«Einfach einmal an eine Viehschau gehen»

Alec von Graffenried (GFL), Madeleine Amstutz (SVP) und Adrian Haas (FDP) debattierten im «‹Bund› im Gespräch» über ländliche Solidarität, lange Planungszeiten und Bäume.

Alec von Graffenried (GFL), Madeleine Amstutz (SVP) und Adrian Haas (FDP) diskutierten über die Tramabstimmung von vergangenem Sonntag (v.l.n.r.).
Video: Crossmedia.ch

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Am Sonntag hat sich der Kanton Bern für die Tramstrecke nach Ostermundigen entschieden. Es war ein Abstimmungskampf, in dem mit harten Bandagen gekämpft wurde. Wie das Abstimmungsergebnis zeigt, haben städtische Gebiete der Vorlage zugestimmt, die ländliche Bevölkerung war tendenziell dagegen. Wie stark hat das umstrittene Tramprojekt die Beziehung zwischen Stadt und Land belastet? Darüber wurde gestern Abend in einer Sonderausgabe von «‹Bund› im Gespräch» diskutiert.

Alec von Graffenried (GFL), Madeleine Amstutz (SVP) und Adrian Haas (FDP) haben sich im Kornhausforum um einen Stehtisch gestellt, um über eine mögliche Zerrüttung des Kanton Berns zu diskutieren. Daraus entstand ein Gespräch, das sich völlig entgegen dem giftigen Abstimmungskampf als freundliche Plauderrunde entpuppte. Die beiden Projektbefürworter von Graffenried und Haas haben den knappen Wahlsieg nicht ausgekostet und Amstutz, die das Tram nach Ostermundigen abgelehnt hatte, zeigte sich als gute Verliererin. «Die SVP wird den Entscheid natürlich akzeptieren.»

Partei geht vor Wohnort

Die Abstimmung wurde mit einem Stimmenmehr von rund 12'000 Stimmen angenommen. Das brachte «Bund»-Lokalchef Marcello Odermatt, der durch das Gespräch führte, zur Frage, wie gross denn die Solidarität im Kanton Bern sei. Der Berner Stadtpräsident von Graffenried will diese durchaus gespürt haben. «Es gibt auch ländliche Gebiete, die Ja gestimmt haben.» Auch Haas, der die FDP-Fraktion im Grossen Rat leitet, wollte von einem Zerwürfnis zwischen Stadt und Land nichts wissen. «Es existiert höchstens ein Gräbchen.» SVP-Fraktionschefin Amstutz ging noch einen Schritt weiter. «Dieser Graben wird bloss herbeigeredet.» Sie wisse nicht, wo der anfangen oder aufhören würde. Haas fügte bei: «Schlussendlich zählt die Parteizugehörigkeit mehr als der Wohnort.»

Von Graffenried sieht aber dennoch Nachholbedarf in der Kommunikation zwischen Stadt und Land. So rief er Städter dazu auf, die Perspektiven öfter zu wechseln und sich beispielsweise mit landwirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. «Man könnte auch einfach einmal an eine Viehschau gehen.» Gleichzeitig strich er hervor, dass die Stadt gerade im sozialen Bereich viel für den ganzen Kanton tut, zum Beispiel mit der Aufnahme von Asylsuchenden.

Stapi wird Tram nicht benutzen

Dann kam das Gespräch auf kritische Punkte in der Ausführung des Tram-Projekts. Die Linie soll erst 2027 eröffnet werden. «Das Tram ist doch fast schon veraltet, bis es so weit ist», hielt Amstutz fest. Auch von Graffenried wird von Ungeduld geplagt. «Das ist schon ziemlich lange», sagte der Stadtpräsident, obwohl er zu verstehen gab, dass er die Strecke kaum fahren werde. «Es ist einfach nicht meine Linie.» Die Linienführung stand als Nächstes an. Moderator Odermatt warf die Frage auf, ob das Tram nicht die Berner Altstadt verstopfen würde. Haas, der auch Direktor des Handels- und Industrievereins ist, sieht zwar Probleme, findet die Situation aber nicht dramatisch. «Schliesslich ist es für die ansässigen Geschäfte gut, wenn mehr Leute in der Altstadt sind. Von Graffenried gab zu bedenken, dass die zweite Tramachse durch die Innenstadt noch nicht vom Tisch sei.

Empörung im Publikum

Zum Schluss wurde es doch noch dramatisch. Eine Frau aus dem Publikum fragte von Graffenried, wie er es als Grüner zulassen könne, dass dem Tram 200 Bäume geopfert werden. Sie kriegte Unterstützung von Amstutz. «Es wurden schon wegen bedeutend weniger Bäumen grosse Diskussionen geführt.» Der Stadtpräsident beschwichtigte. «Die Bäume werden alle wieder gepflanzt.» (Der Bund)

Erstellt: 05.03.2018, 22:10 Uhr

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