Enge: Archäologische Schätze oder Stadtspital?

Der Kantonsarchäologe hat gestern den neuen Archäologiepfad auf der Engehalbinsel präsentiert. Ob hier einmal das neue Stadtspital stehen wird, klären nun auch eidgenössische Denkmalschützer ab.

Hinter einer Informationstafel sieht man das Gelände, auf dem möglicherweise das neue Stadtspital gebaut wird. (Adrian Moser)

Hinter einer Informationstafel sieht man das Gelände, auf dem möglicherweise das neue Stadtspital gebaut wird. (Adrian Moser)

Schon seit dem 19.?Jahrhundert ist die Berner Engehalbinsel als archäologische Fundstelle national bekannt. Die archäologische Fundgrube wird immer wieder untersucht, und seit mehr als 30 Jahren sind einige der Schätze für die Öffentlichkeit erschlossen. Am bekanntesten sind das Amphitheater und das römische Thermalbad. Der 1966 eröffnete Archäologiepfad wurde nun für 70?000 Franken erneuert. Anhand von Informationstafeln führt der vier Kilometer lange Rundgang über 15 Stationen durch keltische und römische Geländedenkmäler.

«Mit dem Pfad wollen wir der Öffentlichkeit auf eine lockere Art Kulturgeschichte vermitteln und archäologische Funde zugänglich machen», sagt Kantonsarchäologe Daniel Gutscher. Zudem wolle man eine Idee dafür vermitteln, dass unter dem Boden noch Schätze schlummern, sagt er. Denn die beste Ausgrabung ist seiner Ansicht nach diejenige, die gar nicht gemacht wird: Einerseits sei damit eine gute Konservierung gewährleistet, andererseits bleibe auch für zukünftige Generationen noch etwas zum Ausgraben.

Spital oder Schutz von Kulturgut?

Die archäologischen Funde geben auch im Zusammenhang mit dem auf 250?Millionen Franken veranschlagten Neubau eines Stadtspitals zu reden. 2008 gab die Spital Netz Bern AG bekannt, dass eventuell neben dem heutigen Spital Tiefenau bis 2015 ein neues Stadtspital gebaut sein soll. Es soll die Spitäler Ziegler und Tie­fenau ersetzen. Doch nach dem Standortentscheid und etlichen Sondierungen stellte der Archäologische Dienst des Kantons Bern fest, dass sich im Untergrund des Baugeländes antike Funde befinden. Gutscher spricht von «Überresten keltischer und römischer Siedlungen und Gräbern». Geht es um die Abwägung zwischen den öffentlichen Interessen medizinische Grundversorgung und Schutz von Kulturgütern, hat Gutscher in Bezug auf den Standort Engehalbinsel eine klare Meinung. «Für mich steht der Schutz der Güter im Vordergrund.»

Mittlerweile hat sich auch die eidgenössische Kommission für Denkmalpflege in die Abklärungen eingemischt und ein Gutachten erstellt. Dessen Inhalt kann laut Erziehungsdirektion des Kantons Bern noch nicht bekannt gegeben werden. Auch die Spital Netz Bern AG wird erst Ende Mai über die Resultate informiert, wie Ann-Brita Dähler, Mediensprecherin der Spital Netz Bern AG, bestätigt. Spital Netz sei jedoch nicht auf den Standort Tiefenau festgefahren und ziehe auch das Insel-Areal in Betracht. Sollte das Spital auf der Engehalbinsel gebaut werden, müsse abgeklärt werden, wie man die Kulturgüter schützen könne, sagt Gut­scher. Entweder man würde sie im Boden belassen oder Rettungsgrabungen vornehmen. Dies sei ein zeit- und kostspieliges Unterfangen. Es liege nun an der Berner Regierung, eine Interessenabwägung vorzunehmen.

Der Bund

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