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Ein Leben auf Schleuderkurs

Miriam Dutto aus Kirchberg rast und schleudert leidenschaftlich gerne durchs Leben. Die 31-Jährige fährt Drift-Rennen. Schnelle Autos haben sie schon immer fasziniert – Umweltschutz hin oder her.

Eine Frau und ihr Auto: Die Drifterin Miriam Dutto mit ihrem Prunkstück. (Manuel Zingg)
Eine Frau und ihr Auto: Die Drifterin Miriam Dutto mit ihrem Prunkstück. (Manuel Zingg)

Mit blonder wallender Mähne posiert sie auf der polierten Kühlerhaube. Schnelles Auto, schöne Frau: Ein Bild, das perfekt zum Image des Rennsports passt. Doch Miriam Dutto schmiegt sich nicht etwa im Bikini an das Auto, sondern im Rennkombi. «Ich habe mich schon immer für Autos interessiert», sagt die 31-Jährige aus Kirchberg und wirft einen stolzen Blick auf ihren schwarzweiss lackierten BMW 325i M-Tech II. Seit sechs Jahren betreibt sie Drifting. «Dies ist ein Rennsport, bei dem das kontrollierte Ausbrechen mit dem Auto im Vordergrund steht», erklärt sie und demonstriert mit dem Autoschlüssel, wie sich das Auto mit einer Geschwindigkeit zwischen 100 und 180 Stundenkilometern in der Kurve optimal querstellen soll.

In der Schweiz ist die aus Japan stammende Rennsportart erst seit einigen Jahren bekannt und Frauen sind mit Dutto gerade mal zwei am Start. Sie fühle sich in der Männerdomäne akzeptiert. Ob das auch noch so wäre, wenn sie in den vorderen Rängen mitfahre, werde sich zeigen. Dieses Jahr kann sie sich an der internationalen Driftmeisterschaft in Deutschland beweisen. Bewertet werden neben der Geschwindigkeit der Stil, die Fahrlinie sowie die Seitwärtslage. Im Moment bewegt sich Dutto in der internationalen Driftszene im Mittelfeld.

Nur wenig Anerkennung

Die Leidenschaft für den Rennsport hat Dutto an Tuningtreffen entdeckt. «Plötzlich wollte ich selber Rennen fahren», erzählt sie. So begann sie 2004 mit dem Drift-Training. Die langen Fingernägel haben sie dabei nie gestört, sagt sie. Bis man einmal gespürt habe, wie das kontrollierte Schleudern funktioniere, sei es schwer. Doch hat man es erst begriffen, gibt es kein Zurück mehr.

Mittlerweile fährt sie bei internationalen Meisterschaften mit. Diese finden im Ausland, meist in Deutschland oder Frankreich, statt. «In der Schweiz wird der Motorsport nicht grossgeschrieben», sagt Dutto. Daher gäbe es auch keine Rennstrecke, was schade und problematisch sei. Zwar könne man sich hier schnelle Autos kaufen, die Möglichkeit, diese zu testen, gäbe es allerdings nicht. «Wenn sich die Leute austoben könnten, gäbe es weniger Raserei auf der Strasse», ist sie überzeugt. Keine Rennstrecke in der Schweiz bedeutet für Dutto, dass sie im Ausland trainieren muss. Ungefähr zwei Wochenenden pro Monat verbringt sie auf einer ausländischen Rennstrecke. Dementsprechend sei Drift ein teures Hobby. Pro Wochenende braucht sie 800 bis 1000 Franken, dazu kommen die ganzen Investitionen für Kauf, Unterhalt und Tuning des Autos. Dafür verzichtet die Projekt-Assistentin auf Ferien.

Öko und Drift verträgt sich nicht

Bei ihrem Rennauto ist das Fahrwerk verändert, damit das Auto bei hoher Geschwindigkeit bessere Bodenhaftung hat. Auch die Sitze und Gurte mussten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. Obwohl das Auto vorderhand renntauglich sein muss, hat Dutto einige optische Verbesserungen vorgenommen. Neben einem aufgebauten Heckflügel hat sie die Karosserie schwarzweiss lackiert, und die zwei Endrohre beim Auspuff sorgen für den «richtigen Sound». Sie will so viel wie möglich selber machen. Für den Fall, dass sie nicht weiter weiss, steht ihr Freund zur Verfügung: Er ist Mechaniker – und Drift-Rennfahrer.

Ein Leben ohne die prickelnde Atmosphäre während eines Rennens und das Spiel mit der Geschwindigkeit kann sich Miriam Dutto nicht vorstellen. Dass sie bei ihrem Hobby viel Benzin verbraucht, stört sie nicht. «Öko und Drifting geht nicht zusammen», sagt Dutto. Ansonsten versuche sie aber so umweltfreundlich wie möglich zu sein und trenne zu Hause ihren Müll. Neben dem Rennfahren hat sie punkto Anerkennung von Drifting in der Schweiz noch einiges vor. Bereits vor einigen Jahren gründete sie dafür den Club Driftteam, dessen Präsidentin sie ist. Sie hofft, irgendwann mal ein Rennen in der Schweiz zu fahren. Und wer weiss, vielleicht kann sie dann als Siegerin auf der Kühlerhaube ihres 170 PS starken Autos posieren.

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