«Eine Schwächung des Kulturplatzes»

Dass der Bund die Subventionen für die Hauptstadtkultur streichen will, kommt nicht gut an in Bern.

Für den Direktor des Historischen Museums, Jakob Messerli, ist der Entscheid des Bundesamts für Kultur unverständlich.

Für den Direktor des Historischen Museums, Jakob Messerli, ist der Entscheid des Bundesamts für Kultur unverständlich. Bild: Adrian Moser

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Der Stadt Bern droht neues finanzielles Ungemach: Der Bundesrat will ihr schrittweise bis 2019 die sogenannte Bundesmillion für besondere kulturelle Leistungen als Hauptstadt streichen. Die Nachricht kommt bei den betroffenen Berner Kulturhäusern verständlicherweise nicht gut an. Die Million des Bundes fliesst derzeit zu zwei Dritteln an grössere Stadtberner Institutionen wie das Stadttheater oder das Historische Museum. Der Rest geht an kleinere Kulturprojekte wie beispielsweise das Theaterfestival Auawirleben oder das Mad Scientist Festival. «Ich bedaure diesen Entscheid natürlich», sagte der Direktor des Historischen Museums, Jakob Messerli, am Freitagmorgen. Er betont, dass sein Museum immer wieder Funktionen für den Bund übernehme. So hatte erst kürzlich die kanadische Botschaft im Garten des Museums einen Empfang gegeben und auch deren Gäste durch das Museum geführt.

Man begrüsse aber auch bei Staatsempfängen immer wieder Gäste, sagt Messerli. So habe beispielsweise der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang bei seinem Besuch in der Schweiz 2013 das Einstein-Museum in Bern besucht. «Wenn der Bund wirklich der Meinung ist, die Leistungen im kulturellen Bereich zu streichen, ist das ein sehr negatives Zeichen», sagt Messerli.

Wenig erfreut ob der Nachricht zeigt sich auch Marcel Brülhart, Präsident der Stiftung Konzert Theater Bern (KTB). Macht das Bundesamt für Kultur (BAK) ernst, entfallen dem KTB 400’000 Franken. «Die Nachricht ist ein starker Rückschlag», sagt Brülhart. Er habe erst heute aus der Zeitung die Nachricht erfahren. «Unschön ist, dass das BAK sich aus dem laufenden Vertrag verabschieden will», sagt Jurist Brülhart. Er habe den Eindruck, dass das BAK die Berner Kulturlandschaft konzentriert schwäche.

Überrascht von der Nachricht wurde auch die Dampfzentrale. Die Präsidentin des Vorstandes, Nicola von Greyerz, konnte am Freitag noch nicht konkretisieren, was die Nachricht für die Führung der Dampfzentrale bedeutet. «Im schlimmsten Fall müssen wir das Programm zurückfahren», so von Greyerz. Man werde nun den Kontakt zu Kanton und Stadt suchen. Doch nicht nur die Schwächung der vier betroffenen Kulturhäuser sei für sie unverständlich, sondern auch, dass der innovative Topf Hauptstadtkultur geschwächt werde. «Es wirkt, als würde man beim Bundesamt für Kultur gar nicht genau hinschauen, wen diese Sparmassnahmen treffen.»

Der Berner Gemeinderat Michael Aebersold (SP) äusserte sich im Kurznachrichtendienst Twitter ebenfalls besorgt: «Bundesrat sagt Adieu! Wo bleibt die Solidarität mit Bundesstadt und Kultur.»

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2017, 12:34 Uhr

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