Ein Bild sagt mehr als Worte

Ausgerechnet Erich Hess’ Ex-Freundin verstiess gegen das Videoverbot im Rat, dabei setzte Hess es kürzlich durch.

Weder von der Zuschauertribüne noch im Stadtratssaal ist es erlaubt zu filmen. (Symbolbild)

Weder von der Zuschauertribüne noch im Stadtratssaal ist es erlaubt zu filmen. (Symbolbild)

(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Kaum eine Diskussion im Berner Stadtrat wurde aus so vielen Blickwinkeln festgehalten wie am Donnerstag jene zur Reitschule. Da war BDP-Stadtrat Lionel Gaudy, der die Rede von Gemeinderat Reto Nause (CVP) von seinem Sitzplatz aus filmte und auf Facebook postete. Die einstige SVP-Gemeinderatskandidatin Sylvia Lafranchi filmte davor den Auftritt von ihrem ehemaligen Schätzli Erich Hess (SVP) von der Zuschauertribüne aus, und verschiedene Medienschaffende übertrugen die Diskussion um die Reitschule von ihrer Tribüne aus. Wer einen Blick in die sozialen Medien warf, konnte das Spektakel also fast live miterleben.

Bloss: Das Geschäftsreglement des Rats verlangt eine Bewilligung für Ton- und Bildaufnahmen – ausgenommen davon sind Medienschaffende. Weder Gaudy noch Lafranchi hatten eine Bewilligung eingeholt. Ist die einstige Gemeinderatskandidatin unbemerkt unter die Medienschaffenden gegangen? Darauf angesprochen, verneint sie: Sie habe vom Bewilligungsverfahren nichts gewusst. Es sei ihr aber auch nicht so um den «Inhalt der Rede» von Hess gegangen, sondern eher um die Rhetorik und das Festhalten seiner «Stimmentfaltung». «Aber das Verbot ist ja der Gipfel – und niemand hat mich darauf angesprochen», versichert Lafranchi. Sie beteuert, nur noch als Gast im Rat sitzen zu wollen.

Dabei war es der nun ins Video gerückte Hess gewesen, der sich erst kürzlich für die Einhaltung des strikten Verbotes einsetzte: Auf der Zuschauertribüne sass Alt-Stadtrat Mess Barry und filmte ohne Bewilligung – er hörte auch nicht auf, nachdem ihn der Ratspräsident zurechtgewiesen hatte. Prompt wurde Barry der Tribüne verwiesen.

Aber wie gesagt, es gab am Donnerstag weitere Delinquenten, welche gegen das Reglement verstiessen. Lionel Gaudy sagte auf Anfrage, er habe «semi-bewusst» gegen die geltende Bestimmung verstossen. Es sei ihm darum gegangen, Öffentlichkeit herzustellen. Denn die meisten Medienschaffenden hätten das Rathaus bereits verlassen gehabt, als Nause endlich das Wort ergreifen durfte. Weil der Stadtpräsident zu lange gesprochen hatte, durfte Nause erst nicht ans Rednerpult (der «Bund» berichtete).

Überhaupt passt das Verbot vielen Stadträten nicht, würden sie sich der Öffentlichkeit doch gerne etwas mehr auch im Bild präsentieren. Zurzeit liegt nämlich ein breit unterstützter Änderungsantrag bei der Aufsichtskommission. Dieser möchte erreichen, dass auf der Webseite des Stadtrates künftig alle Diskussionen live übertragen werden. Auch Gaudy hat die Forderung unterschrieben.

Der Bund

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