Ein neuer Campus ist noch keine Strategie

Im Konkurrenzkampf der Schweizer Fachhochschulen haben die Berner nicht die Besten Karten.

Der neue Campus Bern kommt - aber wohl etwas zu spät.

Der neue Campus Bern kommt - aber wohl etwas zu spät.

(Bild: wulf architekten + STUDIO PEZ, Visualisierung: Aron Lorincz Ateliers)

Christoph Aebischer@cab1ane

Endlich wird der zentrale Campus der Berner Fachhochschule sichtbar – wenn auch erst auf Plänen. Damit endet das jahrelange Ringen um die Zusammenführung der verzettelten Standorte hoffentlich definitiv. Wenn alles rundläuft, wird 2026 an den Bahngleisen in Bern Ausserholligen eine moderne Bildungsinstitution eröffnet: attraktive Räume, kurze Wege für interdisziplinären Austausch und gut erreichbar für Dozenten und Studierende.

Doch der Campus kommt spät. Die Konkurrenz – namentlich die Fachhochschule Nordwestschweiz – hat längst repräsentative Bauten an gut erschlossener Lage hochgezogen. Unter den sieben Schweizer Fachhochschulen tobt ein scharfer Konkurrenzkampf, bei dem die Berner nicht die besten Karten haben. Die mittelgrosse Schule ist in den vergangenen Jahren langsamer gewachsen als andere. Seit 2016 muss der Kanton Bern im Bereich Fachhochschule mehr bezahlen für ausserkantonal Studierende, als er einnimmt für Studierende anderer Kantone. Das «Defizit» hat sich 2017 auf 2,8 Millionen Franken vergrössert. Und 2018 wuchsen die Auslagen für extern Studierende weiter.

Mit dem neuen Campus wird sich das leider nicht automatisch ändern, wie dies die Leitung der Berner Fachhochschule und die Erziehungsdirektion weismachen wollen. Während sich die Grossen im Geschäft, die Westschweizer oder die Zürcher Fachhochschule, mittlerweile mit Universitäten und internationaler Konkurrenz messen und sich einen veritablen Streit um Forschungsgelder liefern, wenden sich kleinere Institute wie jenes in Chur Nischen zu, in denen sie stark sind. In Bern hingegen fehlt nach wie vor eine klare strategische Ausrichtung.

Zwar wird die Zahl der Studierenden laut Prognosen bis 2027 um 10 Prozent steigen und dadurch das Problem etwas abgemildert. Doch im sogenannten Krieg um Talente muss sich die mit acht Departementen (zu) breit aufgestellte Fachhochschule sputen. Sie sollte den Startschuss für den Campus dazu nutzen, ihr Profil zu schärfen.

DerBund.ch/Newsnet

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