Eine grüne Wohn- und Arbeitsstadt soll Bern 2030 sein

Die Stadt Bern hat ein neues Stadtentwicklungskonzept (STEK).

Der Bahnhofplatz soll nach dem neuen Konzept für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.

Der Bahnhofplatz soll nach dem neuen Konzept für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.

(Bild: Adrian Moser)

Bern hat ein neue Stadtentwicklungskonzept: Es löst jenes des Jahrs 1995 ab und zeigt auf, wie sich der Gemeinderat Bern im Jahr 2030 vorstellt: als Stadt mit rund 157'000 Einwohnern und viel mehr Velos. Die Vision des STEK 2016 ist nämlich, Bern in den kommenden Jahren weiter als attraktive, grüne Wohn- und Arbeitsstadt zu positionieren. Das gab der Berner Gemeinderat am Donnerstag bekannt. Diese Vision will er mit Hilfe von drei zentralen Leitsätzen («Handlungsfeldern») in die Realität umsetzen: «Bern wächst dynamisch», «Bern ist grün und vernetzt» und «Bern lebt in Quartieren».

«Bern wächst dynamisch» bedeutet, dass die Stadtregierung bis ins Jahr 2030 ein Bevölkerungswachstum von zwölf Prozent anstrebt. Die im Vergleich zu heute 17'000 zusätzlichen Einwohner sollen in rund 8500 neuen Wohnungen unterkommen. Geschehen soll dies in erster Linie durch innere Verdichtung. Dafür hat die Stadtregierung sogenannte «Chantiers» («Baustellen») definiert. Das sind Gebiete, die sich besonders für Aufwertungen eignen. Gemeint sind beispielsweise das Kasernenareal und das Gebiet Tiefenau-Felsenau.

Doch auch «gezielte» Stadterweiterungen sollen möglich sein. Dafür visiert die Stadtregierung Flächen am westlichen Rand von Bümpliz und im Osten Berns an der Grenze zu Ostermundigen und Muri an. Bei den Arbeitsplätzen strebt die Stadt Bern einen Zuwachs von jährlich 0,5 Prozent an - sie hat heute schon ein schweizweit einmaliges Verhältnis von 185'000 Arbeitsplätze auf 140'000 Einwohner.

Bahnhofplatz: Durchfahrt verboten

Mehr Einwohner und noch mehr Pendler bedeutet mehr Verkehr - diesen will die Stadt Bern konsequent mit einem noch besseren öffentlichen sowie dem Langsamverkehr bewältigen. Der Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr soll von heute 11 auf 20 Prozent steigen. Jener des motorisierten Individualverkehrs soll von heute 22 auf 15 Prozent sinken. Im Sinn der vor einem Jahr bekanntgegebenen Velo-Offensive will die Stadtregierung deshalb weitermachen mit der Umgestaltung von Strassen hin zu einem Miteinander aller Verkehrsträger. Auch soll es Velohauptrouten und breite Velostreifen geben.

Den Bahnhofplatz will die Stadt für den Durchgangsverkehr sperren und Quartierstrassen grundsätzlich mit Maximaltempo 30 belegen. Allerdings soll der «Wirtschaftsverkehr» dennoch den Bahnhofplatz befahren können. Wie genau das geregelt werden solle, sei noch unklar, sagte der städtische Verkehrsplaner Karl Vogel am Rand einer Medienkonferenz der Stadt zum STEK auf Anfrage. Er hoffe auf neue Lösungen zur Bestimmung der Zufahrtsberechtigten, etwa mit satellitengestützter Ortung (GPS).

Vielbeachtete Mitwirkung

Schon im August hatte der Berner Gemeinderat das STEK 2016 vorgestellt und danach in eine öffentliche Mitwirkung geschickt. 89 Stellungnahmen von Quartierorganisationen, Parteien, Verbänden, Behörden und Privatpersonen gingen ein. «Der Grundtenor war grösstenteils positiv», sagte Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät vor den Medien. Kontrovers ausgefallen seien die Stellungnahmen aber etwa zur Frage, wie stark die Stadterweiterung ausfallen solle, und wo. Auch das angestrebte Wachstum selbst wurde kontrovers aufgenommen.

Viele Mitwirkende forderten, dass Freiräume trotz Verdichtungsabsichten erhalten bleiben, und auch das Temporegime und die Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs gaben zu reden. Harsche Reaktionen zur geplanten Umlagerung des Verkehrs seien aber nicht eingegangen, sagte Tschäppät auf eine Journalistenfrage.

Das liege wohl an der grossen Flughöhe dieses Konzepts. «Es ist zu befürchten, dass der Widerstand bei konkreten Massnahmen kommt.» Stadtplaner Mark Werren sagte, das STEK habe sich im Vergleich zu August nur wenig verändert.

Bereits in Kraft - behördenverbindlich

Der Berner Gemeinderat hat das neue STEK kürzlich genehmigt. Es ist schon in Kraft getreten. Da es behördenverbindlich ist, dürfte es nicht zum Papiertiger werden. Der Gemeinderat hat den Direktionen auch schon Aufträge erteilt, so etwa, die Revision bau- und zonenrechtlicher Vorschriften zu prüfen. Dies, um die bauliche Verdichtung zu fördern.

Dem Berner Stadtrat wird das Konzept zwar vorgelegt. Er kann es allerdings lediglich zur Kenntnis nehmen.

mer/sda

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