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Eine kleine Fläche mit einer grossen Wirkung

Am 1. Dezember findet die Gemeindeversammlung zur umstrittenen Ortsplanungsrevision Wohlen statt.

1,6 Promille sind zu viel. Diese Aussage gilt nicht nur für den Blutalkoholwert von Autofahrern, sondern offenbar auch für die laufende Ortsplanungsrevision in Wohlen. 1,6 Promille der gesamten Gemeindefläche von 3633 Hektaren möchte der Gemeinderat einzonen, um in den nächsten 10, 15 Jahren rund 400 neue Einwohnerinnen und Einwohner ansiedeln und neues Land für Gewerbebetriebe zur Verfügung stellen zu können. Doch die Kritik an diesem Vorhaben ist gross, an der Gemeindeversammlung vom 1. Dezember ist mit einigen Emotionen zu rechnen. Gemeindepräsident Christian Müller (parteilos) und die Vorsteherin des Departements Bau und Planung, Rosmarie Kiener (sp plus), legten gestern vor den Medien die Gründe für die Einzonungen dar. Erstens geht es um die Deckung des Wohnraumbedarfs, zweitens um zusätzliche Steuereinnahmen (siehe Zweittext). Müller: «Wir streben ein qualitatives, kein quantitatives Wachstum an.»

Ein Manko beheben Grösster Brocken ist die Einzonung Säriswilstrasse in Uettligen, wo auf einer bebaubaren Landfläche von 46 700m2 150 bis 170 Wohnungen entstehen sollen. «Die obere Gemeinde ist am Überaltern. Wenn diese Leute aus ihren grossen Wohnungen und Häusern ausziehen, finden sie in der oberen Gemeinde kaum altersgerechte Wohnungen», sagte Kiener. Da man diese Leute aber in der Gemeinde behalten wolle, werde dieses Manko nun behoben. Auch Familien sollen in Uettligen eine neue Bleibe finden. Ebenfalls umstritten sind die Einzonung Musterplatz Oberwohlen (5 Mehrfamilienhäuser mit rund 20 Wohnungen) und die Erweiterung der Arbeitszone Birchi Säriswil um 8000m2. Gemeindepräsident Müller legte noch die monetären Vorteile der Ortsplanungsrevision dar: Erstens wird mit zusätzlichen Steuereinnahmen von jährlich 1–2 Millionen Franken gerechnet. Zweitens kommen durch Infrastrukturverträge einmalig 3 Millionen hinzu. Und drittens erhält die Gemeinde in Uettligen Bauland mit einem Gegenwert von 7,7 Millionen Franken.

Happige Vorwürfe der Gegner Dass an der Gemeindeversammlung mit Widerstand gegen die Einzonungen zu rechnen ist, wurde spätestens im Rahmen der öffentlichen Planauflage klar. Damals gingen 43 Einsprachen und 9 Rechtsverwahrungen bei der Gemeinde ein. Zudem hat sich das überparteiliche Komitee «Wohlen bleibt grün» formiert, welches sich gegen die Einzonungen wehrt («Bund» vom 31. Oktober). Genau dieses Komitee hat nun in einem Flugblatt an alle Haushaltungen den Gemeinderat und dessen Einzonungsvorhaben scharf attackiert. «Die Landgemeinde Wohlen soll Schritt für Schritt verstädtert werden mit grossen Pendlersiedlungen mit Wohnblöcken an den Dorfrändern», heisst es etwa im mehrseitigen Flugblatt. Oder: «Diese städtischen Siedlungen verunstalten sowohl die Kulturlandschaft wie auch die gewachsenen Dorfbilder.»

«Unwahrheiten jagen sich» Müller ärgerte sich. «Man darf gegen die Ortsplanungsrevision sein. Aber wenn es unwahr und unsachlich wird, dann habe ich ein Problem damit.» Er und Kiener haben eiligst eine Stellungnahme zum Flugblatt verfasst und diese gestern den Medien abgegeben. Darin schreiben sie von Manipulation seitens der Gegner: «Im Flugblatt (...) jagen sich die Unwahrheiten, unbeweisbaren Behauptungen und tendenziösen Aussagen.» Ein Beispiel: Die Gegner würden behaupten, mit den vorhandenen Baulandreserven von 60 000 Quadratmetern könnten 500 Wohneinheiten erstellt werden. «Das ist falsch.» Erstens betrage die Wohnzonenfläche nur die Hälfte, zweitens sei sie teilweise nicht verfügbar. Daher könnten auf den Baulandreserven maximal 100 Wohneinheiten erstellt werden.

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