Ein Rotlicht gilt für die Broncos nicht

Die Broncos haben sich auf ihrer Motorradtour an Auffahrt nicht an alle Verkehrsregeln gehalten. Dass die Polizei dabei zuschaute, macht einigen Bernern Angst. Broncos-Chef Jimy Hofer hingegen findet die Kritik kleinlich.

Auch die Polizei muss warten: Ein Motorradfahrer stoppt an der Verzweigung Bernstrasse–Aarestrasse in Worblaufen eine Patrouille der Kantonspolizei.

Auch die Polizei muss warten: Ein Motorradfahrer stoppt an der Verzweigung Bernstrasse–Aarestrasse in Worblaufen eine Patrouille der Kantonspolizei.

(Bild: zvg)

Simon Preisig@simsimst

«Das war eine reine Machtdemonstration», zeigt sich «Bund»-Leser Alexander in einer Mail an die Redaktion schockiert. Der Stadtberner wollte am Donnerstagnachmittag mit zwei Freunden in die Stadt fahren. Doch beim Linksabbiegen in Worblaufen wird ihr Fahrzeug aufgehalten: «Plötzlich kommen von rechts Hunderte von Motorradfahrer. Sie missachteten das Rotlicht und brausten einfach weiter.» Die drei seien mit ihrem Auto mitten auf der Kreuzung blockiert gewesen.

So ging das gemäss Alexander für knapp zehn Minuten weiter: «Es kam ein Motorrad nach dem andern, da war kein Durchkommen möglich.» Dabei hätten zwei der Biker gestoppt, die Einfahrten zu der Kreuzung blockiert und den Verkehr aufgehalten. «Als wir einen von ihnen fragten, was denn los sei, hat er uns nur den Stinkefinger gezeigt. Ich habe die Stimmung als aggressiv erlebt.»

Die Polizei bleibt untätig

Auch eine andere Leserin meldete sich empört beim «Bund». Sie kam mit ihrem Auto ebenfalls an der Kreuzung in Worblaufen nicht mehr weiter. Die Geschichtslehrerin aus der Region Bern nervte sich vor allem daran, dass auch die Polizei vor Ort war – und nichts unternahm: «Ein wohl zufällig anwesender Streifenwagen schien sich an den neuen Gesetzesmacher nicht zu stören.» Sie habe die Polizisten mit den offensichtlichen Verkehrsübertretungen der Motorradfahrer konfrontiert. Diese hätten aber nur die Schulter gezuckt.

Als sich ein Fahrradfahrer den Massen an Bikern entgegengestellt hat, ist es laut der Leserin noch fast zu einer Schlägerei gekommen. «Wer macht hier das Gesetz? Wessen Hüter ist die Polizei?», regt sie sich auf. Auch Alexander versteht die Polizisten nicht: «Die hätten doch aussteigen und die Situation filmen sollen, dann könnte man die Rotlichtsünder im Nachhinein zur Verantwortung ziehen.»

Ein Ausflug mit Tradition

Die Polizei wusste bereits im Vorfeld über den Motorradausflug Bescheid, wie Ramona Mock, Mediensprecherin der Kantonspolizei, auf Anfrage bestätigt. Die Motorradfahrer waren Teil einer von der Berner Bronco-Loge organisierten Ausfahrt: Zur Einweihung der Saison treffen sich die Biker jeweils über Auffahrt und fahren gemeinsam zum Clubhaus der Broncos in Wiggiswil. «Eine solche Ausfahrt ist grundsätzlich nicht bewilligungspflichtig», so Mock. Auch bei einem Anlass dieser Art müssten aber die Verkehrsregeln beachtet werden.

Warum die Polizisten nicht eingegriffen haben, erklärt Mock folgendermassen: «Aufgrund der Situation vor Ort, und der Tatsache, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Dritte bestand, liess man die Motorradgruppe passieren.» Dabei sei auch der Entscheid, die Motorradfahrer nicht zu filmen, ein Entscheid der Patrouille gewesen. Diese ist gemäss Mock nur zufällig vor Ort gewesen. Ob die Polizei zur Biker-Ausfahrt noch Ermittlungen aufnehme, ist von der Bevölkerung abhängig. «Wenn eine Beschwerde eingehen würde, würden wir dieser nachgehen», sagt Mock weiter. Bis jetzt seien jedoch keine Beanstandungen bekannt.

«Es gibt immer Leute, die sich aufregen»

Ein gänzlich anderes Bild des Anlasses zeichnet Jimy Hofer. Der Vorsteher der Berner Bronco-Loge ist beim donnerstäglichen Korso selber vorausgefahren. «Es war eine sehr schöne Ausfahrt», so Hofer. Die Rückmeldungen seien nur positiv gewesen. «Die meisten Leute freuen sich und stehen mit einem Lächeln am Strassenrand.»

Mit 480 Motorrädern war die Ausfahrt gemäss Hofer zudem sehr gut besucht. Auch das Wetter habe viel besser als erwartet mitgespielt. Die Frage, ob die Polizei im Vorfeld informiert wurde, verneint der Rocker: «Die wissen das einfach, das machen wir ja jedes Jahr.»

Vom konkreten Vorfall mit dem Velofahrer wisse er nichts: «Mir wird halt auch nicht mehr jedes Detail berichtet.» Sie seien aber sicher nicht ohne Vorwarnung über Rot gefahren: «Unsere erfahrenen Patrouillen haben im Voraus die Strasse abgesperrt und so für die Sicherheit garantiert.»

In 20 Jahren Motorradtour an Auffahrt sei nicht das Geringste passiert. «Wir sind auf so einer Ausfahrt jeweils auch nur mit 40 bis 50 Stundenkilometer unterwegs», sagt Hofer weiter. Dass es nun Menschen gibt, die sich empört an die Zeitung wenden, findet er schade: «Man kann machen, was man will. Es gibt immer Leute, die sich aufregen und alles zerstören wollen.»

DerBund.ch/Newsnet

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