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Erneut überdurchschnittlicher Prämienanstieg im Kanton Bern

Im Kanton Bern steigen die Krankenkassenprämien 2011 stärker als in fast allen anderen Kantonen.

Bernerinnen und Berner ab 26 Jahren müssen eine Erhöhung von durchschnittlich 8,6 Prozent hinnehmen. Der Schweizer Schnitt beträgt 6,5 Prozent.

Bei einer Franchise von 300 Franken beträgt die durchschnittliche Prämie der Grundversicherung für Erwachsene im Kanton Bern neu 418.97 Franken. Dies ist den am Freitag publizierten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu entnehmen. Das schweizerische Mittel liegt bei 373.82 Franken.

Noch höher fällt der Anstieg im nächsten Jahr für junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren im Kanton Bern aus: Die Durchschnittsprämie steigt um 14,9 Prozent auf 362.90 Franken. Gesamtschweizerisch beträgt der Prämienschub in dieser Kategorie 11,8 Prozent auf 328.50 Franken. Bei den Kindern steigt die Durchschnittspämie in Bern um 8,4 Prozent (Schweiz: 6,3 Prozent).

Der Kanton Bern ist sich überdurchschnittliche Prämienanstiege gewohnt. Bereits für 2010 legten die Prämien für Erwachsene um 11,5 Prozent zu. Höher als in Bern fällt der Anstieg 2011 in Nidwalden und Zug aus, wo die Prämien für Erwachsene um 10,3 respektive 8,7 Prozent zulegen.

Der Kanton Bern verfügt über spezielle Strukturen im Gesundheitswesen. So wird ein wesentlicher Teil der Spitalleistungen durch Privatspitäler erbracht. Diese Leistungen werden vollumfänglich durch die Grundversicherung bezahlt.

Lange Zeit zu tiefe Prämien

Für die bernische Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) ist die erneute starke Prämiensteigerung besorgniserregend. Sie weist darauf hin, dass der weitaus grössere Teil des Anstiegs auf die Anpassung der gesetzlichen kalkulatorischen Reserven der Krankenversicherer zurückzuführen sei.

Die Versicherer rechnen nämlich bei den Kosten pro Person zu Lasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung für Berner Patienten mit einer Zunahme von 2,7 Prozent. Diese Prognosen fallen tiefer aus als im schweizerischen Schnitt von 3,7 Prozent.

Somit liesse sich im Kanton Bern für das Jahr 2011 lediglich eine Prämienerhöhung von 2,7 Prozent rechtfertigen. Das Problem sind jedoch die gesetzlichen Reserven, die es aufzustocken gilt. Dies als Folge von in früheren Jahren zu tief angesetzten - und vom BAG genehmigten - Prämien, wie die GEF schreibt.

Weitere Massnahmen nötig

Der kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud fragt sich deshalb, was in den vergangenen Jahren mit den Reserven genau passiert ist, wie er auf Anfrage sagte. Es sei erstaunlich, dass im Nationalrat keine PUK eingesetzt werde, um mehr Transparenz über den früheren Umgang mit den Prämien und Reserven zu erhalten.

Er sei aber zuversichtlich, dass die Equipe um Bundesrat Didier Burkhalter Massnahmen treffen werde, um die aktuelle Situation zu verbessern, fügte Perrenoud an. Im Kanton Bern müssten überdies die Restrukturierungen weitergehen.

Die vom Kanton in den letzten Jahren ergriffenen Massnahmen hätten nämlich langsam, aber nachhaltig positive Auswirkungen im Sinne einer besseren Kosteneindämmung erzielt. Dazu zählt laut GEF die Bildung von Regionalen Spitalzentren, der Übergang zu einer Leistungsabgeltung und die Umwandlung von kleineren Standorten in Gesundheitszentren.

Ab 2012 kommt es wegen der neuen Spitalfinanzierung zu einer Kostenverschiebung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung zu Lasten des Kantons in der Höhe von rund 200 Millionen Franken. Die GEF erwartet, dass die Krankenkassen diese Entlastungen an die Versicherten weitergeben. Dies sollte zu einer gewissen Stabilisierung der Prämien führen.

(SDA)

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