«Elektromobilität passt zur rot-grünen Politik»

SP-Gemeinderätin Ursula Wyss verteidigt das Formel-E Rennen in Bern - trotz der harschen Kritik ihrer Partei.

Der Sieger Lucas di Grassi vom Formel E Autorennen in der Innenstadt von Zürich am 10. Juni 2018.

Der Sieger Lucas di Grassi vom Formel E Autorennen in der Innenstadt von Zürich am 10. Juni 2018.

(Bild: Urs Jaudas (Archiv))

Noah Fend@noahfend

Frau Wyss, seit Freitag ist bekannt: die Formel-E kommt definitiv nach Bern nächsten Sommer. Wie finden Sie das?
Ich finde, das hat einen sehr spannenden Teil: Das Thema der E-Mobilität passt zum rot-grünen Bern.

Waren Sie anfänglich nicht skeptisch, als Sie von der Idee eines Autorennens in der Stadt Bern hörten?
Wir brauchen kein Autorennen in der Stadt Bern. Was wir aber brauchen, ist eine technologische Entwicklung, die rasch vorangeht und nebst der Spitze möglichst bald auch in die Breite geht. So warten wir beispielsweise auf den Markt, dass wir unsere Bernmobil-Flotte gänzlich auf Elektrofahrzeuge umrüsten können. Dieser Aspekt der E-Mobilität steht im Zentrum des städtischen Interesses und nicht das Rennen an sich. Das ist die Spitze der technologischen Entwicklung, die da zur Schau gestellt wird. Wenn es einfach ein Autorennen wird, dann werden die Erwartungen, die wir an den Veranstalter haben, nicht erfüllt.

Sie werden die Veranstaltung als Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün begleiten. Weshalb gab in den letzten Wochen stets nur Reto Nause Auskunft zum Thema?
Weil seine Direktion für das Veranstaltungsmanagement verantwortlich ist. Wir von der Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün sind da einfach Dienstleister in der operativen Umsetzung. Was das genau mit sich bringt, ist abhängig davon, wie viel an der Strecke umgebaut werden muss und ob es sonst Herausforderungen gibt auf der Strecke.

Können Sie mir erzählen, wie genau das im Gemeinderat vonstatten ging, als der Veranstalter an die Stadt Bern gelangte mit dem Vorschlag, dieses Rennen in Bern zu machen?
Dass ich Ihnen dazu nichts sage, gehört zum Grundsatz jeder kollegialen Regierung.

War es ein einstimmiger Entscheid im Gemeinderat?
Auch dazu sage ich nichts.

Ihre Basis, die SP und auch die Grünen behaupten, dieser Anlass passe ganz und gar nicht zu Ihrer Verkehrspolitik, die Sie in der Stadt Bern sonst vorantreiben.
Elektromobilität passt durchaus zur rot-grünen Politik und auch zur Stadt Bern. Insbesondere auch der Transfer dieser Technologie beispielsweise auf die Berner ÖV-Flotte. Für mich steht dieser Aspekt ganz klar im Vordergrund der Veranstaltung. Das hat uns der Veranstalter versprochen und für die konkrete Umsetzung ist auch er verantwortlich.

Wie erklären Sie das Ihrer Basis? Die sind zum Grossteil unzufrieden mit diesem Entscheid.
Sie merken schon, für das Rennen und die Autos an sich habe ich kein Herzblut. Ich sehe das sehr pragmatisch: Das ist eine Veranstaltung, die wir einmalig bewilligt haben, weil sie ein spannendes und wichtiges Thema aufs Parkett bringt und Diskussionen anstösst. Ob der Veranstalter dieses Versprechen auch erfüllt und der Anlass wirklich gelingt, kann man erst im Nachhinein beurteilen. Gelingt das nicht, gibt es auch keinen Grund, das Rennen künftig weiterhin in Bern durchzuführen.

Der Öko-Aspekt muss man aber doch relativieren: In Zürich waren 2’550 Lastwagenfahrten nötig, auf nächstes Jahr werden vollständig neue Rennautos hergestellt. Beides ist nicht sehr ökologisch. Warum will Bern den Anlass denn unbedingt?
Es wird auch in Zukunft Fahrten geben, die wir nicht ausschliesslich mit dem Velo oder zu Fuss machen können. Es ist angesichts der Klimaveränderung Gebot der Stunde, so schnell wie möglich von der fossilen Energie wegzukommen. Wir haben auch die Erwartung an die Wirtschaft, dies dringlichst voranzutreiben. Europa hinkt bei dieser Thematik bereits gewaltig hinterher. Ich wünsche mir durch den E-Prix in Bern eine aktive Diskussion zur E-Mobilität.

Was könnte das Rennen der Stadt bringen?
Der Anlass ist Zuspitzung der dringlichen Debatte von der Umrüstung unserer diesel- und bezinbetriebenen Autos auf alternative Antriebe.

Was halten Sie von Elektroboliden in der Altstadt? Was muss erfüllt sein, damit Sie ein Formel-E-Rennen in Bern gutheissen? Und: Wie haben Sie es mit der Elektromobilität? Diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch».

Der Bund

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