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Empörungsmagnet

Armes Bern! Immer muss es sich mit diesen Wutbürgern herumschlagen.

Da sind wir gerade noch einmal davongekommen. Trotz den Anti-WEF-Kundgebungen am Wochenende steht die Stadt noch. Die BLS kann die Verbarrikadierung ihres Sitzes beim Bollwerk wieder zurückbauen, und Sicherheitschef Reto Nause darf mit bestem Gewissen seine Sorgenfalten glätten. Das lässt Sie alles kalt? Gut möglich, schliesslich finden in Bern praktisch im Tagesrhythmus sehr gefährliche Kundgebungen statt, sodass wir uns längst an die regelmässigen Ausrufe des Notstands gewöhnt haben.

Jetzt könnte es jedoch brenzlig werden. Vielleicht haben Sie in der Lügenpresse bereits von dieser Pegida gelesen. Sie wissen schon, die wütendsten Spaziergänger Deutschlands, die den Islam mindestens so doof finden, wie sie das Abendland lieben. Die ostdeutsche Organisation ist inzwischen auch in der Schweiz angekommen. Im Osten des Landes scheint die Islamisierung besonders fortgeschritten zu sein. Denn dort setzt man sich am heftigsten für eine schweizerische Pegida ein.

Was das nun mit Ihnen zu tun hat? Ganz einfach: Wann immer der gemeine Wutbürger wieder einmal einen so dicken Hals hat, dass er sich etwas Luft verschaffen muss, dann tut er das in der Bundesstadt. Schliesslich sollen die da oben oder da unten in Bern, je nach der geografischen Lage des Stammtisches, den Zorn des Volkes zu spüren bekommen. Letztes prominentes Beispiel: die Kuscheljustiz-Demo. Wie es der Zufall wollte, waren es schon damals ein paar Ostschweizer, denen das Justizsystem viel zu flauschig war, sehr wahrscheinlich wegen der unüberschaubaren Anzahl an islamischen Richtern, und die deshalb zum Protest auf dem Bundesplatz mobilmachten. Wenn wir uns richtig erinnern, kam schlussendlich bloss die Polizei. Die dafür in rauen Mengen.

Doch würde eine Pegida-Kundgebung in Bern überhaupt bewilligt werden? Die Chancen für eine Bewilligung würden wohl am besten stehen, wenn der Anlass unter einem Zelt auf dem Bundesplatz stattfände. Doch da könnte man die Teilnehmenden eventuell mit Beduinen verwechseln. Und die glauben ja grösstenteils auch an diesen Allah, von dem man so fest befürchtet, dass er dem lieben Gott den Rang abläuft.

Nein, es müsste wohl schon spaziert werden. Aber mit Märschen durch Bern ist es wie mit dem Berner Nachtleben – es läuft nicht viel. Fussballfans kennen es aus eigener Erfahrung: An Sicherheitschef Nause führt in solchen Fällen kein Weg vorbei – und der ist ein harter Hund, wenn es um das Ausstellen von Bewilligungen geht. Und sind denn die Pegida-Abendspaziergänge nichts anderes als Fanwalks für Intoleranz? Bleibt nur zu hoffen, dass in dieser Stadt der Grand Prix von Bern die einzige grosse Bürgerbewegung bleibt.

Martin Erdmann ist «Bund»-Onlineredaktor, obwohl er eigentlich aus Luzern kommt und sich öfters über Berner Begebenheiten wundert.

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