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Eine Klatsche für die SP der Stadt Bern

Die SP verliert als stärkste Berner Partei das Stadtpräsidium. Gründe dafür sieht SP-Co-Präsident Stefan Jordi keine.

SP-Co-Präsident Stefan Jordi ist enttäuscht vom Resultat des zweiten Wahlgangs.
SP-Co-Präsident Stefan Jordi ist enttäuscht vom Resultat des zweiten Wahlgangs.
Franziska Rothenbühler (Archiv)

Der gestrige zweite Wahlgang war ein Debakel für die Berner Sozialdemokraten. Sie verloren nach 24 Jahren als stärkste Partei das Berner Stadtpräsidium. SP-Kandidatin Ursula Wyss konnte im zweiten Wahlgang keinen einzigen Stadtteil für sich gewinnen. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte SP-Co-Präsident Stefan Jordi nach Bekanntwerden der Wahlresultate. Er habe mit einem knappen Ergebnis gerechnet und müsse nun den Wahlausgang erst mal verdauen.

Ein Blick auf die Wahlresultate zeigt, wie falsch Jordi mit seiner Einschätzung lag, sogar in der SP-Hochburg Breitenrain-Lorraine wählte man von Graffenried. Warum konnte Ursula Wyss nicht bei den Stammwählern überzeugen? Darüber war gestern bei der SP wenig zu erfahren: «Wir haben alles gegeben, aber es hat nicht gereicht», sagte Jordi in verschiedene Mikrofone. Vielleicht sei Bern noch nicht bereit für eine Frau, mutmasste er. Es habe sich gezeigt, dass für Frauen noch immer andere Massstäbe gälten als für Männer: «Eigenschaften wie Führungsstärke, Zielstrebigkeit und strategisches Denken, die für Männer in Führungspositionen als selbstverständlich erachtet werden, wurden bei Ursula Wyss offenbar negativ wahrgenommen.» Dass Wyss ein Sympathieproblem habe, glaubt er nicht.

Anders sieht das Politologe Mark Balsiger: «Die negativen Adjektive kleben an ihr wie eine zweite Haut.» Das kommt nicht von ungefähr: Immer wieder wurde Wyss Unnahbarkeit vorgeworfen, auch in sozialen Medien oder Kommentarspalten. Aber auch in der eigenen Partei war ihre Kandidatur nicht unbestritten, wie in vertraulichen Gesprächen mit SP-Mitgliedern zu erfahren war.

Stöckli sah die Niederlage kommen

Nicht verblüfft hat das Resultat SP-Ständerat Hans Stöckli. «Höchstens die Klarheit des Resultats hat mich überrascht.» Stöckli glaubt, dass der Ausgang der Gemeinderatswahlen vom 27. November von Graffenried in die Hände gespielt habe. «Das 4:1 hat die Bürgerlichen bewogen, an der Wahl teilzunehmen und für den von FDP-Präsident Philippe Müller ins Spiel gebrachten Kandidaten zu stimmen.» Inwieweit ist die Schuld für die Nichtwahl von Wyss bei Alt-Stapi Alexander Tschäppät zu suchen? Er war es, welcher 2012 Ursula Wyss bereits als seine Nachfolgerin nannte, noch vor ihrer Wahl in den Gemeinderat. Fortan galt sie als «grosse Karriereplanerin» und die SP als Partei mit Machtanspruch. Erst letzte Woche enervierte sich Wyss in der «Aargauer Zeitung» über Tschäppäts Vorpreschen: «Das hat mich schon angeschissen.» Die Aktion sei mit ihr nicht abgesprochen gewesen, sagte sie der Zeitung.

Das Bündnis bröckelt

Würde die Parteileitung im Nachhinein im Wahlkampf etwas anders machen? Jordi verneint, ausser über die Bündnisfrage könne man diskutieren. «Aber die Delegierten haben sich nun mal für das Bündnis ausgesprochen.» Die Zukunft des Rot-Grün-Mitte-Bündnisses wird wohl auch in den nächsten Tagen zu reden geben: «Der emotionale Wahlkampf hat Gräben in das Bündnis gerissen», sagt Jordi. Er denke, dass «schwierige Zeiten» für RGM anstünden.

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