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Ein weiterer Akt im SVP-Theater

Es brodelt in der SVP: Sylvia Lafranchi, am Montag als Gemeinderatskandidatin präsentiert, tritt nicht an – und aus der Partei aus. Diese nimmt den Rückzug zur Kenntnis – und verhängt ein internes Redeverbot.

Sylvia Lafranchi ist Knall auf Fall aus der SVP aus der SVP ausgetreten – und untergetaucht.
Sylvia Lafranchi ist Knall auf Fall aus der SVP aus der SVP ausgetreten – und untergetaucht.
zvg

«Guten Tag, das ist das Telefon von Sylvia Lafranchi. Ich werde bis am Montagabend nicht erreichbar sein und auch keine Auskunft geben zu der von mir verschickten Pressemitteilung. Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende und danke für das Verständnis. Auf Wiederhören.»

Diese Mailbox-Mitteilung hört seit gestern, wer die eben noch designierte SVP-Gemeinderatskandidatin Sylvia Lafranchi anruft. Die Pressemitteilung, die sie anspricht, hat es in sich. Gestern Morgen teilte Lafranchi in einem knappen Statement mit, dass sie für eine Kandidatur als Gemeinderätin nun doch nicht zur Verfügung stehe. Erst am Montag war sie vom Vorstand vorgeschlagen worden. Und weiter: «Ebenfalls trete ich mit sofortiger Wirkung aus der SVP aus und lege sämtliche politische Ämter nieder.» Ihren Rückzug begründet die 50-Jährige nicht. Sie schreibt lediglich, die Nomination sei für sie «völlig unerwartet» gekommen.

Dass der Vorstand Sylvia Lafranchi vorschlug, die bisher politisch kaum in Erscheinung getreten ist, war nicht nur für sie selbst überraschend. Parteipräsident Peter Bernasconi, dem zuvor schon Tierparkdirektor Schildger in letzter Minute abgesprungen war, hatte eigentlich fähige Quereinsteiger präsentieren wollen. Stattdessen fiel die Wahl am Montag auf drei Parteimitglieder – neben Lafranchi wurden Stadtrat Rudolf Friedli und Alt-Stadtrat Beat Schori vorgeschlagen. Im Vorstand hatte ein Antrag eine Mehrheit gefunden, nur bewährte SVP-Mitglieder zu empfehlen.

Fuchs glaubt nicht an Austritt

«No comment», sagte der Stadtberner SVP-Präsident Peter Bernasconi gestern Morgen zum Rückzug Lafranchis. Und auch Erich Hess, Vizepräsident des Parteivorstands und Ex-Partner von Lafranchi, sagte: «Ich kann im Moment gar nichts sagen.» Thomas Fuchs, der zweite Vizepräsident, vermutete, familiäre Gründe könnten den Ausschlag für den Rücktritt gegeben haben. «Ein solches Amt kann man ohne familiäre Unterstützung nicht ausüben.» Den Parteiaustritt von Lafranchi verstehe er allerdings nicht. «Dass sie gleich aus der Partei austritt, kann ich mir nicht vorstellen.» Das glaube er nicht, bevor er mit ihr gesprochen habe. Bernasconi, Fuchs, Hess: Alle sagten sie, sie hätten Lafranchi bisher telefonisch nicht erreicht und seien über ihren Rückzug nicht informiert worden.

Dolores Dana, Präsidentin der FDP der Stadt Bern, die zusammen mit der SVP auf einer Liste antreten wird, zeigt sich überrascht über den Rückzug von Sylvia Lafranchi, die früher selbst der FDP angehörte. Man nehme «den persönlichen Entscheid» Lafranchis «so zur Kenntnis», sagt sie. Eine Gefahr für die gemeinsame Liste der FDP mit der SVP sieht sie nicht. «Wir haben deutlich gesagt, dass wir mit jedem SVP-Kandidaten zufrieden sind, der nicht zum Hardliner-Flügel zählt.» Die beiden Kandidaten Schori und Friedli erfüllten diesen Anspruch. Im Nachgang der Nomination hatte es Dana als «irritierend» bezeichnet, dass die SVP drei statt zwei Kandidaten präsentierte. Abgemacht war, dass die beiden Vorstände der Parteien gemeinsam einen fünften Kandidaten nominieren würden. Mit den Personen, mit denen die beiden Parteipräsidenten Dana und Bernasconi im Gespräch für die fünfte Kandidatur gewesen waren, «müssen wir uns nun neu in Verbindung setzen, um sie wieder ins Boot zu holen», sagte Dana.

Kommunikationsverbot . . .

Am Abend dann teilte die SVP in einem knappen Communiqué mit, man nehme den Entscheid von Lafranchi «zur Kenntnis». An der Parteiversammlung am 27. Februar werde man Rudolf Friedli und Beat Schori nominieren. An der beschlossenen Listenverbindung mit der FDP halte man fest. «Über den 5. Listenplatz werden sich die Parteien absprechen.» Weitere Auskünfte würden keine gemacht, teilt Bernasconi mit. Und: «Innerhalb der Partei besteht ein Kommunikationsverbot.»

. . . und sie reden dennoch

Erich Hess gab am Abend trotz Redeverbot preis, er sei mit Lafranchi per SMS in Kontakt gestanden. Hinweise auf ihre Beweggründe für den Rücktritt habe er allerdings keine erhalten. Der Knatsch innerhalb der SVP halte sich in Grenzen, findet Hess. Er glaube nicht, dass das Nominations-Hickhack der Partei geschadet habe. «Aber genutzt hat es sicher nicht.» Erich Hess hatte sich selbst bereits im September als Gemeinderats-Kandidat ins Gespräch gebracht. Er und sein Grossratskollege Thomas Fuchs waren gegen eine Listenverbindung mit der FDP und wollten mit einer eigenen Liste und Hess als Kandidat antreten. Er wolle sich nach dem Rückzug Lafranchis nicht selbst wieder in Position bringen, sagte Hess gestern. «Das lasse ich sein.»

Thomas Fuchs zeigte sich vom Kommunikationsverbot überrascht. «Aber Befehl ist Befehl», sagte er, das sei er sich aus dem Militär gewohnt. «Ich warte auf die Aufhebung der Nachrichtensperre.» Er, der im Vorstand Lafranchi protegiert hat, sieht sich nicht verantwortlich. «Der Vorstand hat alle drei Kandidaten einstimmig vorgeschlagen», sagt er. Auch Parteipräsident Bernasconi habe für Lafranchi gestimmt. Auch Fuchs glaubt nicht, dass die chaotische Nomination der Partei schadet. «Die Politik allgemein hat vielleicht Schaden genommen. Der Aussenstehende schüttelt wohl etwas den Kopf.»

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