Einsprachen gegen Kindergarten 
im Vorzeigequartier

Das verdichtete Quartier Baumgarten braucht mehr Platz für Kindergärteler. Das passt nicht allen Anwohnern.

Anita Bachmann@anita_bachmann

Die Siedlung Baumgarten ist punkto Verdichtung und bezahlbarem Wohneigentum in Bern ein Vorzeigequartier. Aber weil in den Wohnungen viele Familien leben, ist auch der Bedarf an Schul- und Kindergartenraum hoch. Die Stadt Bern plant deshalb, den bestehenden Kindergarten in Baumgarten im nächsten Jahr zu erweitern, sodass künftig zwei Klassen unterrichtet werden können. Dagegen regt sich aber Widerstand im Quartier, mehrere Anwohner haben gegen die geplante Erweiterung des Kindergartens Einsprache eingereicht.

Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland bestätigt den Eingang von Einsprachen von fünf Privatpersonen. Inhaltlich gehe es um die Freiflächen, die mit der Erweiterung des Kindergartens eingezäunt würden, sowie um den Schattenwurf des Erweiterungsbaus.

Seit 1993 festgehalten

Direkt neben dem geplanten Erweiterungsbau wohnt Kathrin Peter, eine der Einsprecherinnen. Wenn das geplante Kindergartengebäude gebaut werde, habe sie in ihrer Wohnung keine direkte Sonneneinstrahlung mehr, sagt sie. «Ich habe die Wohnung im guten Glauben gekauft, dass dort nicht gebaut wird.» Die wenigen Wohnungen in der dichten Siedlung mit freier Sicht seien auch bedeutend teurer verkauft worden. Wie die Einsprecherin nun aber realisieren musste, ist die Erweiterung des Kindergartens in der seit 1993 geltenden Überbauungsordnung festgehalten. Aufgrund der steigenden Zahl schulpflichtiger Kinder soll der Bau nun für 1,75 Millionen Franken realisiert werden. Dabei spielt aber nicht nur die Baumgartensiedlung selber eine Rolle, sondern auch Schönberg-Ost. In beiden Siedlungen würden deutlich mehr kinderreiche Familien einziehen als prognostiziert, schreibt der Gemeinderat in einem Vortrag an den Stadtrat. Im Schönberg seien erst 150 der insgesamt 400 geplanten Wohnungen bezogen, die Schuleintritte erreichten aber bereits jetzt fast die gesamthaft erwarteten Zahlen. Das Problem von Schulraumengpässen stellt sich in der Stadt Bern nicht nur in diesen beiden Quartieren. So musste diesen Sommer im Marzilibad ein provisorischer Kindergarten in Betrieb genommen werden. Im nächsten Jahr könnte es mit dem Schulraum im Schulkreis Länggasse-Felsenau eng werden, sagt Irene Hänsenberger, Leiterin des städtischen Schulamts. «Die steigenden Schülerzahlen sind für die Stadt ungewohnt, bis 2012 sind die Zahlen stets gesunken», sagt sie. Falls die Einsprachen die geplante Inbetriebnahme des Kindergartens im Herbst 2015 verzögern sollten, müsse die Klasse vorerst im ehemaligen Haus der Religionen geführt werden.

Die Einsprecher haben der Stadt ­alternative Standorte vorgeschlagen, wie Peter sagt. Eine Möglichkeit wäre für sie, den Kindergarten anders anzuordnen, damit er die Wohnungen nicht beeinträchtige. Die Alternativen seien von der Stadt geprüft worden, heisst es in ­einem Informationsschreiben für das Quartier. «Für die möglichen Vorteile für die anliegenden Wohneinheiten ­müssten schwerwiegende Nachteile für den Kindergartenbetrieb und die Nutzung des Aussenraums in Kauf genommen werden.» Sprich, der Aussenbereich des Kindergartens würde verschnitten und die Kinder müssten im Schatten spielen.

Spielplätze mit Qualität

Diese Argumentation kommt nicht von ungefähr. Denn die kantonalen Bauvorschriften verlangen nicht nur, dass in Wohnsiedlungen eine angemessene Spielfläche vorzusehen ist, sondern, dass sie auch bestimmte Qualitätsmerkmale aufweist. Sie soll etwa an einem sonnigen und vom Verkehr abgewandten Standort sein. Obwohl die Anwohner nun damit argumentieren, dass in Baumgarten Grünfläche geopfert und der Spielplatz eingezäunt werde, halten die Stadtbehörden fest, dass bei jeder Siedlungsplanung stadtseitig sichergestellt werde, dass die vorgeschriebenen Spielflächen eingehalten würden. «Die Fläche, auf welcher der Kindergarten gebaut werden soll, war bereits in der Planung als Reservefläche für eine Kindergartenerweiterung deklariert», sagt Sabine Gresch, Bereichsleiterin Freiraumplanung beim Stadtplanungsamt.

Gresch sagt aber auch, dass die Spielflächen in der Baumgartensiedlung möglicherweise nicht besonders attraktiv seien. «Werden Überbauungen in mehreren Etappen realisiert, werden Freiräume manchmal zerstückel», sagt sie. Die Freiraumgestaltung werde eine der grössten Herausforderungen des Siedlungsentwicklungskonzepts 2015 sein. Zusammen mit den Arealentwicklungspartnern gelte es, verdichtetes Bauen und qualitativ hochwertige Freizeitflächen unter einen Hut zu bringen.

Der Bund

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