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Ein Schwumm nach Wein, das lasse sein

Künftig ist in den Stadtberner Frei- und Hallenbädern der Verkauf von Alkohol erlaubt. Gleichzeitig warnt die Stadt Bern, Schwimmen und Alkohol vertrügen sich nicht.

Ab dem 1. August können die Gäste der Stadtberner Badibeizen auch Bier konsumieren.
Ab dem 1. August können die Gäste der Stadtberner Badibeizen auch Bier konsumieren.
Jack Taylor/Getty Images

Noch ein Bier zum Bio-Hot-Dog? In den Stadtberner Frei- und Hallenbädern soll ab 1. August der Verkauf von Bier und Wein erlaubt sein, wie der Berner Gemeinderat am Montag mitteilte. Das Verbot zum Alkoholausschank wird aber nur teilweise aufgehoben, es dürfen weiterhin keine Spirituosen wie Whisky oder Wodka in den Badi-Beizen angeboten werden.

Im Hinblick auf die diesjährige Badesaison sei es der Stadt nur schwer gelungen, Pächter für die städtischen Bäder Lorraine, Ka-We-De, Wyler und Weyermannshaus zu finden, sagt Michael Aebersold (SP), Direktor für Finanzen, Personal und Informatik. Die Wetterabhängigkeit und die vorgeschriebenen Öffnungszeiten seien für Pächter nicht ideal. «Mit der Lockerung des Verbots soll das Angebot in den Badi-Restaurants erweitert und attraktiver werden», sagt Aebersold.

Auf der einen Seite wird den Badegästen die Baderegel «Nie alkoholisiert ins Wasser!» eingeschärft, auf der anderen Seite wird ihnen Alkohol angeboten. Ist das kein Widerspruch? Aebersold verneint: «Alkohol und Schwimmen vertragen sich nicht – diese Baderegel gilt nach wie vor.»

Letztendlich gehe es auch um die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, wenn er nach einem Bier noch in die Aare springe. Das Angebot solle zudem Leute ansprechen, die nicht ins Wasser gehen. «Wer für das Mittagessen in die Badi geht, soll ein Glas Wein trinken dürfen», findet Aebersold.

Appell an die Eigenverantwortung

Mit dem Entscheid, das Verbot zum Alkoholausschank aufzuheben, orientiere sich der Gemeinderat an der Praxis von anderen Gemeinden und Städten. Wer in Berner Bädern bisher Alkohol trinken wollte, musste diesen selber mitnehmen. In der Badi Weiermatt in Köniz wird seit rund zehn Jahren Alkohol verkauft.

Damals erkundigten sich die Verantwortlichen in anderen Schwimmbädern nach deren Erfahrungen mit Alkohol, sagt Pascal Blatter, Leiter des Freibads Weiermatt. Diese seien «nicht schlecht» gewesen, darum habe man es selber ausprobiert. Und das Konzept bewährte sich nach Blatters Ansicht: «Ich kann mich an zwei alkoholisierte Personen erinnern, die wir in rund zwanzig Jahren wegweisen mussten.» Badeunfälle wegen Alkoholkonsum seien ihm nicht bekannt. «Bei 150'000 Gästen im Jahr sind zwei pöbelnde Betrunkene verkraftbar.»

Im Freibad Ostermundigen seien ebenfalls keine Probleme wegen des Alkoholausschanks bekannt, sagt der Wirt Charles Aeschbach. Nebst Bier und Wein werden auch Spirituosen verkauft. «Nach dem Schwumm noch ein Bier zu trinken, ist ein Bedürfnis der Kundschaft», sagt Aeschbach.

Bei der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hat man ein gewisses Verständnis für die Badibetreiber. «Eine Badi muss finanziell rentieren, der Alkoholverkauf soll wohl dabei helfen», vermutet Philipp Binaghi, Mediensprecher der SLRG. Trotzdem bleibe die Präventionsbotschaft «Nie alkoholisiert ins Wasser» absolut zentral.

Binaghi sieht zwischen dem Ausschank von Alkohol und der Baderegel keinen Widerspruch. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Badegäste: «Die Leute sind erwachsen und müssen selbst Verantwortung übernehmen, wenn sie alkoholisiert schwimmen gehen.» Ob der Alkoholverkauf in den Badis zu mehr Badeunfällen führe, könne er aber nicht einschätzen.

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