«Er ist eine Legende»

Nach und nach treffen Kondolenzwünsche aus dem Ausland zum Tod von Alexander Tschäppät ein. So etwa vom ehemaligen Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Das Kondolenzbuch liegt im Erlacherhof, dem Sitz der Stadtregierung, auf. Daneben ist eine Porträtfotografie von Alexander Tschäppät aufgestellt.

Das Kondolenzbuch liegt im Erlacherhof, dem Sitz der Stadtregierung, auf. Daneben ist eine Porträtfotografie von Alexander Tschäppät aufgestellt. Bild: Franziska Rothenbühler

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Schon lange bevor die schweren Eisentore am Montagnachmittag geöffnet wurden, wartete die 82-jährige Doris Baumgartner vor dem Erlacherhof. «Ich will ihm Danke sagen», sagt sie und meint den verstorbenen Ex-Stadtpräsidenten von Bern, Alexander Tschäppät. Auf eine Krücke gestützt betritt sie das prunkvolle Zimmer des Gemeinderats. Dort liegt das einfache schwarze Buch auf, welches darauf wartet, die Erinnerungen und tröstenden Zeilen der Bernerinnen und Berner aufzunehmen. Viele ältere Menschen besuchten am Montag den Erlacherhof, um sich von Tschäppät im Kondolenzbuch zu verabschieden. «Ich habe das Gefühl, ihn gut gekannt zu haben – obwohl ich ihn nur als Stadtpräsident kannte», sagt Baumgartner.

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Nicht nur in Bern zeigt man sich betroffen vom frühen Tod von Alexander Tschäppät. Als Zeichen der Trauer hat die deutsche Botschaft in Bern die Flaggen auf halbmast gesetzt. «Ich vermisse einen faszinierenden Gesprächspartner», sagt der deutsche Botschafter Norbert Riedel. Tschäppät habe ihn mit seiner Haltung ungemein beeindruckt. «Auch in schwerer Krankheit hat er seinen grossen Humor behalten», sagt Riedel. Auch der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ist tief bestürzt, wie er am Telefon sagt. «Das frühe Ableben hat mich umgeworfen», sagt Wowereit, der mit Tschäppät auch befreundet war und 2016 extra für die Vernissage der Tschäppät-Biografie nach Bern reiste. «Ich werde seine Stimme vermissen.»

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Auch aus Frankreich treffen Kondolenzwünsche ein. Christian Prudhomme, seit 2007 Generaldirektor der Tour de France, sagt, er sei von Tschäppäts Liebe zu Bern inspiriert worden. «Mit seiner Leidenschaft für seine Stadt und seinem grossen Lachen hat er mich damals überzeugt, die Tour de France nach Bern zu bringen.» Er sei ein aussergewöhnlicher Mann mit einem unvergleichlichen Humor gewesen, den er auch bei seriösen Themen beibehalten habe. Prudhomme ist zutiefst betrübt über Tschäppäts Ableben: «Schon damals fand ich es schade, ihm nicht schon früher begegnet zu sein.»

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Die Botschafterin Bulgariens, Meglena Plugtschieva, erinnert sich gerne an Tschäppäts Hilfsbereitschaft: «Er hat sich sowohl als erfahrener Politiker als auch als Mensch für mein Land engagiert. Nicht nur in der Schweiz, auch im Ausland wird er sehr geschätzt», erzählt sie. Tschäppät hatte einst die Einladung nach Sofia angenommen und die bulgarische Hauptstadt in Fragen der Migrationspolitik unterstützt, aber auch Erfahrungen im Bereich Kultur- und Denkmalschutz geteilt. «Er zeigte stets Verständnis in schwierigen und turbulenten Zeiten.»

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«Danke Alex, ich bin traurig», schrieb am Montag eine 85-jährige Bernerin in das schwarze Buch. Auf ihrem Pullover steht in Glitzerbuchstaben: «Je suis une légende». Den Pullover habe sie extra für den Besuch im Erlacherhof angezogen, erzählt sie. «Denn er ist eine Legende.» Alexander Tschäppäts immer positive und aufgestellte Art bleibe unvergessen, glaubt sie. «Seine politische Gesinnung hat mich dagegen nie gross interessiert.» Doch er habe die Stadt Bern geprägt und viel für Kultur und Sport getan. Dann muss sie schmunzeln: «Und ausserdem war er ein sehr attraktiver Mann.» (Der Bund)

Erstellt: 07.05.2018, 20:36 Uhr

Ein Buch für die Erinnerungen

Das schwarze Trauerbuch für den am Freitag verstorbenen Ex-Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät liegt im Erlacherhof bis am Mittwoch, 16. Mai, im Sitzungszimmer des Gemeinderats auf. Hier können Bernerinnen und Berner ihrer Trauer Ausdruck geben, ihr Mitgefühl ausdrücken oder Erinnerungen notieren. «Wir wollten den Menschen die Möglichkeit geben, sich in persönlicher Art und Weise zu verabschieden», sagt der Informationschef der Stadt Bern, Walter Langenegger.

Der Erlacherhof ist darum jeweils von 8 bis 12 Uhr sowie von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet; ausser von Auffahrt, 10. Mai, bis am Sonntag, 13. Mai. Das Kondolenzbuch wird im Anschluss im Stadtarchiv aufbewahrt. Das letzte Mal wurde für den Gemeinderat Kurt Wasserfallen (FDP) ein Kondolenzbuch in Bern aufgelegt. Er verstarb im Amt.

Alexander Tschäppät war nur gerade ein Jahr nach seinem Rücktritt verstorben. «Er war in Bern als Alt-Stadtpräsident und Persönlichkeit sehr präsent», sagt Langenegger. Wann die Stadt ein Kondolenzbuch auflege, sei nicht geregelt, sondern eine Ermessensfrage.

Im aktuellen Fall habe der amtierende Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zusammen mit dem Gesamtgemeinderat den Entscheid getroffen. Selbstverständlich sei dies in Absprache mit der Trauerfamilie geschehen. Die Trauerfeier für den Ex-Stadtpräsidenten wird am Donnerstag, 17. Mai, um 14.30 Uhr im Berner Münster stattfinden.

Biografie ist kein Kassenschlager

«Tschäppät – Ein Name, 100 Jahre Bern», so heisst das Buch über die Politiker-Dynastie Tschäppät, das die vier einstigen «Bund»-Autoren Walter Däpp, Bernhard Giger, Jürg Müller-Muralt und Philipp Schori gemeinsam verfassten. Historisch gehen sie bis zu Alexander Tschäppäts Grossvater Henri zurück, aber auch Reynold Tschäppäts Rolle wird beleuchtet.

Die Biografie wurde im Frühling 2016 im Thuner Verlag Werd & Weber veröffentlicht, war aber kein Kassenschlager. So schaffte es die Biografie etwa nie in die Bestsellercharts für Sachbücher des Schweizer Buchhandels. Nach dem Ableben von Alexander Tschäppät will man das über 300-seitige Buch jetzt nicht wieder speziell bewerben. «Das wäre pietätlos und sehr fragwürdig», heisst es beim Thuner Verlag.

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