass ein Ortungssystem in den Velos nicht nötig sei, da sie jeweils an der Station registriert würden. «Aber jetzt gibt es Fälle, wo das helfen würde», sagt Merkle.

Wer zahlt den Schaden?

Was das Debakel die Firma kostet, kann Katharina Merkle heute noch nicht sagen. Offen ist auch, wer die Kosten tragen wird. Es werde nun geprüft, wer dafür infrage komme, sagt Merkle. Sicher sei aber, dass das Debakel die Städte als Auftraggeber nichts kosten werde. Und auch die Preise für die Velos sollen nicht erhöht werden.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.08.2018, 15:04 Uhr

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