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Eine Tafelrunde für die Generation Playmobil

Wie ein Wilder mitten in die Gesellschaft platzt, an ihr scheitert und ihr doch den Meister zeigt: Lukas Bärfuss’ «Parzival» als Schweizer Premiere am Stadttheater Bern.

Berechenbarer als es dieser Geschichte gut tut: Milva Stark als Parzival (neben Andri Schenardi als König Artus und Marcus Signer als Cunneware). (Annette Boutellier/zvg)
Berechenbarer als es dieser Geschichte gut tut: Milva Stark als Parzival (neben Andri Schenardi als König Artus und Marcus Signer als Cunneware). (Annette Boutellier/zvg)

Ja, die Leute hier heissen wirklich Gurnemanz, Herzeloyde, Segramors und Repanse de Schoye. Aber Wolfram von Eschenbach muss man trotzdem nicht kennen. Und auch keinen der 25 000 paarweise gereimten Verse aus seinem «Parzival», dem bedeutendsten Stück deutschsprachiger Literatur des Mittelalters.

Diese Lektüre hat uns Lukas Bärfuss abgenommen, der gefragteste Schweizer Dramatiker dieser Tage: Aus dem monumentalen Epos über Ritterlichkeit, über Erziehung, Bewährung und Erleuchtung hat er jene Episoden herausgebrochen, die ihn interessieren, und sie neu vertextet, in einer Sprache, die knapp ist und handfest und in ihrer Bildhaftigkeit immer wieder betörend. «Die Blödheit muss schon in ihm drin gewesen sein», heisst es einmal über Parzival; die Ritter sagen «Na bitte» und «Aha», und was Bärfuss interessiert, ist tatsächlich nicht das Mittelalter, sondern eine überzeitliche Geschichte: die von Parzival, der in der Wildnis aufgezogen wird, bevor er sich in die zivilisierte Welt aufmacht, um Ritter zu werden. Ein Asozialer, der sich unter Menschen zurechtzufinden hat. Natur, die Gesellschaft werden soll.

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