Schmidt möchte Zwischennutzungen fördern

Besonders für gastronomische Projekte fehlen in Bern nötige Bewilligungen.

Zwischennutzung in der alten Feuerwehrkaserne Viktoria: Sieben Wochen dauerte es, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen.

Zwischennutzung in der alten Feuerwehrkaserne Viktoria: Sieben Wochen dauerte es, alle Parteien an einen Tisch zu bekommen.

(Bild: Adrian Moser)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Es herrschte Einigkeit auf dem Podium am Samstag: Was Zwischennutzungen angeht, da «fehle es Bern an einem Hebel für spontane Sachen», sagte Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gemeindepolizei. Anlässlich des «Tags der offenen Clubtür», luden die Bar- und Clubkomission (Buck) und Pro Nachtleben Experten und Betroffene zum Podiumsgespräch. Einer, der von der Langwierigkeit der Bewilligungsverfahren ein Lied singen kann, ist Oliver Jaggy von der ehemaligen Serini-Bar in der Lorraine. Die Bar war ein Pilotprojekt im Sommer 2013 und während vier Monaten in einer ehemaligen Auto-Garage geöffnet.

«Die Vielzahl von Vorschriften stiftet zu zivilem Ungehorsam an», sagte Jaggy. Dies werde in Bern aber auch nicht sofort abgestraft. Die Behörden hätten sich in seinem Fall viel Mühe gegeben, doch sei es in Bern nicht möglich, eine gastgewerbliche Bewilligung für eine Zwischennutzung zu erhalten, die länger als drei Monate andauert. «Wir können nichts verkaufen, was wir nicht haben», antwortete Heeb darauf.

Auch FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt ist mit der aktuellen Situation nicht ganz zufrieden, obwohl die Stadt Bern extra eine neue Koordinationsstelle für Zwischennutzungen geschaffen hat. Sie bietet Informationen für potentielle Zwischennutzende und Hauseigentümerinnen. «Wir haben unterschätzt, wie kompliziert Zwischennutzungen sein können», sagte Schmidt selbstkritisch. Er gab als Beispiel an, dass es alleine sieben Wochen gedauert hätte, bis alle Gesprächspartner ein Protokoll zur Umnutzung der Feuerwehrkaserne Viktoria abgesegnet hätten.

Gastronomen haben es schwerer

Besonders für gastronomische Zwischennutzungen sei es schwer, grünes Licht zu erhalten, sagte Schmidt: «Sobald man kocht, gibt es zusätzliche Auflagen.» Künstler hätten es da einfacher, Bewilligungen zu erhalten.

Schmidt beschrieb einen Fall bei der Brache am Berner Warmbächliweg. Leute wollten dort einen Gastrobus aufstellen, der im Winter in Grindelwald an der Piste steht – im Sommer hätte der Bus in Bern abgestellt werden sollen: «Um nun auch am Warmbächliweg Pommes verkaufen zu können, braucht es eine Baubewilligung», sagte Schmidt sichtlich genervt und brachte selbst einen Lösungsvorschlag ein: Er möchte einen «Zwischennutzungsartikel» in der Bauordnung verankern, wie ihn etwa Thun oder Burgdorf kennen. Dort kann eine nicht zonenkonforme Nutzung als sogenannte Übergangsnutzung für fünf Jahre bewilligt, und dann nochmals um zwei weitere Jahre verlängert werden.

Doch auch die Änderung der Bauordnung dürfte in Bern nicht schnell Besserung bringen. Um die Bauordnung in der Stadt Bern zu ändern, braucht es das Ja der Stimmbevölkerung, und auch der Kanton kann ein Wort mitreden. «Was Thun schafft, können wir auch», sagte Schmidt selbstbewusst.

Der «Tag der offenen Clubtüre» fand am Samstag erstmals in verschiedenen Schweizer Städten gleichzeitig statt. In Bern öffneten die Clubs bereits zum dritten Mal, um Interessierten einen Blick hinter die Kulissen des Berner Nachtlebens zu gewähren. Neben verschiedenen Podien im Bonsoir-Club gab es auch eine «Clubsafari», bei welcher Besucher bei Tag die Berner Clubs wie etwa das ISC, das Bierhübeli oder das Dead End besuchen konnten. Im Kapitel wurde ein Cocktail-Kurs angeboten, und im Wohnzimmer informierten Fachleute des Präventionsprojektes «Rave it Save» über die Gefahren des Drogenkonsums im Nachtleben.

Aus zwei wird eins

Zum Abschluss des Anlasses unterschrieben Remo Sägesser, Präsident von Pro Nachtleben Bern, und Buck-Präsident Adrian Iten ihren Fusionsvertrag. Die beiden Organisationen werden künftig zu einer einzigen zusammengeführt. Die Mitglieder der beiden Organisationen haben der Vereinigung zugestimmt.

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