Erneut Gedenktafel an Katyn-Massaker gestohlen

Im Elfenauhölzli ist zum fünften Mal die Tafel entwendet worden, die an das Massaker von Katyn erinnert. Am Samstag wird eine neue Tafel eingeweiht.

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Die Geschichte der Gedenktafel für das Katyn-Opfer Julian Gruner im Berner Elfenauhölzi ist ein trauriges Kapitel reicher: Im Jahr 2010 war sie von der polnischen Schule in Bern errichtet worden, um an den Kinderarzt und Sportler Julian Gruner zu erinnern, der vor dem Krieg in der Schweiz lebte und 1940 im russischen Katyn von sowjetischen Soldaten ermordet worden war.

Seit Februar 2011 wurde die an einem Stein montierte Tafel mehrfach von Unbekannten entfernt. Zuletzt wurde im Oktober 2013 eine neue Tafel angebracht – doch auch sie ist inzwischen wieder verschwunden. Das Fehlen bemerkte Marek Wieruzewski, der ehemalige Konsul bei der polnischen Botschaft bereits im Frühling dieses Jahres, wie er auf Anfrage sagt. Im Sommer sei die Plakette dann wieder aufgetaucht, montiert mit Klebeband. Ein Passant habe die Plakette wohl in der Nähe gefunden und provisorisch erneut befestigt. Wenig später sei die Tafel jedoch «erneut verschwunden».

Wieruszwwiki vermutet hinter dem wiederholten Vandalenakt entweder einen psychisch kranken Täter oder ein politisches Motiv: «Das Massaker von Katyn wurde in Russland sehr lange kontrovers diskutiert, die historische Verarbeitung findet nur sehr langsam statt». Beim Täter könne es sich um jemanden handeln, «der verhindern will, dass an dieses Ereignis erinnert wird».

Bereits am kommenden Samstag , dem polnischen Nationalfeiertag, soll laut Wieruzewski nun eine neue Plakette angebracht werden. An der Einweihungsfeier anwesend sein werden neben dem polnischen Botschafter Jakub Kumoch und Konsul Pawel Jaworski auch eine kleine Delegation der polnischen Armee.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2017, 10:30 Uhr

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Im September 1939 besetzten sowjetische Truppen Ostpolen, während Nazi-Deutschland den Westteil eroberte. Die russischen Besatzer erschossen im Frühling 1940 über 20'000 Polen, darunter zahlreiche Offiziere und Intellektuelle. Eine der Tötungsaktionen fand in der Nähe des russischen Dorfs Katyn statt, das dem ganzen Massaker den Namen gab.

Die deutsche Wehrmacht hob die Massengräber 1943 aus. Für die UdSSR, die den Zweiten Weltkrieg als gerechten «Vaterländischen Krieg» gegen Hitlers Vernichtungsfeldzug sah, waren die Funde unwillkommen. Sie versuchte das Massaker den Nazis anzulasten.

Erst 1990 anerkannte Staatschef Michael Gorbatschow das Massaker als sowjetisches Verbrechen.

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